Schlagwörter

,

Die Kommentare in der ZEIT zum vor­erst fer­tig­ge­stelltem Kunstwerk von Banksy zeigen, wie groß die Dis­kre­panz juristischen Verständ­nis­ses zwi­schen Laien und Pro­fis ist. Fast alle Kom­men­tatoren haben keinen blassen Schim­mer.

Das bringt mich auf die Idee, diese A(u)ktion als Semesterarbeit für den kleinen BGB-Schein vorzuschlagen … gibt’s die Unterteilung eigentlich noch? Keinen blassen Schimmer.

Für Erstsemester ist der Fall zu schwer … unlösbar, denn hier … wenn man es auch nur nach toitschem Recht lösen lässt, also den Tatort z.B. nach Berlin ver­legt … sind nicht nur schon tiefere Kenntnisse des BGB ge­fragt, son­dern auch vom Urheberrecht.

Die juristische Ahnungslosigkeit der ZEIT-User beginnt schon damit, dass dem telefonischen Bieter das Eigentum am Werk bereits mit dem Zuschlag zu­ge­schrie­ben wird … nööö! Das ist nur der schuld­rechtliche Vertrag (ist im anglo­ame­ri­ka­nischen Recht z.B. anders, weil die kein Abstraktionsprinzip kennen) … zum Letzten! Es fehlte zum Zeit­punkt „Zerstörung“ noch die sachenrechtliche Kompo­nente, nämlich die Eini­gung darüber, dass Eigentum am Werk übergehen soll und die Besitz­einräumung, ggf. auch in Form der traditio longa manu.

Dann kommen wir zum Kunstbegriff, aber nicht dem des GG, sondern dem tat­säch­lichen.

War Banksys Kunstwerk schon fertig beim Zuschlag, oder erst nach dem Schred­dern?

Wenn das Girl With Balloon noch unfertig war, durfte es der Künstler nach dem Zuschlag noch aufgrund seines Urheberrechts verändern … kein anderer darf es, aber darf er es?

Wenn ja, liegt ein Eigenschaftsirrtum auf Seiten des Erwerbers vor, wenn er an­nahm, dass das Werk so in seinen Besitz übergeht, wie es bei Sotheby’s hing?

Hat sich das Auktionshaus schadensersatzpflichtig gemacht, weil es die Funktion des Rahmens nicht kannte, oder nicht offenbart hat?

Wenn ja, kann das Auktionshaus seinen Schaden beim Künstler liquidieren, weil er den Schredder verheimlicht hat?

Liegt überhaupt ein Schaden vor, wenn das Kunstwerk nach dem Schreddern wertvoller wird?

Usw., usf. und als besonderen Gag würde ich den Studjurs die Freiheit lassen, den Fall als Anwalt des Künstlers, des Erwerbers, des Auktionshauses oder aus der Warte des Richters zu lösen.

Jura kann richtig Spass machen … das versteht aber nur, wer dazu geboren wur­de.