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André Mielke hat in der Berliner Zeitung einen herrlich launigen Kom­mentar zu den Nackten im Rat­haus von Köpenick verfasst, jenen zwei Akt­fotos von Wolf­gang Hiob, die in Köpenick einen reli­giösen (gibt es überhaupt einen an­de­ren) Bildersturm aus­gelöst haben. Die Akt­fotos waren Teil einer Ausstel­lung von 20 Foto­clubs aus Berlin und Branden­burg, die bis Ende April im Rathaus zu se­hen sind. Drei Wochen nach der Eröff­nung wurden zwei der rund 300 Fotos ab­ge­hängt, nämlich die beiden Nackten von Wolfgang Hiob. Hier eine davon
fairy-hiob
❤ lecker 😛 Die Obrigkeit, vertreten durch das Kulturamt, ließ sie entfernen – aus Rücksicht auf das Schamgefühl von Mitar­beiterinnen, wie es heißt. Und weil man religiöse Gefühle bei­spiels­weise von Muslimen nicht ver­letzen wolle (Berliner Zeitung). Viel­leicht lag es aber auch am Namen des Fotografen, der ja schon seit über über 4000 Jahren nix Gutes verspricht. André Mielke (in Aus­zügen):

    Seit dem Hauptmann von Köpenick ist dem Rathaus nichts Weltver­störendes mehr zuge­stoßen. Nun scheint die Leiterin des ört­lichen Kulturamts ent­schlos­sen, das Gebäu­de offen­siver zu ver­markten. Zu diesem Zweck – ein plau­siblerer fällt mir gerade nicht ein – ließ sie aus einer dort un­ter­ge­brach­ten Foto­aus­stellung zwei Aktauf­nahmen ent­fernen. Ihre offiziel­le Be­grün­dung lautete indes: „Es kommen viele Menschen mit Migra­tions­hintergrund in das Rathaus (z. B. wegen Einbür­gerung), deren reli­giöse Gefühle durch Akt­fotos nicht verletzt werden sollen.“
    Jene Expo­nate sind keine ex­pliziten Dar­stel­lungen irgendeines Glaubens­stif­ters oder gar seines gewiss ehrfurcht­gebietenden Gemächts. Sie zeigen ins­gesamt zwei weib­liche Körper, ebenso viele Brustwarzen sowie eine blick­dichte Scham­be­haarung, ROFLwas im Kon­text hie­siger Mode als züch­tige Par­ter­re-Ver­schleierung betrachtet werden darf. Die Auf­nahmen sind weder blas­phemisch, noch ver­stoßen sie gegen das von Heiko Maas geplante Ver­bot se­xis­tischer Wer­bung. Es geht dabei nicht um Glücks­spiel­re­klame. Die ge­zeig­ten Frau­en sind kei­ne Lust­ob­jek­te, son­dern all­seitig ent­wickel­te ka­pita­listische Per­sön­lich­kei­ten. Okay, das ist jetzt mei­ne Sicht. Ich kann nicht da­für ga­ran­tie­ren, was ande­re tun, wenn sie al­lein mit sich und sol­chen Fotos sind.
    Ein Glück: Die Bil­der und die von ihnen aus­gehende Gefahr wurden gebannt, be­vor es Verletzte gab. Zu­mindest soll sich nie­mand gemel­det ha­ben, des­sen Reli­gion mit den nackten Fak­ten kol­li­diert wäre. Der Kreis poten­zieller Opfer ist mit dem Wort Migrations­hintergrund leider unscharf beschrieben …
    Vorbeugen ist besser als heulen. Ebenso präventiv und aus interkul­tureller Sensibi­lität wurden 2013 einer Berliner Volks­hochschule sechs Aktge­mälde entnom­men. Römische Behörden verhüll­ten kürzlich antike Sta­tuen, um den iranischen Präsi­denten nicht zu trauma­tisieren. Bahnkunden sollten sich schon mal auf Durchsagen ein­stellen wie: „Aus Res­pekt vor reli­giösen Ri­tua­len verkehrt der ICE 940 am Freitag­mittag in umgekehrter Wagen­rei­hung“ …

Und da liegt das Problem! nobody versteht den Gag mit dem ICE 940 nicht. Ok, ich weiß, der fährt von Berlin nach Kölle und hier wie dort gibt es ’ne Menge Mus­li­me, aber was hat das mit der umgekehrter Wagenreihung zu tun? Das mir jetzt keiner mit a tergo kommt … so schlau war ich auch 😎
pc-kopp
PS: User Bob hat das Rätsel gelöst. Danke!
facepalm