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Im Londoner Hyde Park gibt es die Speakers’ Corner.
spcorn
Dort darf sich jeder auf seine mitgebrachte Appelsinenkiste stellen und Volks­re­den soapboxschwin­gen. Die Bri­ten nen­nen es Soap­boxing, weil sie auf Seifen- statt Appel­si­nen­kis­ten stehen. Seit ca. 150 Jah­ren gibt es die Speakers’ Corner und 1872 wurde sie sogar lega­lisiert.

Feine Sache. So kann jeder Dampf ab­las­sen und es hö­ren ihm da­bei so­gar noch andere Men­schen zu, wenn auch sel­ten mehr als ein paar Dutzend. hydepark Aber schon ein paar Me­ter wei­ter ist beim Marble Arch seine Stimme ver­hallt. Seine, weil es fast nur Män­ner sind, die ihre Stim­me und sich selbst auf Ap­pelsinen­kisten über Andere erhe­ben. Über­wie­gend sind es Spin­ner, meist re­li­giöse Wirr­köpfe, die über das na­hen­de En­de la­bern. Auch Karl Marx und Lenin ha­ben hier ih­ren Ser­mon ab­ge­lallt und seit über 100 Jahren ist die Sozia­listische Partei Eng­lands eifriger Nutzer des Speakers’ Corner, wo die Reden immer folgenlos bleiben.

Im Internet ist alles an­ders. Da muss man die Ap­pelsinen­kis­te nicht selbst mit­brin­gen. Dieplatform steht als so­ge­nann­te Plattform schon ge­brauchs­fer­tig da. Man muss nur noch drauf­stei­gen. Auch das Pub­li­kum, das es von dort zu er­rei­chen gibt, ist größer. Mil­lio­nen könn­ten ei­nem zuhö­ren, wenn nicht Mil­lionen an­dere auch ih­re Appelsinen­kiste auf­stellen wür­den, wo­durch sich das ei­gene Pub­likum wie­der auf er­träg­li­che Dosen ver­teilt, weil man ja nicht allen gleich­zeitig zu­hö­ren kann. Wäh­rend das Wort des Soap­boxers, kaum aus­ge­spro­chen, auch schon wie­der ver­hallt ist, bleibt es auf den mo­der­nen Ap­pel­si­nen­kisten aber ein­fach stehen.

Wer schriev, dä bliev, sagt der Kölner, aber im Internet gilt das nur technisch, nicht dem Inhalt dieses Sprich­wortes nach, denn im Gegen­satz zum Speaker an der Corner muss der Internetlaber­sack sein Gesicht nicht zeigen. Und was ge­fühlte 99% aller Sprechdurch­fall­opfer von der gesetzlichen Impres­sums­pflicht hal­ten, das wis­sen wir al­le und ken­nen es von russnetzSchorsch dem Hetzer auf sei­ner Popo­tanz­schau und an­deren Netz-Terroristen.

Den entscheidenden Unterschied zwi­schen dem klassischen Soapboxing und den Platt­formen des Inter­nets sehe ich in der Mög­lich­keit der Ver­net­zung. Vom Mann auf der Ap­pel­sinen­kiste in Lon­don wird der Spea­ker an der Do­main in Syd­ney nie er­fah­ren. Wenn sich der Aus­sie aber z.B. auf die Blog­spot-Platt­form stellt, dann kann der Lon­do­ner mei­net­we­gen auf Word­press la­bern und sie kön­nen sich nicht nur über die Kon­ti­nente und Plattformen hin­weg fin­den, son­dern ver­netzen und wechsel­seitig re­bloggen.

Auch die Möglichkeit der Vernetzung ist noch eine feine Sache, denn ir­gend­wie ein Fort­schritt gegen­über der Appel­sinenkiste im Hyde Park und Fort­schritt ist gut. Aber nicht immer gut.

Wenn ich es richtig sehe, dann war nobody der Erste, der im Novem­ber 2014 das Russen-Troll-Netzwerk in Form ei­nes Flyers bei Anna-News ge­fun­den hat.
anna-news-netzwerk
Inzwi­schen ist es längst in der Wiki­pedia und war nun auch mit „Spiel im Schatten – Putins unerklärter Krieg gegen den Westen“ im TV zu sehen.

Oben rechts sehen Sie die „Partner“-Sitebar von Southfront. Southfront ist Anna-News und Anna-News (heute NewsFront) ist di­rekt der KGB. Auf der „Partner“-Site­bar fin­den Sie schon eini­ges, was Rang und Na­men hat im Rus­sen­netz­werk. Heu­te ge­ben sich die Kremlratten nicht ein­mal mehr die Mühe, das Netz­werk zu ver­schlei­ern. Sie beschrän­ken sich darauf, es ein­fach auf die Pu­tin­sche Art zu leug­nen … keine grüne Männ­chen auf der Krim. Die Sei­ten der Kreml­ratten sind bis auf wenige Aus­nah­men und die Mut­ter aller Propa­ganda­drecks­schleudern des Kreml (aka Anna-News), alle in der Wassili Petuschkov Nr. 3 bei REG.ru registriert und im gleichen Gebäu­de, nur mit der Haus­nummer 7, sitzt das „Reise­büro“ des FSB.

Nicht nur die Kreml-Nazis tummels sich unter der Adresse, auch die norma­len toitschen Nazis wei­chen immer mehr auf den für sie einge­richteten Safe Harbor an der Kreml­mauer aus und das wird zu­neh­men, nach­dem gestern 40 Fuck­book-Nazis in 14 Bundes­län­dern vom BKA aufge­schreckt wurden (SPIEGEL). Das war für den Rest, so­fern nicht völ­lig verblö­det, der Weck­ruf. BTW: Was ler­nen wir aus der Ak­tion? Dass es nur 40 Nazi-Hetzer im Netz gibt, oder dass es im Saar­land und Schles­wig-Hol­stein kei­ne gibt, denn an der Aktion waren nur Baden-Würt­temberg, Bayern, Berlin, Branden­burg, Bremen, Hamburg, Meck­lenburg-Vorpom­mern, Nieder­sach­sen, Nord­rhein-Westfa­len, Rhein­land-Pfalz, Sachsen, Sach­sen-Anhalt und Thüringen beteiligt.

Und selbst wenn den Clowns bei den Hausdurchsuchungen vorübergehend ihre PCs weggenom­men wurden, die Appelsinenkisten sind das nicht. Das sind die Plattformen und die bleiben stehen und warten darauf, dass der Nächste auf­steigt und das hetzende Wort ergreift. Durch die Ver­netzung sind nicht nur die übri­gen Netz­werker im Bil­de, sondern auch die alten und neuen User naht­los in­formiert. Es kann ohne Bruch weiter­gehen und es geht weiter, so­lange den Wixern nicht die Appel­sinen­kisten weg­genommen werden und das sind die Platt­for­men. Das Appelsinenkistennetz muss zerstört werden.

Wie das in Zeiten der auch durch das Internet erst ermöglichten Globalisierung gehen soll, weiß nobody auch nicht, aber ein erster Schritt könnte der Klar­na­menzwang sein. Jede Seite, die dagegen verstößt, wird ge­sperrt. Das gilt für Word­ress-Sub­domains ebenso wie für Fuck­book. Kein Schwein braucht meinen kleinen kosmos und nobody braucht und hat kein Fuck­book. Was mit der Kinder­pornografie gefunzt hat, funzt auch in ande­ren Problem­bereichen.

Klar weichen die dann auf TOR ins Darknet aus, aber die Betreiber von Silkroad und andere Kriminelle sitzen in Haft und viele Exit­nodes sind längst infi­ziert. Es geht alles, man muss es nur wollen. Es geht auch, dass man das Kind mit dem Bade aus­schüttet, aber nobody glaubt nicht daran, dass an diesem Kehraus das Netz zugrunde geht. Das Internet besteht nicht nur aus Porno und Hetze und wenn doch, dann tut es mir drum nicht leid.

Zum Schluss noch ein Klamotte aus dem SPon von gestern. Da lamentiert der SPIEGEL über die neueste Masche der Reichs­deppen und das dagegen vor­gegangen werden müsse und einer der ersten Kommen­tare zum Artikel kommt von einem Reichs­bürger, der schreibt:

    … Die „Reichsbürger“ bestreiten ja nicht daß die BRiD die Gewalt hat ihre An­sprüche durch­zusetzen und das auch tut. Sie bestreiten nur die Recht­mäs­sig­keit. Und da haben sie mehr Fakten auf ihrer Seite als das System … Der Trick mit Malta – bei nor­malen Bürgern ja auch benutzt – gegen die Re­prä­sen­tan­ten des BRiD-Systems dagegen entbehrt nicht eines gewissen Spaßfaktors – Hut ab;)

BRiDBundesrepublik in Deutschland … klassischer Reichsdep­pensprech … aber den SPARGEL juckt das nicht … Hauptsache Klicks.

Apropos Klicks: Seit einigen Tagen versuchen mich hier Trollmassen zu nerven … lasst es Jungs, auch das mit den Drohungen. Wir werden uns wahrscheinlich nie im realen Leben sehen und wenn, dann … :mrgreen:

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