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Auf der Suche nach Fotos für einen Artikel über die Schlacht bei Kursk hat mich Google auch zu Reddit verführt. Darum mache ich sonst einen großen Bogen, denn … Sonnenblume mag es nobody verzeihen … ich kenne wenig Seiten im Netz, wo mehr Scheiße verquirlt wird. Dort bin ich auf einen „Kommentar“ eines Users na­mens Memoren gestoßen, der im Brustton der Überzeugung behauptet und so­gar mit Wiki-Link „belegt“, dass nicht Kursk die größte Panzer­schlacht der Ge­schich­te war, sondern die Bataille de Gembloux. Zuerst habe ich ge­glaubt, so ei­nen Scheiß kann nur ein Franzose schreiben, aber eine Durchsicht der Bei­trä­ge von Memoren kommt zu dem Ergebnis, dass es sich bei ihm nur um einen ganz normalen Karma-Quirl von Reddit :mrgreen: handelt.

Ich will nicht zu weit von Thema abschweifen, deshalb nur ganz kurz: Eine Panzer-„Schlacht“ bei Gembloux hat es nie gegeben. Was darunter gehandelt wird, war die Schlacht bei Hannut. Das war in der Tat bis dahin (14. Mai 1940 Durchbruch) „the largest ever tank battle at the time„, wie die englische Wiki schreibt. Aber gegen Kursk war Hannut ein feuchter Furz. Und was sich nach Hannut paar Kilo­meter weiter in der Lücke von Gembloux abgespielt hat, das war wohl eher eine Stuka-Schlacht und drum herum viele unkoordinierte Schar­mützel, die sich auf Seiten der Nazis dadurch auszeichneten, dass die In­fan­te­rie nicht wusste, was die Panzer wollen und die Panzer sich einen Dreck ums Fußvolk gekümmert haben. Und dann war da noch der total inkompetente Kriegs­verbrecher Nazi von Reichenau, der den Rest versaubeutelt hat.

Anywaynobody hat das gesuchte Foto gefunden
kursk1
den „weinenden Soldaten von Kursk„, eines der berühmtesten Fotos des WWII, und dabei entdeckt, dass es von dem Bild noch eine zweite Version gibt:
kursk2
Dieser deutsche Soldat hat übrigens nicht „geweint“, sondern nach russischen Quellen ist er durchgedreht, wahnsinnig geworden.

Bei der Gelegenheit – der Bildersuche – habe ich auch das neue Headerbild aus dem Netz gefischt. Es ist ein Werbebildchen für Survarium, ein russisches On­line-Shooter-„Spiel“, bei dem man 2026 wie­der um Stalin­grad kämpfen kann. Es zeigt das größte WWII-Denk­mal der Erde: „Mutter Heimat ruft„, mit dem der Opfer der Schlacht um Stalingrad gedacht wird.

Die Russen halten Stalingrad für die Wende des WWII, wahrschein­lich, weil sie da ge­wonnen haben. Von einem „psychologischen Wende­punkt“ ist z.B. in der Wiki die Rede. Mili­tärhisto­risch ist das mehr als zweifel­haft. Viel­leicht hät­te es ohne den Sieg von Stalin­grad kein Kursk gege­ben, aber oh­ne den 30. November 1941, als der deutsche Vor­marsch keine 30 Kilo­meter vor den Kremlmauern ge­stoppt wurde, hätte es auch kein Stalingrad gegeben. Und wenn Psycho­logie so wichtig ist, wie Andreas Hillgruber in „Hitlers Strategie: Politik und Kriegführung“ schreibt, dann war es die Psychlogie von Kursk, die Erkenntnis der Wehrmacht, nicht siegen zu können beim Pyrrhussieg von Prochorowka. Rund 1800 russische Panzer zerschossen und es kommen immer mehr … noch 4000 bis 5000 mehr.
strafniki
Die Siege von Moskau und Stalingrad waren auch Folge von Stalins Befehl 270 vom 16. August 1941 (russischer Text) und der bis zu 500.000 Штрафники (Strafniki), die gnaden­los in den SCHRAFBAT zwi­schen den Deutschen und den Sperr­verbänden des NKWD verheizt wurden (dazu und zu der russischen Mini­serie über die Straf­bataillone die ZEIT). 427.910 Strafniki hat es rus­si­schen Quel­len zu­folge gege­ben und die Armee­führung kal­kulierte mit 80% Ausfall … naja, aus­re­chen können Sie das selbst. Die Logik des NKWD, Vor­läu­fer des KGB, jetzt FSB war sim­pel: Wer als Straf­niki einem An­griff über­lebt ist feige und Feige werden stand­rechtlich erschossen.

In Kursk kam diese Barbarei nicht mehr zum Einsatz. Trotzdem wurde dort frei­wil­lig und so­gar mit „Ура!“ und gleich über 400.000 Mal auf bei­den Seiten ge­stor­ben. Deshalb gibt es allein in Prochorowka ein halbes Dutzend Denk­mäler, ei­nes häss­licher als das an­dere … OK, der Panzerknäuel vor dem Museum ist ja noch ganz „witzig“ …
panzerknubbel
aber kein Monoment ist so hoch wie die rufende Heimat-Mutter (85 Meter), auch nicht der Glockenturm auf den Hauptkampffeld von Prohorovskom (59 m).

Ganz so verrottet wie im russischen Ballerspiel ist die rufene Mutter Heimat in Wolgograd noch nicht, aber fast und sie kippt um. Das Grundwasser der Wolga unterspült das zu schmale Fundament und lässt die Mutter immer mehr schräg aussehen. Über 22 cm neigt sie sich schon nach vorn Richtung Wolga. Ar­chi­tek­ten geben der Mutter nicht mehr lang. Bis 2026, wenn im Spiel wieder um sie gekämpft werden soll, macht sie es nicht mehr. 2012 sollte mit der Restau­rie­rung be­gon­nen wer­den. Und? Просто денег нет, würde Medwedew sagen.
528-mutteruft
PS: Auf einer russischen Seite habe ich die starke Behauptung gefunden, die Panzerschlacht bei Brody sei die größte gewesen und würde nur deshalb in den Annalen nicht als Nummer 1 geführt, weil die Russen sie verloren hätten. Auch so ein BULLSHIT und Kursk haben die Rus­sen auch nicht gewonnen. Der Ge­gen­angriff der Sowjets ist genau so stecken geblieben, wie der deutsche An­griff.

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