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Hab meinen Hochzeitstag wieder nicht vergessen. Den Scheidungstag längst. War ir­gend­wann im November. Wenig erhebend. Irgendwas im Namen des Volx, oder so ähn­lich. Am 1. September 1990 war das anders. Das war im Namen von Waldemar und G-M. Und es war in der ersten köl­schen Basilica minor. Nee, das ist nicht der Dom, sondern St. Gereon, die älteste Kirche im hillije Kölle und zweitälteste in Schland. Müssen Sie unbedingt besuchen, wenn Sie mal in Köln sind. Ist ’ne Wucht, auch für Ungläubige.

Getraut hat uns Erich. Zu Erich hatte ich bis zu seinem Tod ein besonderes Ver­hält­nis, nur übertroffen von Omi. Erich habe ich extra „einfliegen“ lassen. Der hatte Tränen in den Augen, als ihm der Küster anbot, zur Trauung die Kasel tra­gen zu dür­fen, die schon uns Jupp getra­gen hat … über 200 Jahre alt … die Kasel, nicht Jupp .. der ist tot und sitzt zusammen mit Heinz auf dem Dom und guggt. Heinz, der alte Fringser, war mein Schwie­ger­papa, der mir die Ge­schich­ten us dem ahle Kölle verzällt hät.

Erich Dziuk war mein Pope … „Herr Parrer“ und „DU“😆 ganz rechts im Bild.
dziuk
Fast alle auf dem aus dem Netz gefischten Foto erkenne ich wieder und ganz links der Kleine ist Andreas K., Schulkamerad von der ersten bis zur letzten Klasse … hat sich überhaupt nicht verändert, nur größer geworden und mehr Bart.

Zum Dziuk hatte ich wie gesagt bis zu seinem Tod ein besonde­res Ver­hält­nis. Mit dem Mann konn­te man über alles reden, auch über Poli­tik. Der war zwar auch ein schwar­zer Schle­sier, Wasser­polak, wie der Name żuk (wasserpolnisch Dziuk = Käfer) verrät, aber Erich war nicht ver­nagelt und hat mich über das Soziale im Men­schen allgemein und im Katholen besonders aufgeklärt, indem er mir von Oswald von Nell-Breuning erzählte und verklickert hat, dass das C in CDU durchaus nicht für “Capital” steht. So ward nobody vor der SPD gerettet:mrgreen:

Uns Jupp ist Kardinal Josef Frings zu Kölle. Ein besonderer Vertreter der christ­li­chen So­zi­al­lehre. Viele glauben ja, Frings habe mit seinem Fringsen die christ­li­che So­zi­al­leh­re falsch in­ter­pre­tiert, aber das Ge­gen­teil ist der Fall. Frings hat sie gelebt, als er in der Sil­vester­pre­digt 1946 sagte:

    Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der Einzel­ne das wird nehmen dür­fen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesund­heit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder durch Bitten, nicht erlangen kann.

Damals wusste jeder, was Frings damit meinte. Wer im bitterkalten Winter keine Kohlen hat, der heizte halt mit geklauten. Sie müssen sich das so vorstellen: Die Kölner, aber nicht nur die, frieren sich den Arsch ab und da rollen Züge voll Koh­le von Nord nach Süd und umgekehrt. Da is­ses doch nit schlimm, wenn ein paar Säcke voll Koh­le fehlen, wenn die Lok in Köln Wasser nachgetankt hat.
fringser
Nach des Kardinals Fringsen-Predigt nahm dieser Mundraub sprunghaft zu und erfolgte unter den gestrengen Augen des Gesetzes. Bevor die Kohlenzüge ein­fuhren, wurden die spielenden Kinder von den Gleisen gescheucht und die Fringser nahmen entlang derselben Aufstellung. Wenn der Zug hielt, stürmten alle die Waggons und beim Verlassen des Bahnhofsgeländes kontrollierte die Bahnpolizei, ob auch keiner zu viel Kohle abgestaubt hat. Ein Sack war OK, ein ganzer Bollerwagen voll nicht … ach was sag ich da … hören Sie zu, wie es René Carol zeitgenössisch im Kohlenklau-Lied (ab 3:26 min.) erklärt😛

Wenn Sie mal in Köln sind, dann müssen Sie Jupp unbedingt die Ehre erweisen. laurentzplatzEr steht auf dem Laurenzplatz und guckt stur am Dom vorbei zum Rhein😛 Naja, er war aus Neuss und da lag ihm Heinis Düsseldorf näher als der schwarze Gesell:

    Zu Köllen kam ich spätabends an,
    Da hörte ich rauschen den Rheinfluß,
    Da fächelte mich schon deutsche Luft,
    Da fühlt ich ihren Einfluß –
    Auf meinen Appetit. Ich aß
    Dort Eierkuchen mit Schinken,
    Und da er sehr gesalzen war,
    Mußt ich auch Rheinwein trinken.
    Der Rheinwein glänzt noch immer wie Gold
    Im grünen Römerglase,
    Und trinkst du etwelche Schoppen zuviel,
    So steigt er dir in die Nase.
    In die Nase steigt ein Prickeln so süß,
    Man kann sich vor Wonne nicht lassen!
    Es trieb mich hinaus in die dämmernde Nacht,
    In die widerhallenden Gassen.
    Die steinernen Häuser schauten mich an,
    Als wollten sie mir berichten
    Legenden aus altverschollener Zeit,
    Der heil’gen Stadt Köllen Geschichten.
    Ja, hier hat einst die Klerisei
    Ihr frommes Wesen getrieben,
    Hier haben die Dunkelmänner geherrscht,
    Die Ulrich von Hutten beschrieben.
    Der Cancan des Mittelalters ward hier
    Getanzt von Nonnen und Mönchen;
    Hier schrieb Hochstraaten, der Menzel von Köln,
    Die gift’gen Denunziatiönchen.
    Die Flamme des Scheiterhaufens hat hier
    Bücher und Menschen verschlungen;
    Die Glocken wurden geläutet dabei
    Und Kyrie eleison gesungen.
    Dummheit und Bosheit buhlten hier
    Gleich Hunden auf freier Gasse;
    Die Enkelbrut erkennt man noch heut
    An ihrem Glaubenshasse. –
    Doch siehe! dort im Mondenschein
    Den kolossalen Gesellen!
    Er ragt verteufelt schwarz empor,
    Das ist der Dom von Köllen.
    Er sollte des Geistes Bastille sein,
    Und die listigen Römlinge dachten:
    In diesem Riesenkerker wird
    Die deutsche Vernunft verschmachten!
    Da kam der Luther, und er hat
    Sein großes »Halt!« gesprochen –
    Seit jenem Tage blieb der Bau
    Des Domes unterbrochen.
    Er ward nicht vollendet – und das ist gut.
    Denn eben die Nichtvollendung
    Macht ihn zum Denkmal von Deutschlands Kraft
    Und protestantischer Sendung.
    Ihr armen Schelme vom Domverein,
    Ihr wollt mit schwachen Händen
    Fortsetzen das unterbrochene Werk,
    Und die alte Zwingburg vollenden!
    O törichter Wahn! Vergebens wird
    Geschüttelt der Klingelbeutel,
    Gebettelt bei Ketzern und Juden sogar;
    Ist alles fruchtlos und eitel.
    Vergebens wird der große Franz Liszt
    Zum Besten des Doms musizieren,
    Und ein talentvoller König wird
    Vergebens deklamieren!
    Er wird nicht vollendet, der Kölner Dom,
    Obgleich die Narren in Schwaben
    Zu seinem Fortbau ein ganzes Schiff
    Voll Steine gesendet haben.
    Er wird nicht vollendet, trotz allem Geschrei
    Der Raben und der Eulen,
    Die, altertümlich gesinnt, so gern
    In hohen Kirchtürmen weilen.
    Ja, kommen wird die Zeit sogar,
    Wo man, statt ihn zu vollenden,
    Die inneren Räume zu einem Stall
    Für Pferde wird verwenden.
    »Und wird der Dom ein Pferdestall,
    Was sollen wir dann beginnen
    Mit den Heil’gen Drei Kön’gen, die da ruhn
    Im Tabernakel da drinnen?«
    So höre ich fragen. Doch brauchen wir uns
    In unserer Zeit zu genieren?
    Die Heil’gen Drei Kön’ge aus Morgenland,
    Sie können woanders logieren.
    Folgt meinem Rat und steckt sie hinein
    In jene drei Körbe von Eisen,
    Die hoch zu Münster hängen am Turm,
    Der Sankt Lamberti geheißen …

Seit zwei Tagen bastelt nobody an einem Senf und was ich bisher aus der Tube rausgequetscht habe, ist ein so ellenlanger Streifen, sodass der Artikel auch ellenlang lädt. Der Senf ist nicht nur zu lang, sondern wegen vieler erklärender Einschübe unübersichtlich. Deshalb habe ich mich dazu ent­schlossen, die ver­wirrenden Einschübe zu eigenen kleinen Artikel zu machen, auf die dann im Haupt­senf verlinkt wird. Das oben ist ein Teil des ausgeschobene Senfs.

Apropos Heini und Lamberti. Düsseldorfer wissen das natürlich, wann der Turm von Lamberti sich wieder gerade aufrichtet. Wenn endlich ein Düsseldorfer Mä­del als Jung­frau vor dem Altar steht😎 Ist aber in Kölle nicht anders😛 nur stürzt dann Sankt Ursula ein. Das verstehen nicht mal Insider, also erkläre ich es:

Die wohl berühmteste Ursulinenschülerin von Kölle war die Domenica von der Herberstraße😯
domenica
Meine erste Bürovorsteherin ist zusammen mit ihr in die Schule gegangen. nobody könnte da Sachen von den Ursulinen erzählen … aber was ist Köl­le passiert, bleibt in Kölle😛

PS: Nicht mehr verheiratet zu sein hat auch Vorteile. ManN spart die Blu­men am Hoch­zeitstag, die an Tagen wie diesem eh nur welk ankommen. Die ersten Jahre nach der Scheidung habe ich am 1. September immer eine ganz frische Rose auf die Stufen zum Altar von St. Gereon gelegt. War mir dann irgendwann zu sentimental. Bin eine treue Seele, ävver …