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Der BGH wurde heute mal wieder philo­so­phisch: Weiterleben ist kein Scha­den (Ur­teil vom 2. April 2019 – VI ZR 13/18). Der Sohn hatte geklagt, weil sein de­men­ter Va­ter jahrelang mit einer Magen­sonde ohne Aus­sicht auf Bes­serung künst­lich er­nährt wurde. Der Sohn als Er­be wollte mindes­tens 100 000 Euro Schmer­zens­geld und mehr als 52 000 Euro für Behandlungs- und Pflegekosten seit Anfang 2010.

Die Vorsitzende Richterin am BGH Vera von Pentz meinte in der Urteils­be­grün­dung, es könne dahinstehen, ob der Arzt Pflich­ten verletzt habe. „Das Urteil über den Wert eines Lebens steht keinem Dritten zu.“

BULLSHIT!

Leben ist eine Art von Aggregatzustand. Wenn die Moleküle nicht mehr funzen, zu­sammenwirken, ist der lebende Zombie ein Fleischklops.

Dieser Fleischklops ist nicht mehr in der Lage, seinen ehemaligen Mitmenschen mitzuteilen, ob ihm das künstliche Leben Schmer­zen bereitet. Also wird es ggf. ge­gen seinen unbekannten Willen schmerz­haft verlän­gert.

nobody kann nur jedem raten, zu wirk­li­chen Lebzeiten mit ei­nem Arzt da­rü­ber zu re­den, was kann, aber nicht sein muss. Ein Jurist kann diese Aufklärungs­arbeit nicht leisten und die im Netz kursierenden Pa­tien­tenverfügungen sind un­wirk­sam … so­gar die Regierungsamt­liche hat die Recht­sprechung zu Recht kassiert.

Der Tod tut nicht weh, nur das Sterben und das muss man nicht schmerzhaft verlän­gern.

BTW: Der BGH war schon mal weiter und anderer Ansicht.

Das Unterlassen einer medizinisch in­di­zierten Abtreibung kann sehr wohl Scha­dens­ersatzansprüche auslösen (BGH Ur­teil vom 15.07.2003 – VI ZR 203/02).

Leben ist kein Selbstzweck. Der Weg ist nicht das Ziel, sondern nur ein Sinn (und das Ziel ist eh immer der Tod). Ein Leben ohne Sinn kann man auch ausklingen las­sen.

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