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Nun ist die Diesel-Bombe geplatzt, denn der Italiener Signore Z., zurzeit „wohn­haft“ in der JVA Stadelheim, hat auf 28 Seiten detailliert geschildert, wer wann was davon erfahren hat, dass das SCR beim EA189-Motor von VW so nicht funk­tionieren wird und deshalb mit der „defeat device“ Software von Bosch nach­ge­holfen werden muss. Z. war bis zu seinem Rauswurf Chef der Thermodynamik in der Abteilung für Dieselmotorenentwicklung von Audi in Neckarsulm.

Anders als Oliver Schmidt und James Liang, die sich in den USA für schuldig er­klärt haben, ohne auf den Vorstand zurückzugreifen, hat Signore Z. Ross und Reiter genannt. Und danach verdichten sich die Hinweise, dass der Fisch vom Kopf her stinkt.

Signore Z. hat ausgesagt, dass ein gewisser Martin W. am 9. Oktober 2006 über die Grundproblem bei Adblue unterrichtet wurde. Martin W. war damals Vor­stands­chef von Audi und zugleich Mitglied des VW-Vorstandes. Zuvor war er Lei­ter der Kältemittelverdichter-Entwicklungsgruppe „Stoffe und Verfahren“ bei der Robert Bosch GmbH.

Mit diesem Problem-Wissen wechselte Martin W. drei Monate später zum 1. Ja­nu­ar 2007 auf den Chefsessel der VW-Mutter.

Damit ist die Lücke geschlossen, die die Urteile z.B. der Landgerichte Hildesheim und Arnsberg gelassen haben. Eine Haftung des VW-Konzerns aus sittenwidriger Schädigung gem. § 826 BGB auch für Autos der Konzerntöchter setzt voraus, dass der Vorstand von dem Betrug wusste (§ 31 BGB). Diese Lücke war bisher zugunsten der Kläger mittels der sekundäre Darlegungslast geschlossen worden, der VW nicht nachkommen wollte. Ein anderer Weg führt über das Organisa­tions­verschulden, dass die Haftung des Vorstandes quasi ersetzt.

Wenn VW den Gerichten weismachen will, dass die EA189-Motoren mit der Schum­melsoftware millionenfach verbaut wurden, ohne dass der Vorstand da­von wusste, dann ist VW schlicht ein Saustall, der die Prozesse im Unter­ne­hmen nicht im Griff hat.

Vielleicht bringt das Arbeitsgericht Heilbronn etwas mehr Licht ins Dunkel der Abgaswolken, denn Z. wehrt sich wie sein früherer Chef Ulrich Weiß, Leiter der Audi-Motorenentwicklung, gegen die Kündigung. Weiß hat dem ArbG Unterlagen vorgelegt, aus denen sich ergibt, dass der jetzige Audi-Chef Stadler seit 2012 von den manipulierten Motoren gewusst haben soll.

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