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TZ_PAUMilitärisch ist das, was sich zurzeit bei Dscharablus/Jarablus (ich benutze bei­de Schreibweisen wechselweise) abspielt, un­in­teressant„, war am vergangenen Frei­tag im klei­nen kosmos zu le­sen. Mal sehen, ob sich das übers Wo­chen­ende ge­än­dert hat. Bei der neuen La­ge lässt nobody die Poli­tik mal außen vor, denn bei der einen Durch­blick zu gewin­nen, macht kei­nen Sinn, weil sich die poli­ti­schen Fronten täg­lich ver­schieben und inzwischen der Zeitpunkt gekommen ist, an dem sich das Militärische verselbstständigt.

Das ist seit Clausewitz Tagen so, der schon im 7. Kapitel des 1. Buches seines „Vom Kriege (dort voll­ständig in HTML online, hier als ePub mit ein paar For­ma­tie­rungs­fehlern – Rechtsklick->Speichern unter) das zentrale Problem jeder Strategie anspricht: Nach ein paar Tagen ist sie fürn Arsch😎 Carl spricht von „Friktionen“ und drückt diese fürnehmer so aus:

    Es ist alles im Kriege sehr einfach, aber das Einfachste ist schwierig. Diese Schwierigkeiten häufen sich und bringen eine Friktion hervor, die sich nie­mand richtig vorstellt, der den Krieg nicht gesehen hat. Man denke sich ei­nen Reisenden, der zwei Stationen am Ende seiner Tagereise noch gegen Abend zurückzulegen denkt, vier bis fünf Stunden mit Postpferden auf der Chaussee; es ist nichts. Nun kommt er auf der vorletzten Station an, findet kei­ne oder schlechte Pferde, dann eine bergige Gegend, verdor­bene Wege, es wird finstere Nacht, und er ist froh, die nächste Station nach vielen Müh­se­lig­keiten erreicht zu haben und eine dürftige Unter­kunft dort zu finden. So stimmt sich im Kriege durch den Einfluß unzähliger kleiner Umstände, die auf dem Papier nie gehörig in Betrach­tung kommen können, alles herab, und man bleibt weit hinter dem Ziel. Ein mächtiger eiserner Wille überwindet die­se Frik­tion, er zermalmt die Hindernisse, aber freilich die Maschine mit. Wir wer­den noch oft auf das Resul­tat kommen. Wie ein Obelisk, auf den die Haupt­straßen eines Ortes zugeführt sind, steht in der Mitte der Kriegskunst ge­bie­te­risch hervor­ragend der feste Wille eines stolzen Geistes.
    Friktion ist der einzige Begriff, welcher dem ziemlich allgemein entspricht, was den wirklichen Krieg von dem auf dem Papier unterscheidet. Die mi­li­tä­ri­sche Maschine, die Armee und alles, was dazu gehört, ist im Grunde sehr einfach und scheint deswegen leicht zu hand­haben. Aber man bedenke, daß kein Teil davon aus einem Stücke ist, daß alles aus Individuen zusam­men­ge­setzt ist, deren jedes seine eigene Friktion nach allen Seiten hin behält.

Dass die YPG am Samstag bei Daraya einen türkischer Panzer abgeknipst hat, ist keine Friktion, sondern Teil des Planes, denn ohne tote (1) und verletzte (4) Türken funzt der Krieg nicht. Aber der Reihe nach und nicht erst die letzte Wo­che, in der am Montag vor ei­ner Woche der „An­griff“ mit dem übli­chen Artillerie­feuer gestartet wurde.

Begonnen hat er viel früher, spätestens als sich für des Sültans Generalütät ab­zeichnete, dass SDF/YPG den IS aus Manbij rauswerfen werden. Dazu mussten die Kurden den Euphrat überqueren, denn Manbij liegt westlich des Flusses. Geschafft haben das YPG/SDF mit Hilfe der Amis/CJTF-OIR. Der Sieg der Kurden hat sich Ende Mai 2016 abgezeichnet. Da war der IS in Manbij von drei Seiten so gut wie eingekesselt. Nur im Norden der Stadt war noch was frei.

Im Norden von Manbij liegt Dscharablus/Jarablus an der Grenze zur Türkei. Aber dorthin haben sich die IS-Koppabhacker nicht zurückgezogen, denn am 18. August 2016 haben die Kurden die Ortschaften zwischen Manbij und Ja­ra­blus vollständig eingenommen. Zwar ist auf den Fotos vom Abzug des IS zu er­ken­nen, dass der IS die Straße Richtung Nordwesten benutzt, aber Jarablus liegt von Manbij aus im Nordosten. Ich muss jetzt spekulieren und vermute, dass der IS nach links Richtung Al Bab abgebogen ist.

Warum diese Vermutung? Der FSA hatte für Ende August eine Offensive gegen Al-Bab angekündigt. Die ist ausgeblieben. Der Grund dafür muss nicht sein, dass Russen und Assad den FSA in Aleppo schwer beschäftigt haben, um es mal so zu sagen:mrgreen:

Als die Türken am 24./25. August 2016 mit erst einer, dann zwei lächer­li­chen Panzerkom­panien die Grenze nach Syrien überschritten und Jarablus „ein­ge­nommen“ haben, da war die Stadt fast menschenleer. Das belegen zahlreiche Fotos und Videos. Kein IS und kein YPG in der Stadt. Sogar die Zivilbevölkerung war teilweise evakuiert worden. In Jarablus waren zuvor noch 100 bis 200 IS-Ko­ra­nisten vermutet worden. Der Angriff der Türken und ihrer Fußtruppen vom Al-Dschabha al-Schamia zielte auch nicht direkt auf Jarablus, sondern knapp west­lich vorbei auf Keklice (ca. 8 km westlich von Jarablus und 5 km südlich der Grenze). Wie bereits berichtet und in­zwischen bestätigt, kam es dabei zu kei­nen Berührungen mit dem „Kurden-Feind“. SDF/YPG müssen Bescheid gewusst ha­ben … IS auch, auch wenn die Türken behaupten, ca. 50 von denen bei der OP „Euphrates Shield“ gekillt zu haben. Das ist Propaganda und es fehlen die üblichen Fotos zumindest von erbeuteten Waffen.

Zu Zusammenstößen mit den Kurden kam es am vergangenen Wochenende, als Türken und Al-Dschabha al-Schamia ca. 10 km weiter nach Süden Richtung Man­bij vorgerückt sind. Dazu wurde mindestens eine weitere Panzer­kompanie über die Grenze geschickt. Es kann sich aber auch um Schützen­panzer ge­han­delt haben. Auf neuen Fotos aus dem Kampf­gebiet sind AIFV zu sehen. Am Frei­tag waren die Blechbüchsen noch nicht zu sehen. Wahrscheinlich ist Beides, was Kombiniertes aus Panzer und Schützenpanzer. Um es vorweg zu nehmen: Das ist kein Angriff, das ist Kampfaufklärung.
Manbij_off
Die aktualisierte Karte der Manbij Offensi­ve zeigt auf den ers­ten Blick, dass Man­bij mehr als nur ein gut ausgebauter Brückenkopf ist. Brücken­kopf wozu? Um die 50 bis 70 km brei­te Lücke bei Al Bab zu schließen und den IS im Norden von seinen türkischen Ressourcen abzuschneiden. Es bleiben zwar die Saudi­schen, aber die sind weit weg.

Würde der Angriff auf diese Lücke von Osten und Westen geführt werden, wäre sie in einer Woche geschlossen und Al Bab in einem Monat einge­nommen. Ei­gent­lich op­ti­mal, nicht nur aus Sicht der Kurden, son­dern auch der Amis. Nun doch ein biss­chen Politiik: Joe Biden, Obamas Vize, fliegt statt Außen-Kerry zum Sültan und sagt: zurück hin­ter den Euphrat und Sültan schickt Panzer … wozu?

Die Kurden machen das auch, was GI-Joe sagt … ein bisschen, denn sie ziehen sich hinter den Sagur zurück und überlassen Dscharablus kampflos den Türken. Kein Wunder, denn unter den Kurden sind die all­fälligen US-Militärberater der SDF.

Auch wenn sich die Kurden nicht hinter den Euphrat zurückziehen, ist an eine Schließung der Lücke nicht mehr zu denken, wenn sich EhrdoWahn in Selbi­ge quetscht. Aber selbst wenn die Al-Bab-Lücke nur 50 km breit ist, reichen dazu die Kräf­te der 5. Zırhlı Tugayı nicht aus. Zu dieser 5. Panzer-Brigade aus Ga­zian­tep gehören die tür­kischen Bagger, die jetzt in Syrien gesichtet wurden.

Kleiner Einschub in Sachen türkisches Heer. Die 5. Panzer-Brigade aus Gazi­an­tep gehört zum 6. Armeekorps. Beide Einheiten haben neue Kommandeure, weil der Sültan die alten wegen angeblicher Putschbeteiligung weggesäubert hat. Generalmajor Osman Erbaş und Brigade­general Murat Soysal galten als Trans­atlantiker. Der neuen Korpscheffe Generalmajor Hakan Atınç ist ein „Russland­naher“. Den Namen des Neuen von der 5. PzBri kenne ich nicht (hier eine Liste der ver­haf­te­ten Kom­man­deure). Es wurde jedenfalls nicht nur jung gegen alt getauscht (der Neue von der 5. soll ein reaktivierter Zivilunke sein, wenn ich richtig informiert wurde).

Das 6. Korps ist eh schwach auf der Brust und wenn ich die türkischen Pan­zer in Syrien richtig gezählt habe, dann ist fast die komplette 5. Brigade dort. Neue Komman­deure beim Korps und der Brigade machen die Einheiten (erstmal) nicht stärker. Mit neuen Führern zieht man nicht in den Krieg. Aber für Aufklärung durch Kampf reicht es.

Aufklärung am Boden funzt nicht immer so nach Indianer-Art, dass Häuptling Lin­ker Fuss seinen Späher Leise Sohle auf dem Bauch zum Feind rüber rutschen lässt, damit man weiß, was der so kocht. Um die Stärke des Feines einschätzen zu können, muss man ihn auch mal provo­zieren, ein bisschen zu bal­lern. Das ha­ben die Kurden gemacht und getroffen, sogar zweimal, wenn man ihnen glau­ben will. Die Türken sprechen ja nur von einem Bagger, aber wenn wirklich 1 to­ter und 4 verletzte Tür­ken da­bei her­aus­ge­kom­men sind, dann pas­sen die nicht in ei­nen Bag­ger. Könn­te aber eine Blech­büchse ge­we­sen sein … nobody weiß es nicht.

Die 5. ist zu schwach, um Manbij zu erobern. Wenn ich im SPIEGEL gera­de lese, dass sich die Kurden auf die Verteidigung von Manbij vorbereiten, dann ist das gut für die Vorsicht in der Porzellankiste, aber nobody würde dabei nach hinten, Richtung Nordosten gucken. Es bräuch­te schon das ganze 6. Korps, um Manbij einzunehmen und das 6. wäre auf des Sültans interessante neue Fußtruppe in Jesuslatschen angewiesen, die gegen die disziplinierten YPG-Kämpfer keine Chance hätten. Die YPG/SDF sitzen jetzt prima hinter Sagur/Euphrat, eine bom­bige Verteidigungsstellung und wie frag­te schon Clausewitz: „Was ist der Zweck der Verteidigung? Erhalten. Erhalten ist leichter als gewinnen, schon daraus folgt, daß die Verteidigung bei vorausgesetzten gleichen Mitteln leichter sei als der Angriff.“

Apropos Mittel: Ich weiß ja nicht, was den türki­schen Bagger geknackt hat, aber es müsste was mit größerer Reich­weite gewesen sein und das könnte auch eine deutsche Milan sein. Zum Glück war das getroffene Ziel kein deutscher Leo😎

Warum würde nobody nach hinten gucken? Nach noch unbestätigten Meldungen haben nämlich die Türken auch bei Kobane die Grenze zu Syrien über­schritten. Die ge­hören zum 7. Korps aus Diyarbakır. Das ist wesentlich stärker aufge­stellt als das 6. Wenn nobody des Tüfels Generül wäre, dann würde ich den YPG von Kobane aus an­greifen, ihm in den Rücken fal­len. Weiter Weg bis nach Manbij? Ja, aber man darf sich das violette Gebiet nicht so vor­stellen, dass da alle 100 Meter ein YPG-Milizionär Wache schiebt.
kurd-8-2016
Es gibt nur noch zwei Euphrat-Überquerungen. Das gilf für angreifende Türken wie für abziehende YPG: die vom SDF wieder behelfsmässig reparierte Qarah-Qawzaq-Brücke und den Damm der Tischrin-Talsperre, wo die Manbij-Of­fen­sive be­gann. Wenn die Türken die Qarah-Qawzaq-Brücke wieder sprengen und sich bei Tischrin posi­tionieren, dann sitzen die Kurden west­lich des Eu­phrat in der Falle und könnten nur nach westen Richtung FSA/IS/5. PzBri abziehen. nobody würde die Qarah-Qawzaq-Brücke auch nicht im Vor­beimarsch Rich­tung Tischrin sprengen … hält nur auf und außerdem ist dann das Ziel klar, son­dern vom Wasser ausO_o mit einem Kommando-Unter­nehmen auf Sturmbooten runter den Euphrat😎 aber dafür sind die Türken zu schlechte Schwimmer😆

So, das sollte vorerst genügen. Schaum mer ma, was die echten Krieger aus der Lage machen.