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der Witzbold als Richter. Nehmen wir an, Sie haben was ausgefressen, sa­gen wir erpresserischer Menschenraub, Freiheits­beraubung, schwerer Raub und gefährliche Körperverletzung 😯 muss sich ja lohnen. Das war am 6. April 2012.
gavel
Am 21.12.2012 verurteilt Sie das Land­ge­richt X zu fünf Jahren und zehn Monaten Knast, ihren Mit-Ganoven sogar zu acht Jah­ren … muss sich ja lohnen.

Der Bundesgerichtshof hebt das Urteil des LG X wegen eines Rechtsfehlers bei der Be­weis­wür­di­gung auf, und zwar mit allen seinen Fest­stel­lungen und ver­weist die Sache zu neu­er Verhandlung und Entscheidung an eine andere Strafkammer des Landgerichts X zurück.

Am 22. April 2015 verurteilt Sie das Landgericht X mit anderer Kammer erneut vom zu fünf Jahren und zehn Monaten Knast, ihren Mit-Ganoven sogar zu acht Jahren … muss sich ja lohnen.

Der BGH hebt das Urteil mit Beschluss vom 22. Januar 2016 (Az.; 3 StR 482/15) wieder mit allen seinen Feststellungenach das wissen Sie schon … sehen Sie, so schnell lernt man Jura 😎 Um sicher zu gehen, dass das LG X nicht drei­mal den gleichen Scheiß baut, urteilt der BGH:

    Die Sache bedarf deshalb insgesamt neuer Verhandlung und Ent­schei­dung. Der Senat hat von der in § 354 Abs. 2 Satz 1 StPO eröffneten Möglichkeit Gebrauch gemacht, das Verfahren an ein zu demselben Land gehörendes anderes Gericht gleicher Ordnung zurückzuverweisen.

Nix Besonderes … Verteidiger kennen das und nennen das BGH-Ping-Pong 😎

Nun muss das Landgericht Y Sie und ihren Mit-Ganoven verurteilen und wenn nobody es richtig verfolgt hat, hat das LG Y gerade wieder einen ab­so­lut re­vi­siblen Bock geschossen … aber egal, der BGH wird’s schon richten … 2017 oder so … für den vierten Anlauf. Al­lerdings hat der BGH im vorerst letzten Auf­he­bungs­be­schluss schon mal vorsichts­halber den Zeigefinger gehoben und ge­sagt:

    Für die neue Hauptverhandlung weist der Senat darauf hin, dass das neue Tatgericht gegebenenfalls bei der Bestimmung der Rechtsfolgen auch den weiteren Zeitablauf in den Blick zu nehmen haben wird.

Übersetzt: Wer solange vor Gericht steht, der kriegt Rabatt.

Das alles ist für Insider nicht besonders spannend und schon gar nicht neu, denn das ist normales BGH-Ping-Pong. Spannend und einmalig ist der Grund, warum das 2. Urteil des LG X aufgehoben wurde: Fuckbook.

Auf Fuckbuck hat sich der erkennende Richter so zu erkennen gegeben:
jvafuture
Wir geben Ihrer Zukunft ein Zuhause. JVA„. Und als ob das nicht witzig ge­nug für einen Vorsitzenden Richter am LG X wäre, kommentiert dieser Richter seinen eigenen Witz mit den Witz;

    „Das ist mein ‚Wenn du raus kommst, bin ich in Rente‘-Blick“.

Dieser Eintrag wurde von einem Benutzer mit den Worten: „…sprach der schwe­dische Gardinen-Verkäufer! :-))“ kommentiert, was wiederum von zwei Per­so­nen, darunter vom Richter selbst, „geliked“ wurde … muss sich ja lohnen.

Der BGH fand das weniger witzig und schreibt:

    Die Ablehnung eines Richters ist nach § 24 Abs. 2 StPO gerechtfertigt, wenn der Ablehnende bei verständiger Würdigung des ihm bekannten Sachverhalts Grund zu der Annahme hat, der Richter nehme ihm gegenüber eine innere Hal­tung ein, die seine erforderliche Unvoreingenommenheit und Un­par­tei­lich­keit störend beeinflussen kann. Maßstab für die Beurteilung dieser Vor­aus­set­zun­gen ist ein vernünf­tiger bzw. verständiger Angeklagter (st. Rspr. … blablabla …)
    Diese Voraussetzungen sind erfüllt. Der Inhalt der öffentlich und somit auch für jeden Ver­fahrens­beteiligten zugäng­lichen Face­book-Seite dokumentiert eindeutig eine innere Hal­tung des Vorsitzenden, die bei verständiger Be­trach­tung besorgen lässt, dieser beurteile die von ihm zu bearbeitenden Straf­verfahren nicht objektiv, son­dern habe Spaß an der Verhän­gung hoher Strafen und mache sich über die Angeklagten lustig. Die beschriebene Face­book-Seite enthält auch einen eindeutigen Hinweis auf die berufliche Tä­tig­keit des Vor­sitzenden und betrifft deshalb nicht lediglich dessen per­sön­liche Verhältnisse …

So isses und so isses RECHT!

Nun wird dieser Witzbold als Richter vom LG Stralsund … ach ja, hat nobody noch nicht verraten … der Fall spielt in MeckPomm und LG X ist Rostock … also jetzt wird der Witzbold als Zeuge darüber vernom­men, was die Ange­klagten in dem Verfahren ausgesagt haben, dessen Urteil samt Feststellungen laut BGH nicht mehr verwertet werden darf. Kann man machen, wenn einem Justitia ins Hirn geschissen hat 😛 weil es ausdrücklich nicht verboten ist.

Aber nobody geht es um einen anderen Klops. Michael Mack, der Sprecher des LG Rostock, sagt über Richter Wolfgang Strauß … so heißt der Clown:

    Er macht eine hervorragende Arbeit“ … Der Richter sei für seine seriöse und sachliche Vorgehensweise bekannt. Durch die öffentliche Wahrnehmung sei er hinreichend gestraft. Der Fall sei eher unter der Rubrik „Skurriles“ zu ver­bu­chen.

Tja, das ist nun wirklich skurril, wenn man sich nochmal durchliest, was der BGH gesagt hat: der hat Spaß an viel Knast.

Nun kann man darüber spekulieren, ob Richter Wolfgang Strauß seit dem er­ho­benen Du-Du-Zeigefin­ger des BGH geläu­tert ist und mit dem T-Shirt seine Ge­sin­nung abgelegt hat und ob er ohne T-Shirt weiter so denkt und schon vor dem T-Shirt so gedacht hat und wie vielen Ganoven er wann zu hohe Strafen auf­ge­brummt hat, aber mit so ’nem Klein­scheiß wollen wir uns erst gar nicht ab­ge­ben, denn wir sind ja in MeckPomm und da gibt es zur Not außer den LGs in Ros­tock und Stralsund noch LGs in Neubrandenburg und Schwerin, vor denen der BGH-Ping-Pong weiter gespielt werden kann.

Apropos Schwerin: Da kennt nobody noch so einen begnadete Juristin, die aus dem #TeamGinaLisa, unsere geile Schwester Manuela. Die war aber leider nicht Richterin, sondern übte den sympathischen Beruf des Steuerfahnders aus. Muss es auch geben.

Ach ja, noch eine gute Nachricht für Sie, wenn Sie der Angenagte mit den fünf Jahren und zehn Monaten wären: Wenn das LG Y, also Stralsund, den BGH gelesen und verstanden hat, dann können sie das Gerichtsgebäude als freier Mann verlassen, denn bei dem vom BGH angemahnten Rabatt ist Ihre Zeit rum. Sollten Sie allerdings freigesprochen werden, vielleicht auch erst nach noch ein paar weiteren Runden BGH-Ping-Pong, tja, dann hamse halt Pech gehabt.

Noch ein Tipp an alle Verteidiger, die es künftig mit diesem Witzbold als Straf­richter zu tun bekommen: Bevor der überhaupt sein Maul aufmachen kann, laut in den Saal rufen: Abgelehnt wegen Befangenheit!

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