Schlagwörter

, , , ,

Bei meiner sinn- und ziellosen Suche im Netz der Schlaflosen bin ich bei der CHIP auf das hier gestoßen:
pk1
Was soll das sein? Ein verunglückter Transformer? Nein, es ist ein Fotoapparat, genauer ein Gerät der Marke Pentax mit der Bezeichnung K-1. Da hat es bei nobody KLICK gemacht. „K“ erinnert mich an einen großen Fehler.

Geknipst habe ich immer schon viel und gern, nur hatte ich keinen eigenen Fotoapparat. Ich habe mir dann immer die Geräte der Familie ausgeliehen, die Voigtländer und bei Familientreffen durfte ich die Mischpoke mit der EXA von Onkel B. knipsen und danach noch ein bisschen in Rufweite kreativ werden. Die Exa war eine mit Lichtschachtsucher und Exakta-Bajonett. Den Vorteil des Objektivwechsels per Bajonett habe ich damals noch nicht erkannt, weil der Onkel keine Wechselobjektive hatte, nur das Standard mit 50 mm.

Das änderte sich mit dem Umzug in die neue Goetheschule, die Leitz mit einem Fotolabor und einer kompletten Leica-Sammlung ausgestattet hatte. Darunter waren auch alte Schraubleicas. Im Vergleich mit der M-Serie wurde der Vorteil des Bajonetts klar: Der Objektivwechsel ging schneller.

Ausgestattet mit den besten Kameras der Welt, hätte ich keine eigene haben müs­sen, aber die Schul-Geräte mussten nach Ausleihe täglich zurückgege­ben wer­den. Das war denn auch nix. Also habe ich auf eine Eigene gespart. Kei­ne Leica. Die werde ich mir im Leben nicht leisten können, aber was anderes Deutsches, das ging: Practica. Die hat­te das M42-Schraub­gewinde … M42 ist also ausnahmsweise nix Militärisches … und mit der Zeit hatte ich erstaunliche Schnelligkeit im Wechseln der Linsen entwickelt, ohne diese beim Ansetzen zu verkannten.
s500tl
Die Super TL 500 war ein dolles Ding. Der einmalige, schräg sitzende Auslöser vorne an der Gehäusefront eine Ausgeburt der Ergonomie und die edel mit ro­tem Samt ausgeschlagene Tasche aus glänzendem Leder einfach nur Luxus und so solide wie die Kamera. Tja, die konnten schon was, die Ossis, so isses nich.

Für das M42-Gewinde der Praktika, das im Gegensatz zum M39 der Leica bald zu einer Art Weltstandard wurde, gab es jede Menge Fremdobjektive, vor allem billige und gute aus Japan. Davon habe ich mir Jahr für Jahr eines zulegt und zu Weihnachten lag meist eins extra unter dem Baum. Aber die Möglichkeiten der Super 500 waren bald ausgereizt. 1/500 sec Verschlußgeschwindigkeit ist z.B. bei Sportaufnahmen Zeitlupe. Die Belichtungsmessung mit dem Nachführ­zeiger, der sich erst regte, wenn der Auslöser halb gedrückt war, war zwar genial, er­forderte jedoch eine ruhige dritte Hand, denn ge­mes­sen wer­den muss­te bei Arbeits­blende. Um die Blende zur Licht­messung zu schließen, gab es den wenig sinnvoll angeordneten Plastikhebel und da zeigte sich dann, dass die Dresdner beim genialen Schrägauslöser nicht zu Ende gedacht hatten. Dafür hatte das Ding einen irren Resonanzkörper. War sicher eine Vorgabe vom KGB, damit man keine heimlich geräuschlosen Fotos knipsen, sondern nur klach-klacken konnte.

Getrennt habe ich mich nicht von meiner Practica, aber sie wanderte in die zweite Reihe. Als neues Angebermodell folgte die Asahi Pentax Spotmatic, und zwar die F, nicht die SP für die Amateure. Die war so schweinisch teuer, dass ich mir nur eine Gebrauchte zulegen konnte. Das war damals das Gelbe vom Ei. Nikon und Canon hatten zwar schon die Offenblen­denmessung und die TOPCON … kennt heute kein Schwein mehr … schon Jahre vorher, aber kein Fotoapparat war so ausgereift wie die Spotmatic.
headspot-f
Als ich die zum ersten Mal im Schaufenster gesehen habe, war ich sofort ver­liebt. Das war schon das französische Modell, mit dem kleinen, schmalen Pris­men­dach, nicht die klobig breite US-Version. Im Vergleich zu meiner Practica war die Spotmatic … sagen wir Kleidergröße 38 zu 52:mrgreen: und so leicht lag sie auch in der Hand.

Der Verkäufer meinte es sicher gut mit nobody, als er mir empfahl, statt der al­ten Spotmatic doch die neue K-Serie zu kaufen, denn die hatte jetzt Bajonett. Klar … und nobody einen Arsch voll M42-Objektive. Gut, meinte der gute Mann, aber mit denen kann man die Vorteile der Offenblenden­messung nicht nutzen. Dazu fehlte der kleine Pin am Objektiv, der magic die Blen­de der Zeit verriet … ich erklär das nicht, denn ich pinsel das nur so aus Spaß an der Freud und Ken­ner werden schon wissen, was der Kauderwelsch bedeutet.

OK, da mir der freundliche Händler meine Schraubobjektive nicht gegen K tau­schen wollte, ist es bei der Spotmatic F geblieben.

Aber nur kurze Zeit, denn bald habe ich meinen Fehler eingesehen: Der Mann hat­te Recht. Manch­mal isses besser auf Fachleute zu hören und nicht jeder Ver­käufer will einem nur money 4 notting aus der Tasche ziehen. Also habe ich dieses Wunderwerk japanischer Präzisionsmechanik …
gewinde
der Blick auf das Gewinde war ein Hochgenuss … bald wieder verkauft … mit al­len Objektiven quasi als Draufgabe und beim Gehäuse kaum Verlust gemacht, denn noch Mitte der 1970er bekamen Kenner feuchte Augen beim Anblick dieser Asahi. Sie ist noch heute eine Legende.

Es folgte meine erste und letzte Canon (AE-1). Letzte, nicht weil sie schlecht war … wenn man ein Abo bei Duracell hatte😎 nein, weil sie mir kein Glück ge­bracht hat, denn nach nur ein paar Wochen war sie versalzen😛 Wen die Sto­ry vom „Tsunami“ in Agadir interessiert … hier.

Ab dann kamen mir nur noch Nikons ins Haus, obwohl die auf Meer­was­ser wohl auch algerisch … marrokanisch wär jetzt besser … reagieren, aber das habe ich nicht mehr ausprobiert.

Soweit zur analogen Zeit der Fotografie.

Warum knipst manN/frau? Die meisten Bilder werden gemacht, um für sich ei­nen Moment einzufrieren, oder mit Menschen zu teilen. Dazu bedarf es keiner großen Technik und perfekt gefräster Schraubgewinde. Da reicht jedes Smart­phone, das BTW mit dem Selfie­stick den zwischen­mensch­lichen Beziehungen ab­träg­lich ist. Wie viele Menschen habe ich dadurch kennen­gelernt, dass ich sie darum bat, ein Foto von nobody zu knipsen. Ob vorm Eiffelturm oder der Großen Mau­er, nirgend­wo bedurfte es dazu langer Er­klärungen. Man zeigte auf die Ka­me­ra, dann auf sich und das Objekt, das im Hintergrund verewigt werden soll und zuletzt auf den auserwählten Kameramann, oder besser die Kamera­frau😛 und schon war die Kiste im Kasten … oder umge­kehrt:mrgreen:

Aber wenn es mehr sein soll als das Selfie und was sonst an all­stünd­li­chem Nar­zissmus das Netz verschan­delt, reicht dann digitale Foto­grafie? Kann sie der ana­lo­gen Knipserei das Wasser reichen?

Das will uns die Industrie an die Augen binden, aber nobody ist anderer Meinung. Fotografie ist Kunst. Manchmal ist es schon eine Kunst, überhaupt ein Foto hin­zu­kriegen. Ich erin­nere mich da an die Tönerne Armee bei Xian. Nur für die­ses eine Foto hatte ich meine alte pech­schwarze Nikkormat EL mitgeschleppt. Von diesem Weltwunder Fotos zu knipsen, war streng verboten und hinter jedem po­ten­tiellen Übeltäter schlich ein Rotgardist durch die Halle. Das wusste ich und ich wusste, wie leise der Verschluss der Nikkormat war. Wenn man deren Spie­gel vor­spannte … geile Idee❗ dann hörte kein chinesisches Schlitzohr nix😎 Das Ding vor dem Bauch baumelnd mehr oder minder des­interessiert geräusch­voll über das Gerüst schlürfend machte es zipp …Bauch kratzen … zipp … juckt es noch immer am Bauch, dort wo der Schnellspannhebel kratzt … und zipp😆 Hat gefunzt.
nikkormat_el
Bei solchen chinesischen Bildern kommt es nicht auf künstlerische Feinheiten und die Gestaltung des Lichts an. Hauptsache, das Bild ist im Kasten. Wenn es aber um echte Kunst geht, dann ist Licht Alles. Da kann es Stunden oder Tage oder Wochen dauern, bis das Bild sitzt. Ich habe mal einen Wett­bewerb ge­won­nen mit einem Foto, das nix anderes zeigt als den profanen Mast einer Hoch­span­nungs­lei­tung. Mal war das Wetter nix, dann warf die Sonne „falsche“ Schat­ten, oder die Wolken störten usw. Heute könnte man solche Banali­täten photoshoppen, aber damals musste es so aufs Papier. Zum Schluss habe ich aus lauter Verzweiflung darüber, dass der Himmel nicht mit der Farbe in meinem Kopp übereinstimmt, die Farbe weggelassen und einen Ilford 400 mit Oran­ge­fil­ter genommen … WOW! So mussen Wolken aussehen und das Blaue dazwi­schen, das kann sich dann jeder denken, wie er will.
col-bw
Weniger ist oft mehr. Ein Vergleich: Links klassisch, farbig, mittig. Rechts farb­los (Rera Pan 100 Rollfilm mit Orangefilter – nicht meine Aufnahmen), aus dem Rahmen fal­lend. Die Komposition des rechten Fotos hätte noch verbes­sert wer­den können, indem der große Wind­mühlenflügel nach rechts oben aus dem Bild hinaus­zufliegen scheint, aber dann wären wohl Teile der Wol­ken ver­schütt ge­gan­gen, denn das rechte Foto wurde im 4×4-Rechteck-Format mit einer „Baby-Rollei„, Yashica 44A von Caroline Mockett geknipst. Und wenn dann noch der dramatischere HP5 von Ilford genommen worden wäre, wäre es perfekt.

Licht! Licht ist nicht gleich Licht. Nicht einmal Sonnenlicht. Heute ist Scheiß Licht. Diesig. Wird wohl noch gewittern. Farbmatsch. Kann man die Kamera zu Hause lassen. Ohne (sichtbares) Licht kein Foto. Licht richtig darzustellen, ist unmöglich. Das war schon analog so, jeden­falls auf dem Papier.Kodachrome64 Aber es gab ja Dias. Der Kodachrome 64 konnte Sonne, wie kein anderer Film, denn der Himmel rund um die Sonne hat Millionen Blaus. Das schafft kein Sensor. Ich habe mal vor über zwei Jah­ren Pixel in Körnung umge­rechnet. Und selbst wenn es mal einen Sen­sor mit 138,24 „Me­ga­pixel“ wie beim Koda­chrome 64 geben soll­te (Canon hat ja schon den mit 250 Megapix), beim An­schauen fällt das Licht von der fal­schen Sei­te aufs Foto, denn es scheint nicht durchs Foto wie beim Diapositiv.

Es gibt Angebote, Digitalaufnahmen in Dias zu verwandeln, die man wie in den gu­ten alten umständlichen Zeiten an die Wand werfen kann. Hamse das Er­geb­nis dieser Frickelei schon mal betrachtet? Kriegt man Augenkrebs von.

Langer Rede wenig Sinn: Nicht jeder Fortschritt bringt Verbesserung. Kodachrome