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Militärisch ist das, was sich zurzeit bei Dscharablus/Jarablus (ich benutze bei­de Schreibweisen wechselweise) abspielt, uninteressant, Theater­donner. Po­li­tisch ist es aber spannend. Zunächst die militärische Lage, wie sie Sinn ma­chen könnte, nachdem nobody alle offensichtlichen Propagandalügen raus­ge­fil­tert hat:

Montag 22. August 2016:
Türkische Artillerie feuert Richtung Dscharablus, aber nicht in die Stadt, son­dern westlich davor in die Vorgärten. Normale Angriffsvorbereitung.
Türkische und Ami-Flieger greifen Ziele zwischen Jarablus und Keklice (ca. 8 km westlich) an. Dort oder in Dscharablus werden noch 100 bis 200 IS-Koppab­hacker vermutet. Vermutlich dienten diese Flüge vor allem der Nahaufklärung.

Dienstag 23. August 2016:
Luftangriffe werden intensiviert.

24./25. August 2016:
Eine türkische Panzer-Kompanie (13 Bagger … lächerlich, was soll das) rückt westlich von Dscharablus ca. 5 km auf syrisches Gebiet vor. Später wird eine zweite Panzerkompanie nachgezogen. Den Weg für die tür­ki­schen Panzer macht nicht etwa türkisches Fußvolk frei, son­dern ca. 500 Kämpfer von Al-Dschabha al-Schamia (!).

Angeblich wurden bei der OP „Euphrates Shield“ 50 IS-Koranisten getötet. Zu Berührungen mit dem „Kurden-Feind“ kam es nicht … wie auch, denn der steht 20 km weiter südlich. In der Gegend von Dscharablus hat sich schon seit zwei Wochen kaum was getan. Es sollen ein paar Raketen von dort auf türkisches Gebiet abgeschossen worden sein.

Die IS-Musik spielt weiter westlich, wo die IS-Koranisten versuchen einen ca. 50 km breiten Korridor um Al Bab frei zu hal­ten, was nur Sinn macht aus Grün­den der Versorgung oder des Rückzuges. Rückzug (aus Aleppo) aber nach Er­do­Wahns Sinnes­wan­del wohl nicht mehr nach Nor­den in die Türkei, sondern nach Südosten.

Dieser Korridor ist auch das, was die Kurden im Westen (Afrin) von den Kurden im Osten, jetzt bis Manbij, trennt.

Damit diese letzte Lücke in einem zusammenhängenden Kurdenstaat nach Zu­sam­menbruch des IS nicht in die Hände der YPG-Kurden fällt, schiebt sich Er­do­Wahn da­zwischen.

Politisch interressant sind dabei insbesondere seine Verbündeten, die Kopp­ab­hacker vom Al-Dschabha al-Schamia, sein neues Fußvolk.

Die Al-Dschabha al-Schamia kämpfen doch gegen Assad und Erdogan will dem Assad jetzt doch nix mehr tun, seit er mit Buddy Vladdie so dicke ist. Heißt das, dass Al-Dschabha al-Schamia jetzt auch auf Seiten von Assad ist? Al-Dschabha al-Schamia waren doch mal Teile der Terroristen, von denen die Russen immer geschwafelt haben, wenn sie statt des IS andere Islamisten angegriffen haben.

Und warum steht westlich von Al Bab die FSA (oder irgendwelche Teile dieses undefinierten Haufens) und guckt zu. FSA und Al-Dschabha al-Schamia waren doch mal Freunde. Freunde helfen sich doch. Oder ist die FSA froh wie Assad, wenn die Kurden nicht weiter nach Westen vorrücken, wofür es übrigens zurzeit gar keine Anzeichen gibt, weil das von den Amis auch gar nicht unterstützt wor­den wäre, unabhängig von Receps Euphrat Schild-OP.

Das scheint alles überhaupt keinen Sinn zu machen, außer einem: Alle gegen die Kurden. Aber das habe ich schon am Mittwoch vermutet. Dazu noch eine grobe Karte:
kurd-8-2016
Die gelbe Linie ist die Staatsgrenze, die sich der YPG für später vorstellt.