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Am 16. Juli 2016 haben nach dem Putschversuch in der Türkei ca. 150 Erdogan-Anhänger einen türkischen Jugendtreff in Gelsenkirchen-Hassel belagert und be­schädigt, der der Gülen-Bewegung nahesteht (WAZ). Zum Politikum wurde die­se „Spontan-Demo“ erst durch den Vorsitzenden der Gelsenkirchener CDU und Bundestagsabgeordnete Oliver Wittke, der die unverzügliche Abberufung des Imams der Hasseler Ditib-Moschee gefordert hat. Warum?

Der Imam von Gelsenkirchen-Hassel hatte sich über den Angriff auf den Ju­gend­treff im Gülen-Zentrum gefreut (WAZ) und per Audio-Botschaft u.a. gepostet:

    Dass daraufhin die Stellen der Parallelorganisation in Hassel geschlos­sen und die türkische Flagge angebracht wurde, hat mich sehr gefreut. Allah möge Euch lohnen!

Darüber hatte Report aus Mainz am 26.07.2016 berichtet und festgestellt, dass in mehreren Ditib-Gemeinden die Stimmung gegen Anhänger der sogenannten Gülen-Bewegung angefacht wurde. Das hatte den CDU-Wittke dazu veranlasst zu fordern, „… diesen Imam auszuweisen … Ein solcher Schritt wäre auch ein klares Signal, dass der Moschee­dachverband keine Gewalt in seiner Or­ga­ni­sa­tion duldet … Sollte sich Ditib der Abberufung verweigern, müssen unsere Be­hör­den alle Möglichkeiten ausschöpfen, diesen Imam auszuweisen“, fordert Witt­ke. Man dürfe nicht zulassen, dass Konflikte aus der Türkei nach Deutsch­land getragen werden.

Auf den Zug ist dann die SPD mit Integrations-Staatsministerin Aydan Özoguz aufgesprungen (STERN).
DITIB-Logo
Zu spät. Der Zug ist abgefahren. Die Hasseler Moschee ist eine Ditib-Moschee, also an­ge­schlos­sen an die Türkisch-Islamische Union der An­stalt für Religion, abgekürzt DİTİB. Über die DiTiB weiß nicht nur die Wiki, dass sie …

    … als bundesweiter Dachverband für die Koordinierung der religiösen, sozialen und kulturellen Tätigkeiten der angeschlossenen türkisch-islamischen Mo­schee­gemeinden zuständig (ist). Der Verband mit Sitz in Köln-Ehrenfeld … untersteht der dauerhaften Leitung, Kontrol­le und Aufsicht des staatlichen Präsidiums für Religiöse Angelegenheiten der Türkei, welches dem türkischen Ministerpräsidentenamt angegliedert ist. Er ist Gründungsmitglied des Ko­or­di­nierungs­rats der Muslime. Der Vorsitzende der DITIB ist in Personalunion auch türkischer Botschaftsrat für religiöse und soziale Angelegenheiten. Zudem werden die an staatlichen theologischen Hochschulen in der Türkei ausgebildeten Imame der DITIB für fünf Jahre nach Deutschland geschickt und sind de facto Beamte des türkischen Staates, von dem sie auch bezahlt werden …

Die DiTiB ist also die deutsche Filiale des Diyanet İşleri Başkanlığı und das Diyanet ist …

    direkt dem Ministerpräsidenten unterstellt und ist die höchste islamische Autorität des Landes. Die Behörde hatte im Jahre 2015 mehr als 100.000 Mitarbeitern und einem Jahresetat von umgerechnet mehr als einer Milliarde Euro. Das Diyanet ist für die Ausrichtung der Korankurse zuständig. Es ver­fasst die Freitagspredigten, entsendet Prediger, Imame und Muezzine an die Moscheen und unterhält die Gotteshäuser.

Und das Alles in türkischer Sprache.

2006 verspracht der frühere DiTiB-Vorsitzende Ridvan Cakir in Köln, dass in zehn Jahren die DiTiB-Predigten auch in deutscher Sprache gehalten werden (Quelle: „Die Türkisch-Islamische Union im Wandel“ von Andreas Gorzewski, Seite 90). 280-mimar-sinan-camiiUngefähr ein Jahr da­vor er­klär­te der frü­here Imam der Mimar Sinan Camii in Wes­se­ling, dass das nie ge­sche­hen wer­de (Quelle: nobody).

Ich habe dieses Gespräch mit dem alten Hodscha um 2005 geführt und leider den Namen des weisen Mannes vergessen, der mir auch verraten hat, wie das mit den Freitagspredigten funzt. Damals ratterte jeden Donnerstag das Telefax und spuckte die Predigt des Diyanet aus Ankara aus. Heute kommt der Sermon wohl per Mehl, „Die Predigten liefert Ankara„, schrieb 2009 der Merkur und weiter:

    Unter den vier großen Vereinigungen in Deutschland -Islamrat, Zentralrat der Muslime, Verband islamischer Kulturzentren -dürfte Ditib die größte sein. Nach eigenen Angaben hat der Verband 220 000 Mitglieder. Das entspricht fast zehn Prozent der Deutsch-Türken. Ein Experte von einer christlich-islamischen Dialoggruppe, der anonym bleiben will, schätzt, dass von allen Deutsch-Türken nur eine Million gläubige sunnitische Muslime sind. Ditib beansprucht jedoch, für die Mehrheit der türkischstämmigen Muslime zu sprechen. Generell glauben die Experten, dass nur fünf bis zehn Prozent der Muslime in Deutschland direkt in Vereinen organisiert sind.

OK, ist das unamtliche Blatt der CSU aber die Orientalistin Professor Susanne Schröter. die weiß Allah keine Muslim-Fresserin ist, sagt das heute in der Frankfurter Neue Presse auch:

    Alle Ditib-Imame werden von Diyanet ausgebildet, für einen begrenzten Zeitraum nach Deutschland entsandt und bezahlt. Die Freitagspredigten werden aus Ankara geliefert und in den deutschen Ditib-Moscheen verlesen. Durch diese Predigten, die oft einen explizit politischen Charakter besitzen, wird die Propaganda der türkischen Regierung in die Moscheen exportiert.

Nun erinnern wir uns daran, was das OVG Münster zur verhinderten Live-Übertragung von EhrdoWahns Sermon am vergangenen Sonntag gesagt hat:

    Art. 8 Abs. 1 GG ist kein Instrument dafür, ausländischen Staats­ober­häup­tern oder Re­gie­rungs­mit­gliedern ein Forum zu eröffnen, sich auf öf­fent­lichen Ver­samm­lungen im Bundesgebiet in ihrer Eigen­schaft als Ho­heits­träger amt­lich zu poli­tischen Frage­stellungen zu äußern. Aus diesem Grund kann auch nicht von einem in die formale Gestalt einer tech­nischen Auflage gekleideten Rede­verbot gegen­über dem tür­kischen Staats­präsidenten ausge­gangen werden, zumal dieser als solcher – ebenso wie ande­re Ho­heits­träger – kein Grundrechts­berechtigter im Ver­hältnis zu dem grund­rechtsverpflichteten Antragsgegner ist (vgl. Art. 1 Abs. 3, 20 Abs. 3 GG).
    Daran anschließend ist für die Bestimmung der (insoweit in dem in Rede ste­hen­den Kontext ein­geschränkten) subjektiven Rechtsposition des An­trags­tellers ferner aus­schlaggebend, dass die Möglichkeit aus­ländischer Staats­ober­häup­ter oder Re­gierungs­mit­glie­der zur Abgabe poli­tischer Stel­lung­nah­men im Bundes­gebiet nach der Regelungs­syste­matik des Grund­gesetzes nicht grund­recht­lich fun­diert ist. Der Grund­ent­schei­dung der Art. 20 Abs. 1, Abs. 2, 23, 24, 32 Abs. 1, 59, 73 Nr. 1 GG ist zu ent­neh­men, dass sich die aus­wärtigen Bezie­hungen der Bun­des­republik Deutsch­land zu anderen Staaten – d. h. auch zu deren Staats­ober­häup­tern und Regie­rungsmit­glie­dern – allein nach Maß­gabe dieser Bestim­mungen auf der zwi­schen­staat­lichen Ebene vollziehen. Sie sind in diesem Rahmen Gegenstand der Gestal­tung der Außen­politik des Bundes.

Was unterscheidet die politische Einflussnahme, von der das OVG Münster spricht, von dem, worüber der Imam freitags in der Moschee spricht? Die Moschee hat ein Dach, d.h. ErdoWahns Freitags-Sermon findet nicht unter Allahs frei­em toitschen Him­mel statt … OK, er liest sei­nen Scheiß auch nicht per Live-Schal­te vor 😛 könn­te er aber.

Erdogan hat das „Problem“ früh erkannt, als er sagte: „Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten„.

Wenn man die Zusammenhänge erkennt, erkennt man auch Probleme, gelle, Recep?! Aber lassen wir zum Schluss noch die Musels aus Gelsenkirchen-Hassel zu Wort kommen, Dursun Kilic vom DiTiB-Moscheevorstand und Ibrahim Gökyar:

    Reden will Kilic nicht. Auch nicht darüber, warum der Moscheeverein nicht auf das Schreiben von Stadtdirektor Dr. Manfred Beck reagiert hatte. Der hatte nach den Übergriffen türkischer bzw. türkischstämmiger Menschen auf einen vermeintlichen Jugendtreff der Gülen-Bewegung in Hassel reagiert. Die Gewalteskalation nahm Beck zum Anlass, alle Moscheevereine in der Stadt anzuschreiben. „Eine Rückmeldung ist bei uns bisher nicht eingetroffen“, sagte Stadtsprecher Martin Schulmann.
    „Wir haben keinen Brief von der Stadt erhalten“, sagt Dursun Kilic knapp.
    Und befindet sich in bester Gesellschaft mit Ibrahim Gökyar vom Islamischen Sozialverband und Bildungszentrum in der Schüngelbergsiedlung. In dem Moscheeverein, der nach Aussage Gökyars der islamischen Organisation Milli Görüs, die jahrelang vom Verfassungsschutz beobachtet wurde, nahe steht, sei der Brief der Stadt ebenfalls nicht angekommen.
    Zwei Stunden später meldet sich Gökyar erneut in der Redaktion und erklärt: Nun sei der Brief doch da. Allerdings habe der Moscheeverein keinen Anlass gesehen, der Stadt zu antworten. Es sei ja alles friedlich am Schüngelberg. „Warum soll ich die Leute stören?“, fragt Gökyar.
    Ibrahim Gökyar, der nach eigener Auskunft zur Zeit alle Moscheevereine in Gelsenkirchen vertritt, lebt seit 35 Jahren in Deutschland und meint, dass jeder seiner Landsleute die Demokratie schätzt.
    „Der Angriff auf das Jugendzentrum in Hassel war eine Kleinigkeit“, sagt er. Es seien in Deutschland schließlich auch schon viele Moscheevereine in der Vergangenheit angegriffen worden. Und eigentlich hat er auch schon einen Schuldigen aufgetan: die Medien nämlich. „Die Medien hetzen“, ist er überzeugt. Die deutschen Medien sollten sich aus den inneren Belangen der Türkei heraushalten. (WAZ)

nobody glaubt, dass es eine prima Idee wäre, wenn nicht nur der HASSeler Imam aus Schland rausgeworfen würde.