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Halb vier. Seit zwei Stunden ist die Nacht vorbei. Nach dem ersten Peebreak hab ich’s noch eine halbe Stunde versucht. Nix bei rumgekommen als ein zerwühl­tes Laken. „Zig Dinge kann ich mir vorstellen, die mehr Spaß machen als mit ir­gend­welchen Herren die Laken zu zerwühlen“, schreibt Lucy Fricke in der ZEIT in „Zum Amüsieren fehlt mir die Lust“.

So ist das immer, wenn ich nachts nicht mehr schlafen kann. Ich lese jeden Quatsch und das ist gut so, denn dabei findet das Schwein manchmal Perlen.

Lucy Fricke spricht mir aus der Seele … falls nobody eine haben sollte. Und ich hab viel gelernt. Downdating z.B. Nie zuvor gehört. Lucy erklärt es so:

    Mit Menschen ins Bett gehen, die sozial und intellektuell unter einem stehen (aber geil aussehen!).

Scheint ein weibliches Problem zu sein … vielleicht auch ein männliches, aber nicht meins. Zum einen date ich nicht, jedenfalls nicht so, wie von Lucy be­schrie­ben:

    Also verschont mich mit diesem Dating-Quatsch. All die Fotos, die ganzen Nachrichten, die man sich hin und her schicken muss, und am Ende soll man sich auch noch treffen, mit einem Fremden …

Ich kann mit diesem ganzen Scheiß nix anfangen und das ständige Rumge­wi­sche auf den smarten Phones geht mir auf die Eier. Ich steh lieber beim Wolle an der Kasse, schau mir das Mädel an, entdecke ihre Hände, halte die fest, wäh­rend ich ihr den Schein in selbige drücke und sage: „Sie haben wunderschöne Hände“ … und das kommt an, weil es ehrlich ist und auch so verstanden wird.

Über die intellektuelle Leistungsfähigkeit der schönen Hände mache ich mir da­bei keinen Kopp. Das ist dann auch kein Downdating … dafür war ich selbst zu weit down. Und da unten, dort wo es tiefer nicht geht, da sieht man die Men­schen aus einer anderen Perspektive … alle, nicht nur die Mädels.

Demisexuell, das ist auch so ein Wort, das ich heute von Lucy gelernt habe. Sie definiert:

    Wer demisexuell ist, fühlt sich nur zu Menschen sexuell hingezogen, zu denen er eine starke emotionale Bindung aufgebaut hat.

Ja, ich glaub, das bin ich, allerdings mit dem Problem, dass mir das drei Mal am Tag passieren kann 😛 Nun bin ich leergevögelt, geht es mir wie Lucy:

    Ich interessiere mich nur nicht so sehr fürs Ficken. Manchmal passiert es aus Versehen, im Rausch. Ich kann mir Lust antrinken, allerdings nur für den ers­ten Moment. Im Schlafzimmer angekommen, werde ich schlagartig nüchtern. Die Nacktheit ist mir plötzlich unangenehm, den Sex empfinde ich als albern, beängstigend oder abstoßend.

Lucy ist meine Schwester im Geiste. Ich bin sicher, auch an ihr was Schönes zu entdecken. Vielleicht besuche ich sie … sie hat mich eingeladen:

    Ich möchte all diese Freaks einladen, denen Sex noch etwas bedeutet. All diese Verrückten, die noch an die Liebe glauben, all die Verlorenen, die nicht bei Tinder&Co. sind. Die ganzen Irren, die sich Nähe wünschen, die Träumer, die denken, der Sex könnte so schön sein, wenn wir uns wirklich mögen wür­den, alle sollen kommen.


Stop In The Name Of Love – The Supremes introduced by Dusty ❤ ❤ … 4 Uhr 50 … noch eine Stunde bis Wecken … aber die ersten Vögel sind grad wach ge­worden.

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