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nobody ist gestern nach dem ersten Nizza-Schock wieder ein paar Stunden durch die City gelaufen, was bei dem kleinen Kaff echt eine Kunst ist. Das diente zur Abkühlung und juliwarm war es wahrlich nicht. Der abschreckende Kalteffekt wurde dadurch verstärkt, dass ich „Flanelläppchen“ vor mich hin gemurmelt habe. Wenn das einer mitbekommen hat, dann muss der geglaubt haben: „Der hättse nit alle an der Murmel“ 😛

Der Zungenbrecher „lila Flanellläppchen“ war ja früher so eine Art Alkotest … Sach ma „Lila Flanellläppchen“ … Lillllli Flanallllellllianyway … wie nobody so sein Flanellläppsche aufsagt, röhrt ein gar seltsam Vehikel an mir vorbei. Nicht nur das Logo auf dem Kühlergrill erinnerte an den guten alten Mustang. Auch sonst ist der neue Mustang voll auf Retro getrimmt, aber an meinem Exemplar stimmt nix. Zum einen war der Motorsound zu hoch … also nur 6 Töppe. Ein Mustang braucht V8. Dann war es kein Convertible sondern ein Hatchback. Aber das Schlimmste war die Farbe:
grauhatch
GRAU 😯 schlammgrau, also quasi ein grauer Hatchmatsch. Zum Wiehern. Ein Mustang muss offen sein und rot …
t-5
… und aus der Urserie von 1962, allenfalls bis zum T5 von 69. Danach war der Mustang optisch tot. Ich kann mich noch dumpf an meinen ersten Mustang er­innern. Da war nobody knapp 9 Jahre alt O_o 😯 Nein, kein Spielzeugauto. Aus dem Alter war ich schon raus … das kam erst viel später wieder 😎 Meine Traumautos habe ich alle im Original „besessen“ … auf der IAA in Frankfurtach sooo

Dorthin ist Onkel Uku alle zwei Jahre hin, um seine Traumautos zu sehen. Uku war nämlich gelernter Kfz-Mechaniker und Autonarr und Uku hieß der nur, weil klein Waldi sich nicht zwischen (dem polnischen) Wujek und Onkel entscheiden konnte und aus beiden Flanellläppsche „Uku“ gemacht hat. Sowas bleibt dann an einem Onkel hängen.

Uku blieb an Ford hängen. Sein Lebtag isser Ford gefahren … sozusagen in einem fort. Sein erster war ein alter 17M. Den hat er sich, kaum in Schland angekommen, schnell zusammengespart und mit dem sind wir, also Uku und Waldi, 1961 zu IAA, meiner ersten. Sein zweiter war die Badewanne … immer gebraucht und bisserl kaputt, aber dafür war er Schrauber und kaum unter seinen Fingern, sahen die Schrottkisten wie aus dem Ei gepellt aus. Und alle waren sie blau-weiß, nur der letzte Uku-Ford, an den sich nobody noch erinnert, der war weinrot, ein Scorpio von 95. OMG war das ’ne hässliche Karre. Da­zwi­schen gab es noch einen Granada, einen Consul von 72 usw. Nur ein­mal wur­de Uku Ford un­treu mit einem Opel Kapitän.
kapitaenp2
Schick, gelle?! Nicht nur die Mädels 😛 Fand klein nobody auch schicker als die Badewanne, aber Onkel meinte, dass er ihm die Haare vom Kopp fressen würde, was man auch deutlich erkennen konn­te :mrgreen:

Obwohl die Badewanne nicht gerade eine Schönheit war, habe ich sie geliebt, denn sie erinnerte nobody immer an den ersten echte Ami, den ich „besessen“ habe. Das war auf der IAA 1961 und es war der neue T-Bird.
badeT-Bird
Der Thunderbird 1961 für Arme 😆 Außerdem fuhr mein Idol JFK seine letzten Jahre auch einen Bullet (LA Times), seit sei­ner inaugural parade. Da habe ich ihn zum ersten Mal gesehen, JFK und den Thunderbird, denn Omi hatte schon Fernsehen. JFK fuhr bei der Parade allerdings in einem anderen Ford … bis zu den Knöcheln im Wasser. Am Tag vor seiner Vereidigung hatte es fürchterlich geschneit und seine Karre war voll Schnee, dem es während der Parade-Fahrt zu warm wurde. So sah JFKs Karre am Morgen der Vereidigung aus 😆
snowcar
BTW: Welche Marke der US-Prez fährt ist nicht nur eine Prestigefrage. Franklin D. Roosevelt war der erste Ford (Phaeton), aber 1939 bekam er von der Lincoln Motor Company einen V12 convertible geschenkt. Lincoln gehörte früher zu Ge­neral Motors. Als Ford den ange­schlagenen Lincoln über­nahm, wurde der Name zu­nächst beibehalten. Als FDR mit dem Lincoln spa­zieren führ, wurde Lincoln zu ei­ner Ford-Division und die Kiste zum Ford Lincoln umge­tauft. Truman wollte auf Cadillac von GM um­steigen, aber GM mochte keine Demo­kraten und hat da­her Truman keine Autos ge­liefert, wes­halb Harry bei Lincoln (Cosmopolitan) blieb. Ike war es egal, was ihn bewegt, solan­ge es kein Panzer war :mrgreen: denn von denen hat­te er die Schnauze voll. Für JFK kam dann der neue dunkel­blaue Ford Lincoln Conti­nental ins White House und Ford-CEO Robert McNamara ins Pen­ta­gon 😎 wobei die Legen­de sagt, dass die vielen Vorserien­modelle des T-Bird, die auf der Parade am 20. Januar 1961 zu sehen waren, dabei eine Rollen ge­spielt haben. Ronald Reagan ist dann 1983 auf Cadillac Fleetwood umge­stiegen, denn mit Reps hatte GM keine Probleme. Beim Cadillac ist es dann bis Obama geblieben.

Wie auch immer … in seinem geliebten Bullet hat die magic Kugel JFK nicht erwischt, sondern im umgebauten Ford Lincoln Convertible, dem SS-100-Xno bulletproof 😦

Fünf Dinge haben mich beim T-Bird besonders beeindruckt … in der Reihe der Entdeckung:

  1. Die Farben … das roch förmlich nach Bonbon. Was schwul ist, wusste ich da noch nicht, aber wenn ich es gewusst hätte, dann hätte ich angesichts die­ser Ford-Farben ausgerufen: OMG wie schwul 😎
  2. Die unglaubliche Dicke der Türen. Viel Blech um noch mehr Blech … heilig’s Blechle O_o
  3. Die riesigen Augen (siehe Headerbild) unter den verkümmerten Hai­fisch­flos­sen, also am Popo und damit irgendwie am verkehrten Ende.
  4. Die Verarbeitung … der Kofferraumdeckel saß nicht parallel zwischen den Kotflügeln (nicht gut bei Regen und Schnee – siehe JFK)
  5. Aber am meisten hat nobody der Aschenbecher imponiert. Groß wie ein Kindersarg. Huch, hab ich mir gedacht. Die Amis rauchen sicher viel und wenn der voll ist, kaufen sie sich eine neue Kiste.

Gekauft habe ich mir später so einen Amischlitten nie, sondern bin bei Lancia hängengeblieben. Als ich nach zwei verreckten Spaghettischachtel auf Alfa umsteigen wollte, hat mir meine Holde mit Scheidung gedroht … ohne Scheiß. Also kam ich auf den Audi … hat auch nix geholfen :mrgreen:

So war das mit T5 und T-Bird und Vögeln zum Wiehern.