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jbakerRadeberger hat mir nach dem kleinen „Schawül“-Reisebericht das „Capella“ em­pfohlen, „wenn Du das nächste Mal nach Singapur reist„. Dank Dir! Sieht nett aus. Aber ich habe keine Reisen mehr vor mir. Und wenn ich noch ein Hotel bräuch­te, dann suche ich es wie immer aus, suche nach dem Hauch einer Geschichte.

So wie ich mir beim „Raffles“ im Bar & Billard Room vor­gestellt habe, wie hier Rudyard Kipling mit dem Queue rum­fuch­telnd „!Tiger! Tiger!“ hätte schreien können und ihm dabei die Idee zum ent­sprechenden Kapitel des Dschungelbuchs gekommen sein könnte.

Mit „meinem“ Hotel muss sich eine Geschichte verbinden, so wie mit dem Hotel »Lutetia« in Paris, das im nachhinein das Hotel meiner Ehe ist. Interessiert sich jemand für diese Geschichte? … Hab ich mir gedacht … ich erzähl sie trotzdem :mrgreen:

Das Art déco Hotel war im Zweiten Weltkrieg während der Besetzung von Paris durch die Nazis das Hauptquartier von „l’Abwehr„. Zur gleichen Zeit wohnte Jo­se­phine Baker im Lutetia … lange Zeit als Dauer­gast in einer der Suiten unter dem Dach. Die Ameri­kanerin Josephine Baker war zu der Zeit bereits Fran­zösin und Mitglied der Resistance. Und dann stellt sich ein desolenobody eben vor, wie sich Baker und Canaris an der Bar im Lutetia getroffen haben und der Admi­ral der Tänzerin zuerst an ihren negerschwarzen Nippeln rum­ge­lutscht und danach sei­ne herren­mensch­lich weiße Ba­nane 😛 in Josephines legen­dären Bananengürtel versteckt hat.

Das hat was mit meiner Ehe zu tun 😯 Warten Sie’s ab!
stout
Oder die Geschichte, wie sich James Joyce, eben­falls ein Dauergast, und Marcel Proust im Lutetia getroffen haben. Das war im Mai 1922. Joyce hatte dort gerade am 2. Februar 1922 seinen Ulysses fer­tig­gestellt und diskutiert darüber mit Proust an der Bar. Marcel prustet sich mit seinen fast 4000 ver­lo­renen Seiten … er war ja da noch nicht ganz fertig … 4224 Seiten sollten es schließ­lich werden, bis ihm Gevatter Tod den Griffen aus den Wix­griffeln ge­schla­gen hat … und James er­starrt vor Schreck …. Wie viele Seiten? Joyce glaub­te sich lost in Trans­lä­schon. Nein sagt Proust, du hast dich nicht verhört: 4000 Seiten. Da musste James zum ersten und ein­zi­gen Mal in seinem Le­ben la­chen und weil er das nie gelernt hat, prustet er da­bei den Schaum von seinem Stout dem Marcel mitten ins Gesicht. Stimmt nicht: als sein Finnegan ausgeschlafen war, da hat er noch­mal gelacht … sich tot gelacht.

Zum Lachen war nobody im Mai 1990 nicht zumute, sondern ich hatte wie Joyce Schaum vorm Mund, als ich vom Concierge des Lutetia höre, dass unser Zimmer anderweitig vergeben wurde. nobody kann dann sehr pöhse und noch viel lauter werden, wegen pacta sunt servanda und so. Da können einige Hotels von ein Lied singen, z.B. das „Brunelleschi“ in Florenz. Aber das war erst auf der Hoch­zeits­rei­se. Hier gings erstmal um die Verlobung. In Wonnemonat Mai (1990) hat sich nobody unter dem Eif­felturm verlobt … genau darunter und genau in der Mit­te … genau aus­gezirkelt … da muss bei mir immer alles genau sein und des­halb wollte ich auch genau dieses Zimmer im (vom Boulevard Raspail aus ge­se­hen) linken Teil des Lutetia, denn vom rechten kann man den Phallus nur wäh­rend des Fenster­sturzes sehen 😎 und das auch nur sehr kurz. Ich habe das Lutetia mal in diese Paris-Karte oberhalb vom Croissant reingeklebt …
parismap
damit Sie sich das vorstellen können.
160-schwalbennest
Enfin bon … der Concierge gab genervt auf und wir haben zum gleichen Preis die Suite 704 unter dem Dach bekommen … Josephines „Wohnung“ 😛 Das ist die Suite neben der Kemenate in der Mitte, oben unter dem „Schwalbennest„, von dem aus man die­sen grandiosen Blick über Paris hat:
lutsuitmit
Die Titten von Paris kann man von dort aus zwar nicht sehen, aber dafür von dieser Muschi frühstücken 😯
muschi
Die Suite 704 wurde später von Philippe Hiquily neu gestal­tet. Ist halt Paris, die Stadt der Lie­be. Wenn man da nicht auf­passt und vom Wohn­zimmer zum Schlaf­zim­mer ge­hend aus dem Fenster guckt, dann kann man sich ganz schnell die Bir­ne stoßen. Ist al­les schräg da, so­gar der sal­le de bain, der auch den Na­men Saal de bain ver­dient hät­te. Hier das Mu­schi­zimmer im Gegen­schuss und die Auster des klei­nen Mannes habe ich als Tisch­detail aufs Bett gelegt …
gegendet
… wo sie ja eigentlich auch hingehört 😆

Doll sind die bodenlangen, schneeweißen und wuscheligen Bademäntel. Meiner damals noch unangetrauten Verlobten waren die zu lang, sodass es fast schon wie die Schleppe vom Brautkleid aussah. BTW: In „Wenn Frauen furzen“ 😳 kommt das Lutetia versteckt vor, denn dessen Duftmarke ist von Annik Goutal, das „Eau d’Hadrien“.

Wenn Sie zu zweit das Vergnügen der Bademäntel mit oder ohne selbige im Lu­tetia geteilt haben 😛 und danach in die Pariser Kunstun­terwelt ein­tauchen wol­len, dann gehen sie aus dem Hotel raus nach links die Heiligen Väter zur Seine. Benutzen Sie dabei bloß den linken Geh­weg, oder bes­ser Sie meiden die Rue des Saints-Pères in Saint-Germain-des-Prés ganz, denn auf der rech­ten Seite gibt ein eines kleines Schuhgeschäft (!) OMG … der Ur­laub ist ge­lau­fen, die Braut (hin und) weg, das Kon­to leer. Soll­ten Sie es doch zur Sei­ne über­leben, dann nicht über die Brücke ins Louvre, son­dern nach links ins Musée d’Orsay. Mein Vor­schlag: Lassen Sie die Süße im Schuh­la­den und genießen sie Cézanne, De­gas, Manet, Monet, Rodin, Sisley, van Gogh und die an­deren al­lein. Es gibt ja nix Nervi­geres als eine Frau, die über Kunst dis­kutieren will … außer viel­leicht ei­ner beim An­probie­ren des 1000. Paar Schuh zuzugucken.

Auch das Ende meiner Ehe hat was mit dem Lutetia zu tun … naja, nicht ganz, aber mit einem Hotel und Marcel Proust, dessen „Suche nach der verlorenen Zeit“ teils im „Grand Hotel“ in Cabourg spielt. Aber das ist eine andere Ge­schich­te und die erzähle ich besser nicht.

Wenn sie jetzt ins Auto springen wollen, um nach Paris auf den Boulevard Raspail No 45, Ecke rue de Sèvres zu rasen, dann muss ich Sie enttäuschen. Das Lutetia hat seit April 2014 geschlossen. Alfred Akirov, der den Laden vor etwa fünf Jahren gekauft hat, lässt es für schlap­pe 23 Millionen Euro reno­vie­ren. Und er lässt sich damit Zeit. Die Neueröffnung wurde für April/Mai 2017 angekün­digt. Das Lutetia ist für den Israeli Hobby und Herzens­ange­legenheit. Nach dem Zweiten Welt­krieg war es in Paris Sammel­stelle für die Überlebenden des Holocaust.

Und so schließt sich der Kreis und nobody sei­nen Hauch der Ge­schich­te mit

dem Bananentanz von Josephine Baker ❤ ❤ 😛 😎 Sorry für die schlechte Quali, aber ist 90 Jahre alt … der Film, nicht die Bananen.

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