Schlagwörter

, , , , , , ,

SS-Wachmann Reinhold HanningHeute hat das Landgericht Detmold das Urteil gegen den SS-Schergen Rein­hold Hanning aus Lage ver­kün­det. Fünf Jahre Ge­fängnis hat Hanning dafür be­kom­men, dass er Beihilfe zum Mord von min­destens 170.000 Men­schen im Ver­nich­tungs­la­ger Ausch­witz geleis­tet hat. Die Staats­an­walt­schaft hatte 6 Jahre gefor­dert, also das Doppelte der Min­dest­strafe. nobody hätte sich acht Jahre ge­wünscht, aber ich hatte schon vermutet, dass das LG Detmold knapp unter dem Antrag der Staats­an­waltschaft bleiben würde. Aber auch die fünf Jahre gehen in Ord­nung, denn die Urteilsbe­gründung der Vorsitzenden Richterin Anke Grudda hat es in sich und macht die „feh­lenden“ drei Jahre mehr als wett.

anke gruddaDieses Urteil schreibt deutsche Rechts­ge­schich­te. Zum ersten Mal in der deutschen Nachkriegsgeschichte hat ein deutsches Ge­richt in dieser Deut­lichkeit ausgesprochen, was Fritz Bauer immer ge­meint hat, als er „auf der Suche nach dem Recht“ war (ein Buch, das nicht nur jeder Jura­student lesen muss):

    Eine Stunde lang sprach Grudda. Ihre Worte markieren „einen Meilenstein in der Auf­arbeitung des NS-Unrechts in Deutschland“, wie Staatsanwalt Bren­del sagte. Neben­klageanwalt Cornelius Nestler sagte, es sei zum ersten Mal von einem deutschen Gericht gesagt worden, dass man als SS-Mann für alle Morde in Auschwitz mitverantwortlich sei. Nestlers Kollege Thomas Walther meinte gar, erst mit diesem Ur­teil gehe „der Zweite Weltkrieg zu Ende“. Tat­säch­lich sendet der Schuld­spruch eine Bot­schaft: Als SS-Angehöriger in Ausch­witz konnte man nicht un­schuldig sein, wie die Ver­teidigung ar­gu­men­tiert hatte. „Das gesamte Lager glich einer Fabrik, ausgerichtet darauf, Men­schen zu tö­ten“, sagte Richterin Grudda. „In Auschwitz durfte man nicht mitmachen.“ (SPIEGEL)

rechtsucheVor keinen zehn Jahren wäre SS-Unterscharführer Reinhold Hanning wahr­schein­lich noch freigesprochen worden, weil ihm kein konkreter Tat­beitrag an der Ermordung eines Men­schen in Auschwitz nach­zu­wei­sen ist. Aber da­rauf kommt es nach Bau­er auch gar nicht an. Ich zi­tie­re noch ein­mal, was ich be­reits in „Von Wes­se­ling nach Ausch­witz“ ge­pin­selt habe:

    Bauer hatte es schon wäh­rend des WWII und der da­mals noch un­voll­stän­dig be­kann­ten in­dustriel­len Mas­sen­tö­tung be­grif­fen: Man muss Ausch­witz als Gan­zes be­grei­fen. Fast 6600 Scher­gen ha­ an den Fron­ten brauch­te. Aber oh­ne die vie­­len klei­nen, nur schein­bar un­bedeu­ten­den Räd­chen im Kreis­lauf des nicht en­den wol­len­den To­des hät­te es nicht funk­tio­niert. Das wuss­ten Rein­hold Han­ning und die an­de­ren über 6000 Mas­sen­mörder und sie wa­ren stolz auf ih­re Wich­tig­keit.
    In einem industriellen Be­trieb funzt es selbst heu­te im Zeit­al­ter der Ro­bo­ter nicht, wenn nicht ein Räd­chen ins an­de­re greift. Wer das Ge­­wu­sel von Zig­­tau­send gleich­­zei­tig in Ausch­witz kon­­zentrier­­ten Ju­den und an­de­ren „Volks­­schäd­­lin­­gen“ un­­ter Kon­­trol­­le brin­­gen woll­­te, der brauch­­te wie Himm­ler Freiwil­­li­­ge wie Rein­­hold Han­­ning und Han­ning hat sich frei­­wil­lig zur Waf­fen-SS ge­­mel­­det.

Ich gehe nicht soweit wie der Nebenklägervertreter Walther, aber IMHO ist Deutschland heute von einem Stück seiner Erbsünde befreit worden. Deshalb maßt sich nobody an im Namen von Fritz Bauer zu sagen: Danke, Anke! Und: Weiter so! Solange noch ein Rädchen der KZ-Mordgetriebe lebt, darf es kein Ende geben, auch „wenn sie 100 sind„. Und die Arbeit der Aufarbeitung der deutschen Naziverbrechen ist eine Aufgabe für alle Ewigkeiten, damit am Ende wenigstens noch Touristen kommen und sich nicht wieder alles im Labyrinth des Schweigens verliert.

Leider wurden beide Filme auf YouTube gelöscht 😦 Aber als besonderen Gag und TV-Tipp kann nobody A na koniec przyszli turyści“ in polnischer Sprache anbieten 😛 So kommt manN in den Genuss von Barbaras bezauberndem Pol­nisch im Original ❤