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Nehmen wir mal an, Sie schmeißen eine Party. Weil es kurz vor Ostern ist, ge­ben sie der Fete das Motto: Eierparty. Und weil Eier schau­keln … ähmmm an­ma­len al­lein lang­weilig ist, laden Sie zwei Freun­din­nen zur Par­ty an, Gina und Lisa. Am Mor­gen nach lan­ger, feucht­fröh­licher Party­nacht wol­len Sie sich ein Ei zum Früh­stück ko­chen und stel­len fest: der Eier­kocher ist wech 😯 Sie gehen zur Bul­lizey und zei­gen Gina und Lisa an, weil die den Eier­kocher ge­klaut haben.

Moment, sagt die Bullette, woher wollen sie wissen, dass Gina und Lisa den Ei­er­kocher entwendet haben. Tja, das ist so, sagen Sie: Ich esse mor­gens immer ein Früh­stücks­ei und das koche ich im Eier­kocher. So war es ges­tern und als ich mein Ei heute ko­chen woll­te, war der Eier­kocher wech. Und außer den bei­den Eier­die­ben waren in der Zwischen­zeit keine Eier­köp­pe in meiner Wohnung.
Eierdiebe
Na dann, sagt die freundliche Bullette, dann ist der Fall ja klar. Gina und Lisa werden verhört. Beide geben zu, den Eierkocher an sich genommen zu haben, aber nur, um ihn in Ihr Wohnzimmer zu tragen. Dort hätten Gina und Lisa dann mit Ihnen zusammen Eier gekocht und an­gemalt.

Die Bullette glaubt Gina und Lisa nicht und veranlasst eine Hausdurchsuchung, bei der aber kein Eierkocher gefunden wird. Da fällt Gina und Lisa ein, dass sie am Tag nach der Tatnacht ja nochmal bei Ihnen waren, um wieder zusammen Eier zu kochen und diesmal war sogar noch eine dritte Besucherin dabei. Nen­nen wir die mal Je­ro­mi­na. Auch da wurden Eier bemalt und vorher mit dem an­geb­lich verschwun­denen Eier­kocher weich … neee hart gekocht.

Der Staatsanwalt blättert gelangwelt durch die Akte und entscheidet: Eingestellt!

So weit, so korrekt. Aaaaber, denkt sich der Staatsanwalt, so besoffen vom Eierlikör kann manN, also Sie, doch gar nicht sein, um zu vergessen, dass man am Tag nach der Tat noch einmal zusammen Eier gekocht hat, auch wenn man jemand ist, der viele Eier kocht. Also macht er einen Ver­merk in die Akte: Verdacht einer Straftat nach § 164 StGB:

    (1) Wer einen anderen bei einer Behörde oder einem zur Entgegennahme von Anzeigen zuständigen Amtsträger oder militärischen Vorgesetzten oder öf­fent­lich wider besseres Wissen einer rechts­widrigen Tat oder der Ver­letzung einer Dienst­pflicht in der Absicht verdäch­tigt, ein behördliches Verfahren oder andere behörd­liche Maß­nahmen gegen ihn herbeizu­führen oder fort­dauern zu lassen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
    (2) Ebenso wird bestraft, wer in gleicher Absicht bei einer der in Absatz 1 bezeichneten Stellen oder öffentlich über einen anderen wider besseres Wissen eine sonstige Behauptung tatsächlicher Art aufstellt, die geeignet ist, ein behörd­liches Verfahren oder andere behördliche Maßnahmen gegen ihn herbei­zuführen oder fortdauern zu lassen.
    (3) … uninteressant

Zu klären ist nach dem Aktenvermerk, ob Sie „wider besseren Wissen“ die Gina und die Lisa eines Dieb­stahls angezeigt haben.

Wider besseres Wissen ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts­hofes sogar noch ein bisserl mehr als Absicht, aber mit den Einzelheiten will ich Sie nicht weiter lang­weilen, denn Sie ken­nen den Fall ja, bei dem Ählichkeiten mit tatsächlich lebenden Eier­dieben natürlich an den Sack­haaren herbeigezogen sind.

Jedenfalls landen Sie vor Gericht. Falsche Verdächtigung ist das fast tägliche Brot eines Amtsrichters und deshalb blättert er ebenso gelangweilt durch die Ak­te, wie es vor­her schon der Staats­an­walt gemacht hat. Im ech­ten Leben wa­ren bzw. sind die Gelang­weilten übrigens Frauen, Staats­anwältin und Rich­terin. Aber das soll uns egal sein.

Für normal dauert so eine Strafverhandlung keine Stunde und endet zu 99% mit einem Freispruch, weil ein cleverer Verteidiger weiß, wie man aus dem „besser Wissenwieder rauskommt. Diesmal ist es anders und weil sie ein F-Promi sind, geht der Pro­zess jetzt in die drit­te Runde.

An der Stelle mal einen Einschub aus dem wahren Leben:

In den Medien ist von einem Eklat die Rede. GLL habe mit ihren Verteidigern den Sitzungssaal verlassen, weil die Richterin bei Inaugenscheinseinnahme der Vi­deos nicht die Öffent­lichkeit ausschließen wollte (z.B. SPIEGEL). Das ist nur die hal­be Wahr­heit, wie so vieles in diesem Jahrhundert­prozess.

Karin Hendrich war für die B.Z. im Gerichts­saal und hat mitgeschrieben:

    16.15 Uhr: Der nächste Eklat: Die Richterin will gegen ihre ur­sprüng­lich Auf­fassung die Öf­fent­lich­keit bei den Vi­deo nicht aus­schließen. Auf dem Laptop am Rich­ter­tisch und mit lei­sem Ton würde die Öffent­lich­keit sowieso nichts mitbe­kommen.
    Die An­wälte springen auf, pro­testieren. Gina: „Die Öffent­lichkeit soll das ru­hig se­hen. Ich will das.“ Doch die An­wäl­te sind ande­rer Mei­nung, ver­las­sen den Saal. Ei­ner sagt: „Bei Ih­nen hakt‘s wohl.“
    Unten auf der Straße sind lau­te Protest­rufe zu hö­ren, nach­dem eine Zu­schau­erin die Leute infor­mierte: „Nein heißt nein“ – die wol­len nicht enden.
    Bis auf Weiteres unterbrochen… Der Anwalt ruft noch: „Eine halbe Stunde…“

Auch unsere Eierdiebe haben in der Tatnacht gefilmt. Insgesamt 11 Videos gibt es, auf denen nicht nur zu sehen ist, wie Eier gekocht und bemalt werden, son­dern auch wie getanzt und ge­lacht wird, wie Sie aus der Woh­nung gehen und wieder zurück­kommen. Und da­bei tor­keln Sie nicht.

Im Prozess wird Ihr Manager Alex sagen, dass sie irgendwann nach­mit­tags mit einem Taxi vor einem Köpenicker Hotel angekommen und tor­kelnd und ver­stört aus­gestiegen sind. „Da hab‘ ich schon gesehen, da stimmt was nicht.“ Und wenn dann die Richterin Antje Ebner fragt: „Davon haben Sie kein Wort bei der polizeilichen Ver­neh­mung gesagt, das ist doch aber wichtig … Oder war das gar nicht so?„, dann wird Alex schweigen.

Eine Sylvia Margret Steinitz wird später im STERN über die Videos schrei­ben und vor allem das „Hör auf“ belügen, das Sie beim Eier kochen ge­sagt haben. Mit nur schwer zu übertreffender Stringenz behauptet diese völlig verblödete Loh­schmier­finkin:

    Die Autorin hat alle disku­tierten Clips gesehen. In einer von zwei Auf­nah­men, in denen „Hör auf“ zu hören ist, hat sie die Augen geschlos­sen und den Kopf zur Sei­te gedreht. Sie kann al­so gar nicht gesehen haben, ob gefilmt wird. In zumin­dest einem Fall fällt diese Er­klärung also weg.

Wie nobody schon mal gepin­selt hat: Das wird bitter, wenn die völlig un­in­ter­es­sier­te Welt­öf­fent­lichkeit Ihre miese schau­spie­lerische Leistung er­kennt. nobody meint nicht beim Eier kochen … da ist der Haupt­darsteller eher fad und unin­spiriert … auf- oder er­re­gend ist was an­deres. Nein, es geht um den Show-Pro­zess, der heute von den Laienhilfs­darstel­lern der Schwarz­kittel bewusst des­halb zum Platzen gebracht wurde, um die Vorfüh­rung des Eier­diebstahls zu ver­hin­dern. Damit hat die Rich­terin die Men in Black auf dem fal­schen Drei­bein er­wischt. Denn der Blin­deste wird dann erken­nen, was Sie sich da zusam­men ge­lo­gen ha­ben.

Nun soll ein Befangenheitsantrag für Gnade vor Recht und vor allem einen neu­en Richter sorgen, der kein Interesse daran hat, sich die über 15 lang­weiligen Minuten nochmal anzu­sehen. Und egal, wie danach das Urteil ausfällt … wahr­schein­lich nicht anders als bei Richterin Ebner, denn Justitia ist blind, nicht ihre Richter … es kann zumin­dest die Ba­sis al­ler Femanzen und sonstigen Straf­rechts­verschärfer auf Recht er­halten werden, wonach ein Nein ein Nein ist.