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Vieles habe ich vergessen. Aber ich kann mich noch an diesen Morgen in San Francisco erinnern, strahlend schön wie immer. Und an das üppige Frühstück am Tresen eines Diners in der Nähe meines Hotels. Spiegelei, fingerdick, in Ho­nig gebackener Schinken, Toast und Kaffee. Danach zur Autovermietung und die schon in Deutschland bei Interrent (heute Europecar) vorbestellte Kiste übernehmen. Die arbeiteten damals mit National zusammen. Inzwischen haben sie den Laden wohl übernommen … anyway … ein Buick.

Ein Buick musste es sein. Darauf habe ich Wert gelegt. Ich liebe die runden For­men am Road­master Convertible von 1949, mit dem später Tom Cruise und Dustin Hoffman in „Rain Man“ durch die Gegend gedüst sind. Oder der junge David Hasselhoff 😯 in „Revenge of the Cheerleaders“ 😛 Deutsch: „Heisskalte Teens in Amerika„, später „Vanilleeis und Pettingcoats„. Bescheuerter Film. Klar … Hasselhoff als „Boner„. Boner, das ist einer, der immer einen … na Sie wissen schon. Aber klasse Autos waren zu sehen, u.a. der Buick Roadmaster Con­ver­tible von 1949. Der muss knatschrot sein mit weißen Faltdach
redbuick
und nicht wie ein Cremeschnittchen oder Rost aussehen:
buick1
OK, so einen Roadmaster hatten sie bei National nicht, aber einen Buick Sky­lark und der ist der Nachfolger vom Roadmaster. Gebongt. Ging übrigens ganz fix in der Miet­wagenstation. War alles vorbereitet, nur den Internationalen Füh­rer­schein kopiert, ein paar Un­ter­schriften, Kredit­karte durchge­ratscht, fertisch nach keiner Vier­tel­stunde! Kiste stand schon vor der Tür. Mann was ein Schiff. Fast 5 Meter lang … und kan­tig … keine weib­lichen Kurven mehr 😦

Dafür macht das rollende Sofa Kurvenquietschen. Hinterachse starr und dann runter nach Malibu. Quietscht wie im Ami-Krimi. Ach so … von SF nach LA auf dem Highway 1, aber das habe ich hier schon mal angedeutet. In Santa Bar­ba­ra am East Beach die Füße ins Was­ser ge­hal­ten und Girl­watching 😛 gemacht. Darüber war es was später geworden und weil ich un­be­dingt an dem Tag noch Los Ange­les er­rei­chen wollte, bin ich zur Interstate 5 rauf.

Schwerer Fehler. Das haste ja noch nicht erlebt. Werden immer mehr Fahr­strei­fen, von rechts und links 😯 Biste am An­fang noch rechts, biste plötz­lich in der Mitte … KEEP LANE! Also ich weiß nicht mehr, ob es sowas wie ein City-Limits-Schild gab, aber wenn, dann muss das Stunden vor der Stadt gewe­sen sein. Das nimmt über­haupt kein Ende. Viel­leicht kam mir das auch bloß so vor, weil meine Blase zu platzen drohte. Ich rechts raus … muss man beto­nen, weil es auch „Merge Left“ gibt. Das ist lus­tig. Da merkste dir die Num­mer der Aus­fahrt und fädelst dich schon mal rechts ein und dann kommt das Schild: Ausfahrt links. Scheiße! Hier war’s zum Glück normal und bald konnte nobody mit stim­mungs­vollem Blick in das fast schon nächt­liche LA einen gepfleg­ten Vor­garten irgendwo in den Hügeln von Burbank bewässern. „Glücklich ist, wer verpisst, was nicht mehr zu halten ist“ …

aus Plätscherraus“ von Johann Strauß. Ein weiterer Blick auf die Straßen­karte mach­te klar: So wird das nix. Das musste bei Tageslicht in Angriff nehmen. Wo­hin dann? Ans Meer: Malibu.

Am nächsten Morgen, nach einer Nacht auf der Rückbank der Schiffsschaukel (geht gut bei fast 1,80 m Breite), rein in die City und Motel suchen, denn als Dauerquartier taugt selbst ein Skylark nicht und außerdem hat er keine Dusche. Die gab es irgendwo in Inglewood. Hässlich und billig und no „Breakfast in Ame­ri­ca„. Das gab’s echt französisch mit vie­len tollen Leckereien in der Boulan­ge­rie. Drum bin ich jeden Morgen in aller Herrgotts­frühe hingefahren, denn wenn man zu spät kam, musste man Schlange stehen. Die Boulangerie war eine Insti­tution und nun gibt es sie seit über 25 Jahren nicht mehr, lerne ich aus der LA Times. Das Gebäude an der 512 Rose Ave sieht noch aus wie damals …
Rose Ave 512
aber nun ist „La Fiesta Brava“ drin.

Nur an einem Morgen musste ich das Frühstück bei Boulangeries ausfallen lassen. Das war am 23. Juni 1986 um 10 Uhr. Woher ich das so genau weiß? Steht noch immer in der New York Times. An dem Tag war ich morgens nach Beverly Hills gefahren, um mir den Rodeo Drive anzusehen. In einer dortigen Bankfiliale hab ich Bares geholt und bin dann quer rüber zum Parkplatz zurück geschlendert. Mein Schiff hatte ich an der Rückseite von Van Cleef & Arpels geparkt. Dort angekommen, knallt es und von allen Seiten stürmten Cops auf mich zu … ne nicht nobody, sondern auf das Juweliergeschäft. Steven Livaditis war bei Ladenöffnung reingestürmt und hatte ballernd Geiseln genommen. Drei Menschen wurden getötet und Livaditis später zum Tode verurteilt.

Der Fall war umstritten. Nicht wegen der zwei Morde, die Livaditis im Laden selbst kaltblütig begangen hatte, sondern wegen des dritten Opfers, das von den Bullen erschossen worden war, als Livaditis mit drei Geiseln unter einer Decke zum bereitgestellten Fluchtauto gelangen wollte. Durch vom SWAT ge­worfene Schockgranaten wurden die vier unter der Decke von den Füßen ge­ris­sen, wobei die Geisel Skinner etwas ab von dem Knäule der anderen Drei un­ter der Decke zu liegen kam. Skinner rief: Das ist er!

Der Scharfschütze Deputy Johnson sah in der Dunkelheit … die Geiselnahme dauerte bis kurz vor Mitternacht … was Weißes auf die anderen Drei unter der Decke zeigen und schoss. Der Getroffene war die Geisel Skinner und Deputy Johnson glaubte, dass der Geiselnehmer der einzige weiße Männliche in der Gruppe sei. Johnsons erster Schuss war sofort tödlich.
usss
Den Anfang der Belagerung habe ich hautnah vom Parkplatz aus mitbekommen. Dann kamen die Men in Black zu mir rüber, klappten das Revers ihrer An­zug­jacke um und zum Vorschein kam ein goldiger She­riff­stern auf dem stand: Secret Service. Nun ist so ein Raub­überfall kein Fall für den Secret Service aber an dem Tag weilte Nancy in ihrer Stadt im Beverly Wilshire Hotel am Ende des Rodeo Drives. Das Wil­shire kennt jeder aus „Pretty Woman. Ich frag noch, was mit meiner Karre ist … „Bleibt hier. Alles abgesperrt.“ Na gesprächig waren die nicht, aber wenigstens habe ich sie mal live und in Farbe erlebt.

Bratkartoffeln gab es auch da nicht und die wollte ich auch gar nicht zum Früh­stück. Hab sie trotzdem bekommen und das war an einem See in Arizona. Ich habe mir heute den ganzen Tag den Kopp darüber zerbrochen, ob es am Lake Mead oder am Lake Powell war. Es muss der Lake Powell gewesen sein, denn es war auf der Rückfahrt nach LA und meine Kreuz- und Querfahrt durch Arizona habe ich mit der Über­querung des Hoover-Damms begonnen und über den bin ich nur einmal gefahren.

Ich habe heute auch den ganzen Tag nach dem Hotel gesucht, in dem es diese Bratkartoffeln zum Frühstück gab. Ich bin mir 1000%-ig sicher, dass es ein Holi­day Inn war, aber im Netz passt kein Holiday Inn zu meiner Erinnerung. Und ich kann mich noch gut erinnern.

Na gut, kommt ja öfter vor, dass ein Hotel von Gruppe zu Gruppe weitergereicht wird. Vielleicht ist es jetzt ein Best Western. Jedenfalls hatte ich die Nacht vor den Bratkartoffeln durchgemacht. Erst in einer Art Riesen­scheune, wo bei mas­sig Bier Country live ertönte. Echt gute Musi­ker, von de­nen ich noch nie was gehört hatte. Mitten in der Nacht habe ich mich auf den Weg zurück nach Kali­fornien gemacht. Hunger. Frühstück. Den Hotel­schil­dern gefolgt bis zu einem Park­platz. Alles dunkel. OK, war noch vor Sonnenaufgang, eine eher unty­pische Zeit für Früh­stück. Als die ersten Sonnen­strahlen den langen Schatten meines Buick in den Mead-oder-Powell-Wurscht-See warfen, regte sich auch was im Hotel, dort wo ich die Küche vermutete. Nix wie hin.

ArizonaflagAn der Fensterfront des sonst men­schen­lee­ren Res­tau­rants stan­den gig­gelnd Wai­tres­sen rum, als sol­che leicht an­hand der brau­nen Schür­zen zu er­ken­nen. In Ari­zona ist ir­gend­wie al­les braun. Sogar der Stern in der Flag­ge. Sie nen­nen es Kupfer. Ist aber eines der 1000 Brauns von Arizona .

Auch auf der Speisekarte gab es Brauns: Hash Browns. Die mag nobody, sogar zum Früh­stück. Die Schweizer mögen mir vergeben, aber die ameri­kanischen Hash Browns schmecken mir bes­ser als Röstis. Und im Gegensatz zu Schwei­zer Röstis sind Hash Browns zum Früh­stück in Amiland nix Ungewöhn­liches. Also Hash Browns und Würstchen und Speck und Spie­gelei und und … Kaffee und Grapefruitsaft … hatte echt Hunger.

Die herzigen Mädels überließen mir ihre Fensterfront mit Blick auf den See und rissen sich darum, mir jeden Wunsch von der fettigen Unterlippe abzulesen. Und fettig war die … triefend … und das kam von den Hash Browns. Wie gesagt: die kannte ich, aber nicht so. Ich habe damals geglaubt, dass sich eine der Süßen selbst an dieser Kreation vergangen hätte, aber damit habe ich den Southern Belles Unrecht getan … OK, Arizona ist kein Dixieland, aber hübsch waren die schon. Sowas vergisst nobody sein Lebtag nie nicht 😎

Das waren hash browns southern style 😯 vorher
southash
nachher:
nachash
Hier das Rezept zur Verwandlung im Ofen, aber ich glaube, meine kamen trie­fend aus der Pfanne und genau so auf den Teller + höllisch scharf.

So war das mit den Bratkartoffeln zum Breakfast in America.

Und zum Dessert und als späten TV-Tipp gibt es tatsächlich

Vanilleeis und Pettingcoats