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Was ist los in der FAZ? Der Artikel über Götzens Hirnwinde ist nicht der erste und einzige Ausflug der FAZ in die Nazi-Szene. Am Samstag durfte der Gauleiter einen „Gastbeitrag“ platzieren, über den heftig gestritten wird.

Zuerst erkannte der Historiker Wolfgang Benz im TAGESSPIEGEL eklatante Pa­ral­lelen zwischen dem Gastbeitrag des Gauleiters und der Hitlerrede vom 10. November 1933 im Dynamowerk in Berlin-Siemensstadt

Dazu ein Textvergleich.

Und dann taucht Michael Seemann auf und bemerkt: Das ist doch mein Text aus dem TAGESSPIEGEL vom 25.10.2018.

Das ist vorher schon dem CICERO aufgefallen.

Wie auch immer: der Gauleiter hat sich mit fremden Feder geschmückt und so heißt ja auch die Rubrik der FAZ, in der sein Beitrag erschien. Hier der Text:

    Alexander GaulandWarum muss es Populismus sein?

    Vor ungefähr zehn Jahren kam der Begriff Populismus in den politischen De­bat­ten kaum vor. Heute ist er allgegenwärtig. Eben sagte Wolfgang Schäub­le in seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit und an die Adresse der „Popu­lis­ten“ gerichtet: „Niemand hat das Recht, zu be­haupten, er allein ver­trete ‚das Volk‘.“

    Seit es den politischen Populismus der Gegenwart gibt, für den sympto­ma­tisch der Name Donald Trump steht, wird von interessierter Seite unterstellt, man erken­ne Popu­listen daran, dass sie behaupten, im Namen der wahren Mehrheit zu sprechen. Was uns betrifft: Wir haben keinen Allein­vertretungs­anspruch. Wir sind nicht „das“ Volk, aber wir wollen, dass das Volk mehr di­rek­ten poli­tischen Ein­fluss be­kommt. Wir akzep­tieren, dass es demo­kra­ti­sche Mit­bewerber, Wahl­ergebnisse und wech­selnde poli­ti­sche Mehr­heiten gibt – was denn sonst?

    Um den Populismus zu verstehen, muss man fragen: Warum ist er ent­stan­den? Worauf reagiert er?

    Im Zuge der Globalisierung hat sich nach dem Ende des Ost-West-Kon­flikts eine neue urbane Elite gebildet, man könnte auch von einer neuen Klasse sprechen. Zu ihr gehören Men­schen aus der Wirt­schaft, der Politik, dem Un­ter­hal­tungs- und Kul­tur­betrieb – und vor allem die neue Spezies der digi­talen Informationsarbeiter.

    Diese globalisierte Klasse sitzt in den international agierenden Unternehmen, in Organi­sationen wie der UN, in den Medien, Start-ups, Universitäten, NGOs, Stiftungen, in den Parteien und ihren Appa­raten, und weil sie die Infor­ma­tionen kontrolliert, gibt sie kulturell und poli­tisch den Takt vor. Ihre Mitglie­der leben fast aus­schließlich in Groß­städten, sprechen fließend Eng­lisch, und wenn sie zum Job­wechsel von Berlin nach London oder Singapur ziehen, fin­den sie überall ähnliche Appartements, Häuser, Restau­rants, Geschäfte und Privatschulen. Dieses Milieu bleibt sozial unter sich, ist aber kulturell bunt.

    Das hat zur Folge, dass die Bindung dieser neuen Elite an ihr jeweiliges Hei­mat­land schwach ist. In einer abgehobenen Parallelgesell­schaft fühlen sie sich als Welt­bürger. Der Regen, der in ihren Heimat­ländern fällt, macht sie nicht nass. Sie träumen von der one world und der Welt­republik. Da dieses Milieu „sexy“ ist, hat es auch auf Teile der Gesellschaft großen Einfluss, de­nen der Zutritt dorthin versperrt bleibt.

    Der globalistischen Klasse gegenüber stehen zwei heterogene Gruppen, die in der AfD ei­ne Al­lianz eingegangen sind: zum einen die bürgerliche Mit­tel­schicht, zu der auch der wirtschaft­liche Mit­tel­stand gehört, der nicht einfach seine Unter­nehmen nach Indien verla­gern kann, um dort be­sonders bil­lig zu produ­zieren; zum anderen viele sogenannte einfache Men­schen, deren Jobs oft miserabel bezahlt werden oder nicht mehr existieren, die ein Leben lang den Buckel krumm gemacht haben und heute von einer schäbi­gen Rente le­ben müssen. Das sind zugleich diejenigen, für die Heimat noch immer ein Wert an sich ist und die als Erste ihre Heimat verlieren, weil es ihr Milieu ist, in das die Einwanderer strömen. Sie können nicht einfach wegziehen und woanders Golf spielen.

    Durch alle westlichen Gesellschaften zieht sich heute dieser Riss. Er ist un­ge­heuer vertieft worden, als plötzlich Abermilliarden Steuergelder vorhanden waren, um Ban­ken zu retten, europäische Pleitestaaten zu finanzieren und Hunderttausende Einwanderer zu alimentieren. Es war eine Konstel­lation, die nach einer Fundamentalopposition verlangte. Diese Opposition konnte von rechts und links kommen, aber sie musste notwendig populistisch sein. Po­pu­lis­tisch heißt: gegen das Establishment. Frau Wagenknecht hat das begriffen.

    Man komme uns bitte nicht mit politischen Schnullerparolen wie „Wir wollen uns nicht abschotten“. Niemand will sich abschotten. Aber ein Mann wie Do­nald Trump ist gewählt worden, weil er versprochen hat, dass er seine Lands­leute vor dem inter­nationalen Lohn­dumping ebenso schützen wird wie vor der il­legalen Massen­einwanderung. Die Globalisierung sieht im Penthouse sehr viel freund­licher aus als in der der Sozial­wohnung.

    Der Egoismus der Globalisten ist keine Spur edler als das Eigeninteresse der Partikularisten, aber die Globalisten setzen mehr aufs Spiel. Wir sind gerade dabei, auf Geheiß der globalististischen Elite vieles von dem zu riskieren, was unser Land und unseren Erdteil lebens­wert macht: den in­neren Frieden, den Rechtsstaat, die soziale Sicherheit, die Gleich­berechtigung der Frau, die Mei­nungs- und Re­li­gions­freiheit. Mit einem Wort: unsere freiheitliche Art zu le­ben, die Heimat eben. Wenn sie verschwin­det, wird sie nie­mals wie­der­keh­ren.

    Der Autor ist Parteivorsitzender der Alternative
    für Deutschland (AfD) und der Fraktionsvorsitzender
    im Bundestag.

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