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Das ist der gestern angedrohte 2. Teil von „Woher hatten sie die Idee„. Aus dem 1. Teil wissen wir bereits, dass der KGB mehr Filmmaterial von der ZDF-Doku “Machtmensch Putin“ hat als das ZDF selbst, denn Rossija 1 zeigt Roh­ma­terial, dass das ZDF gar nicht kennt. Hier noch­mal die Vesti1-Sendung vom 20. Dezember 2015 im Original:

Dass darin dem ZDF unbekanntes Material vorkommt, ist unstreitig (DW). Dass das Roh­material vom russischen Producer der Doku, Walerij Bobkow, kommt, ist eben­falls un­streitig. Zu 99,9% klar ist, dass das russische Fernsehen das Bobkow-Mate­rial vom KGB hat. Davon gehen auch Moritz Gathmann und Maxim Kireev (Max und Moritz) aus, die dem ZDF-Skan­dal auf den Grund gegan­gen sind. U­nklar ist nur, von wem der KGB das Rohmaterial bekommen hat:
rohbob

  1. Walerij Bobkow, der russische Producer (oben in einer Szene des un­be­kann­ten Roh­materials) oder
  2. Jurij Labyskin, der Laienschauspieler (unten)

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Wie könnte Labyskin an das Rohmaterial von Bobkow gekommen sein? Walerij Bobkow sagt, er habe es ihm gegeben, quasi als Souvenir an die Dreh­ar­bei­ten im Donbass. nobody glaubt das nicht, aber was nobody glaubt oder nicht, in­ter­es­siert keine Sau. Was sagen Max und Moritz dazu, denn die haben über ihre Re­cher­che diesen Artikel verfasst, die Geschichte von
Max_und_Moritz
oder wie man lernt, blind gebratene Hühner zu angeln:

    Für den Dokumentar­film Macht­mensch Putin hat sich das ZDF mög­licher­weise einen „falschen Separatisten“ unter­jubeln lassen. Die staat­lichen russischen Medien blasen den Fall als Beweis für die Propa­ganda des westlichen Fern­se­hens auf. Der journalist ist auf Spuren­suche gegangen – und hat den 27-Jäh­ri­gen Mann in Kalinin­grad getroffen.
    Moritz Gathmann und Maxim Kireev
    Plötzlich stülpten ihm die Männer einen Sack über den Kopf und drückten sein Gesicht zu Boden. Männer, die sich eben noch als Mit­arbeiter der rus­sischen Migra­tionsbehörde vorgestellt hatten. Jurij Labyskin spürte das Me­tall der Hand­schellen auf der Haut. „Nach einer kurzen Fahrt im Trans­por­ter saß ich dann in einem Raum, mir gegen­über ein Mann im Anzug mit Ka­me­ra, an der Wand ein Putin-Porträt.“ Dann dämmerte Jurij Labyskin, wo er ge­lan­det war: am Sowjetskij Prospekt 3, im Kaliningrader Regional­quartier des Ge­heim­diens­tes FSB. Es ist ein Tag im September 2015.
    Diese Erinnerung schildert der 27-jährige Jurij Labyskin im Januar 2016 im Ge­spräch mit dem journalist. Seit jenem Tag im vergangenen Septem­ber ist viel Zeit vergan­gen, aber noch immer kann der Russe nicht fas­sen, wie er in ei­nen sol­chen Schlamas­sel gera­ten ist. Schuld daran ist er selbst, schuld da­ran sind rus­sischer Geheim­dienst und rus­sisches Fern­sehen, schuld daran ist ein Producer namens Walerij Bobkow. Und auch das Zweite Deutsche Fern­se­hen ist daran nicht unschul­dig.
    Jenes ZDF haute kurz vor Weih­nachten auf die Pauke: In einer 45-minütigen Doku mit dem Titel Macht­mensch Putin bekommt der Zuschauer am 15. De­zem­ber Auf­nahmen eines böse und kalt drein­blickenden Wladimir Putin ge­bo­ten, unter­legt mit dramatischer Musik. Es ist ein Film, der sich scharf und kritisch mit Putin auseinan­dersetzt. Neue Er­kennt­nisse über Russ­lands Rol­le in Syrien oder in der Ost­ukraine hat der Film kaum zu bieten. Ja, Tau­sen­de russische Frei­wil­lige kämpften in der Ost­ukraine, dazu Zeit­soldaten und in schwierigen Situa­tionen auch reguläre russische Ein­heiten. Belegt ist das an anderer Stelle zuhauf: Journalisten fanden Gräber rus­sischer Sol­da­ten, die in der Ukra­ine gefal­len sind, die ukrai­nische Armee nahm rus­sische Soldaten in der Ost­ukraine gefangen. Die vier Autoren des ZDF-Films – An­net­te Harl­fin­ger, Caroline Reiher, Michael Renz und Diet­mar Schumann – prä­sen­tieren je­doch als Kron­zeugen einen jungen Mann, der ver­pixelt dar­ge­stellt und „Igor“ ge­nannt wird. „Igor“ berichtet über seine Zeit als freiwil­liger Kämpfer in der Ostukraine.
    Nach der ZDFAusstrahlung kurz vor Weihnachten kommt der Auftritt von Dmi­trij Kisseljow. Er gilt als Putins schärfster Propaganda­hund, der in seinem populären Wochen­rückblick jeden Sonntag­abend im Staats­fernsehen den Fa­schismus in der Ukra­ine geißelt, die Heu­chelei des Westens schmäht und den eigenen Präsidenten lob­preist. Ein „groß­artiges Bei­spiel des be­scheuer­ten In­for­ma­tions­kriegs“ habe sich das ZDF ge­leistet, so hebt er nur fünf Ta­ge nach dem ZDF-Film an: „Fäl­schungen, billige Spiel­filmszenen anstatt Doku­mentar­material und viel Lüge.“ Kisseljow schließt süf­fisant: „Die Deutschen können einem leidtun.“
    Es folgt ein Inter­view mit Jurij Labyskin aus Kaliningrad, der nun unverpixelte Igor. Labyskin, so ergibt sich daraus, ist nur ein armes, ar­beits­loses Würst­chen, ausgenutzt von den deutschen Meistern der an­ti­rus­si­schen Pro­pa­gan­da. Nie hat er im Donbass gekämpft, seine Story habe sich der ZDF-Producer Walerij Bobkow ausgedacht und ihm für die Film­aufnahmen im Donbass 50000 Rubel (damals fast 1.000 Euro) ver­spro­chen, er­zählt er nun. Dem ZDF-Jour­na­lis­ten Dietmar Schu­mann schließ­lich habe er nur das erzählt, was Bobkow ihm zuvor lange ein­ge­bläut habe. Garniert ist das Interview mit Auf­nahmen von den Dreh­arbei­ten im Donbass, die Bobkow dabei zeigen, wie er Labyskin Anweisun­gen gibt, etwa wie er richtig mit dem Maschinen­gewehr durchs Bild zu laufen habe.
    Die „Lügenpresse“Fraktion sieht sich bestätigt
    Die Mainzer widersprechen und veröffentlichen tags darauf Rohmaterial nebst deutscher Übersetzung: ein 38 Minuten langes Interview mit dem un­ver­pixel­ten Jurij Labyskin, aufge­nommen im ZDF-Studio Mos­kau am 21. Juli 2015. Was Labyskin da erzählt, wirkt über­zeugend. Nun steht Aus­sage gegen Aus­sage: Die Rus­sen behaupten, das ZDF bestreitet.
    FAZ, Stern, Süddeutsche und andere Medien berichten und lassen die Frage offen, wer im Recht ist: Hatte das ZDF sich womöglich reinlegen lassen? Die „Lügen­presse“Fraktion sieht sich bestätigt, bei vielen anderen bleibt zumin­dest ein mul­miges Gefühl.
    Es gibt zwei Sichtweisen auf diesen Fall, und in beiden Fällen steht das ZDF schlecht da.
    Zunächst die erste Variante: Labyskin hat dem ZDF gegenüber die Wahr­heit erzählt und war als freiwilliger Kämpfer im Donbass. Doch selbst dann bergen die wenigen Minuten Film über Labyskin mehrere Fehler und Unge­nauigkeiten. Schon in der Ein­führung zu Labyskins Auf­tritt leistet sich das ZDF einen Faux­pas. Da heißt es aus dem Off: „Putin bestrei­tet, dass seine Män­ner un­ter fal­scher Flag­ge operieren“, doch zur Illus­tration wird ein Panzer ge­zeigt, auf dem ein­deutig ukrai­nische Soldaten zu erkennen sind. Einer trägt sogar die ukrainische Flagge auf dem Arm.
    Der nächste Fehler passert nach der Ein­führung des russischen Kämpfers: „In Kali­ningrad mar­schiert Igor ins Rekrutierungs­büro für Frei­willige, das es nach den Aus­sagen der russischen Behörden gar nicht gibt“. Aber die Bilder dazu zeigen, wie Labyskin in eine of­fizielle Rekrutierungs­stelle der russischen Armee läuft.
    Im Interview mit ZDF-Journalist Schumann ist davon keine Rede: Labyskin lässt sich von einem Freund über Moskau und Rostow in den Donbass schleu­sen. Schu­mann erklärt das gegen­über dem journalist so: Bobkow habe ihm zuvor erzählt, dass es Labyskin zu­erst über die „of­fizielle“ Rekru­tierungs­stelle versucht habe und dann über seinen Freund. Fakt ist: Dafür hat das ZDF keinen Beleg.
    Darauf folgen im Film Bilder von Jurij Labyskin an der Seite einer jungen Frau mit Kind. „Neben Ruhm und Ehre für Mütterchen Russland locken 25.000 Ru­bel Sold im Monat. Für Igor genug, um Frau und Kind zurück­zulassen und in den Krieg zu ziehen“, heißt es aus dem Off. Die Aus­sage bezüglich des Sol­des ist im Inter­view gedeckt, der Rest falsch: Labyskin erklärt ledig­lich, in Donezk eine Freundin und ein Kind zu haben. Stimmt die Version aus dem In­ter­view, hat er diese Frau also erst ken­nen­gelernt, als er in den Krieg ge­zo­gen war. Robert Bachem, Leiter des Programm­bereichs ZDF-info, Gesell­schaft und Leben räumt ein, dass hier eine „klarere Formulierung“ wün­schens­wert gewesen wäre.
    Die zweite Sichtweise folgt zum Teil dem russischen Narrativ, und es gibt ei­ne Reihe von Indizien, die sie stützen: Womög­lich hat Labyskin nie im Don­bass gekämpft, zumin­dest aber hat Bobkow seine Geschichte „auf­ge­hübscht“, wie es im Fernsehjargon heißt. Stimmt diese Ver­sion, dann wäre es für das ZDF fatal.
    Dietmar Schumann, Jahr­gang 1951, ist ein alter Hase im Fernseh­ge­schäft: Zu DDR-Zeiten berich­tete er für den Deutschen Fernseh­funk (DFF) aus Mos­kau, Buda­pest, Jugo­slawien und Öster­reich, von 1998 bis 2003 war er ZDF-Korres­pondent in Moskau. Aus dieser Zeit kennt er Bobkow – und lässt nichts auf ihn kommen. Im ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin erzählt er, welche Coups Bobkow aufgrund seiner guten Kontakte in die russische Armee ermöglicht hat.
    Er brachte Schumann etwa mit einem russischen Armeehub­schrauber Ende 1999 in das gerade von den Russen bombardierte Grosny. Auch beim Un­ter­gang des U-Boots Kursk, ein Jahr später, sorgte er dafür, dass eine ZDF-Kamera auf ein Ret­tungs­schiff kam – exklusiv.
    Hält Schumann es für möglich, dass Bobkow ihn gelinkt hat? „Es gibt keinen Grund, an Bobkows Redlichkeit zu zweifeln“, antwortet der ZDF-Journalist. Allerdings irritiert ihn das Ver­halten Bobkows seit Kisseljows Attacke. „Wir können ihn telefonisch nicht mehr er­reichen. Nur hin und wieder ant­wortet er per Mail“, erzählt Schumann.
    Auf die Frage, woher das russische Fern­sehen das Roh­material von den Film­auf­nahmen im Donbass hat, über das nicht einmal das ZDF verfügt, erklärte Bobkow, dass sein Computer gehackt worden sei. Etwas später räumte er ein, Labyskin ein paar Video­files „zur Erin­nerung“ überlassen zu haben. Eine eides­stattliche Erklärung, die das ZDF gerne von Bobkow gehabt hätte, woll­te er mit Ver­weis auf einen Rat seines Anwalts nicht unter­schreiben. Er schreibt, dass er un­ter­ge­taucht sei, weil er fürchtet, vom In­lands­geheim­dienst FSB festge­nommen zu werden. Schumann ver­mutet, dass der FSB Labyskin in Kali­ningrad „umgedreht“ habe und ihm einen Deal angeboten hat: Er spielt mit im Pro­paganda­krieg, dafür bleibt er auf freiem Fuß.
    Damit zumindest liegt er richtig. Im Interview mit dem journalist erzählt La­bys­kin, wie der FSB ihn nach der Festnahme vor die Wahl stellte: ent­we­der bis zu 18 Jahre wegen Landes­verrats oder Zusammenarbeit. Das er­klärt, wa­rum das rus­sische Staats­fern­sehen den verpixel­ten Igor so schnell finden konnte und schon fünf Tage nach dem ZDF-Film zurück­schlug. Spä­tes­tens seit Septem­ber hatte der Geheim­dienst Labyskin unter Kontrol­le. Und der FSB lotste das Staats­fern­sehen zu Labyskin.
    Schumann will im Um­gang mit Labyskin keinen Fehler einge­ste­hen. „Ich bin ja extra nach Moskau gekommen, um ihn zu interviewen. Und das, was er im In­ter­view erzählte, klang sehr schlüssig.“
    Ein notorischer Lügner?
    Es klingt tatsächlich schlüssig: Labyskin berichtet en detail, in welchen Ba­tail­lonen und an welchen Orten er während seiner drei „Kampfaufenthalte“ in Donezk gekämpft hat. Der journalist fand zudem mehrere Bekannte La­bys­kins, die sich daran erin­nern, dass ihnen Labyskin im Juni 2015 von Kampfauf­ent­halten im Don­bass und sogar von Verletzun­gen erzählte. Dort gesehen hat ihn jedoch niemand. Ein guter Freund, der ihn kurz vor dessen Abreise zum Dreh in seiner Tischlerei angestellt hatte, bezeich­net Labyskins Erzäh­lungen als „Gewäsch“. Im Dezember 2014, als er laut Legen­de im Donbass kämpfte, habe er mit Labyskin Geburtstag in Kali­ningrad ge­feiert. Ist der ZDF-Separatist am Ende nur ein „notorischer Lügner“, wie ihn ein an­de­rer Freund nennt? Hat er vielleicht auch Bobkow ange­logen?
    Schon einige Details seiner Erzählungen im Rohmaterial des ZDF-Interviews stimmen nicht. Da ist etwa das Hauptquartier des Bataillons Sparta, in dem er gekämpft haben will: Das hatte seinen Sitz im Donezker Gebäude des ukrainischen Geheimdienstes und nicht, wie von ihm berichtet, im Polizei­haupt­quartier. Auch die Behauptung, er habe schon am 30. Mai seinen Dienst bei Sparta ange­treten, kann nicht stimmen: Erst im August wurde über­haupt die Existenz des Batail­lons bekannt. Im Inter­view berichtet er zudem von einer ehemals ukrainischen Armee­basis in der Nähe des Donezker Flug­hafens an der „Straße der 230. Schützen­division“, in der er statio­niert war. In Wirklich­keit ist diese Straße mehr als 20 Kilo­meter vom Flughafen ent­fernt, also am anderen Ende der Stadt. Gegenüber dem journalist gab Labyskin später an, dass Bobkow und er während der Drehar­beiten in dieser Straße gewohnt hätten. Ehe­malige ukrainische Kaser­nen gibt es dort nicht.
    Verdäch­tig ist auch Labyskins Ac­count im sozialen Netz­werk VK – das rus­sische Pen­dant zu Face­book. Nur ein einzi­ges Bild findet sich dort, das ihn in Militär­kluft zeigt: Gepostet wurde es am 27. Juni 2015 – also wäh­rend des Drehs mit Bobkow in Donezk. Das ist zumindest un­typisch: Denn die vielen tau­send Russen, die sich seit 2014 auf den Weg nach „Neu­russland“ mach­ten, um gegen die „Faschisten“ zu kämpfen, berich­ten gerade auf ihren VK-Seiten stolz und offen über ihre Helden­taten. Unter Labyskins Bild finden sich dagegen über­raschte Nach­fragen von Freunden.
    Der journalist fand auch die angebliche Donezker Frau von Labyskin: Dabei handelt es sich um die 18jährige Viola F. Ihr Kind bekam sie im August 2014. Im ZDF-Inter­view erklärte Labyskin aber, dass er erst Ende Mai 2014 in den Donbass kam – also schwer­lich der Vater sein kann. Viola F. stützt gegen­über dem journalist Labyskins Version: Sie habe ihn nur für die Dreh arbeiten kennen­gelernt und für die Aufnahmen 500 Rubel von Bobkow bekommen. Wei­te­res Material von den Dreh­arbeiten, die der journalist einsehen konnte, bestätigen das: Vor der Kamera spielen die beiden unbeholfen ein Paar, aus dem Off gibt Bobkow Anweisungen. Zumindest in diesem Fall scheint klar: Bobkow wollte die Geschich­te mit Frau und Kind „aufhübschen.“
    Das ZDF hat offensichtlich ein Problem, das einen Namen hat: Walerij Bob­kow. Frühere Moskauer Kollegen äußern sich über den 59-Jährigen ganz an­ders als Schumann. Alle räumen zwar seine guten Kon­takte zur russischen Armee ein. Aber der Mos­kauer Spiegel-Pro­ducer Wladimir Pyljow, der Bobkow aus seiner Zeit beim ZDF in Moskau kennt, beschreibt ihn als einen, der für Geld bereit ist, alles zu tun. „Er filmte einfach Frauen aus Dagestan und ver­kauf­te sie dann west­lichen Sendern als Gottes­kriegerinnen“, so Pyljow. Das deckt sich mit den Äußerungen anderer Kollegen.
    Das Moskauer ZDF-Büro hat seit Schumanns Weggang nicht mehr mit Bob­kow zu­sam­men­ge­ar­bei­tet. Unter anderem, weil Bobkow angeboten hatte, bei einer Schießübung russischer Neo­nazis zu filmen. Weder Schieß­übung noch Nazis waren echt, wie sich später heraus­stellte. Alle Anfragen des journalists per Telefon und Mail lässt Bobkow un­be­antwortet. Dabei müsste er nun Be­wei­se liefern, dass Labyskin tatsächlich im Donbass ge­kämpft hat. Für ihn dürfte der Fall das Ende seiner Kar riere als Producer sein. Für das ZDF ist der Fall ein kleines, viel­leicht ein großes Fiasko. Ein russischer Geheim­dienst­ler dagegen wird sich in nächster Zeit auf einen Orden freuen können.
    Dringende Fragen an Bobkow
    Robert Bachem betont, dass auch dem ZDF an einer Aufklärung gelegen sei. „Eine zen­trale Rolle dabei spielt natürlich Herr Bobkow“, so Bachem. Auch er habe dringen­de Fragen an ihn, auf die er aber keine Antwort von ihm be­kom­me. Leider könne man aber momen­tan nicht direkt und offen mit Bobkow kom­mu­nizieren. Labyskin dagegen sitzt im Januar in einer Pizzeria am Stadt­rand von Kalinin­grad. Es ist Nachmit­tag, und er kämpft mit Espresso und Bier ge­gen seinen Kater an. In einem Gemüse­lager, wo er derzeit arbeite, habe es gestern eine Betriebs­feier gege­ben. Ganz so penner­haft wie im rus­sischen Fern­sehen wirkt er jedoch nicht. „Natür­lich war der Bei­trag über­trieben“, er­klärt der 27-Jährige. „Die haben extra noch Müll in meine Woh­nung ge­bracht.“ An­sons­ten hält sich Labyskin weitgehend an die Version, die er dem rus­sischen Fern­sehen erzählt hat: Er, der seit dem Tod seiner Mutter vor vier Jahren ohne Familie lebt und sich mit Gelegen­heits­jobs durch­schlägt, war jung und brauchte das Geld. Deshalb ließ er sich auf Bobkows Angebot ein, fuhr in den Donbass und posierte vor der Kamera, in einem Film, von dem er nicht wusste, wofür Bobkow ihn verwenden will. Zusam­men gebracht hat­te die beiden ein gemeinsamer Bekann­ter, der auf der Baustelle von Bob­kows Haus in Kali­ningrad arbei­tete. Detail­reich erzählt Labyskin, wie Bobkow die Uniform besorgte, wie sie an einem Checkpoint filmten, wie und wo die Auf­nahmen mit seiner „Frau“ ent­standen. Aber was von seinen Erzählungen ist Wahrheit, was Lüge?
    Der Producer vergaß Labyskin auch nach dem Dreh nicht: Es war die Bau­stel­le von Bobkow, auf der der junge Russe mittlerweile jobbte, als der rus­si­sche Geheim­dienst ihn Wochen später ein­sammelte, um ihn für seinen Auf­tritt im Fern­sehen vorzubereiten. Nur eines weiß Jurij Labyskin heute sicher: „Wenn ich gewusst hätte, wie das alles endet, hätte ich nie im Leben zu­ge­sagt.“

Max und Moritz schreiben also: „Im Interview mit dem journalist erzählt La­bys­kin, wie der FSB ihn nach der Fest­nahme vor die Wahl stell­te: ent­weder bis zu 18 Ja­hre we­gen Lan­desver­rats oder Zusammen­arbeit. Das erklärt, warum das russische Staatsfernsehen den verpixelten Igor so schnell finden konnte und schon fünf Tage nach dem ZDF-Film zurückschlug.“

BULLSHIT! Das erklärt gar nix, wie auch der Bericht von Max und Moritz nicht das Wesentliche erklärt:

  1. Von wem hat der KGB das Rohmeterial?
  2. Woher hatten Max und Moritz die Idee?

Die Antwort auf die zweite Frage nach der Idee zur Recherche scheint einfach: Dmitrij Kisseljow. „Putins schärfster Propagandahund„, wie Max und Moritz ihn passend nennen, deckt wieder einmal einen deutschen Lügenpresse-Skan­dal auf und Max und Moritz machen sich auf die Socken und auf dem Grund, um dort nach der Wahrheit zu suchen. Na dann sind Max und Moritz ja voll aus­ge­lastet, denn von diesen Skandalen lesen wir täglich bei SPUTINI & Co. Und das für 2 Euro pro Klick auf den obigen Artikel in einer Zeitschrift, die ein paar hun­dert Journalisten lesen, der „Journalist„. Mühsam ernährt sich das Eich­hörn­chen :mrgreen:

Die Propagandaschnüffler finden den falschen Separatisten „Igor“ und die fal­sche Braut „Viola„, aber nicht den „falschenBobkow, obwohl sie im STERN-In­ter­view selbst das Stichwort „Luxemburg“ geben. Im kalten Königsberger Klops … nee Winter ist Bobkow aber auch gern mal in Cannes 😛 Der Typ ist ja nun wirklich kinderleicht zu finden und dann hätten Max und Moritz auch ihre „Dringenden Fragen an Bobkow“ persönlich stellen können.

nobody will jetzt keine VT draus machen, aber ich hätte da auch noch ein paar Fragen an Max und Moritz 🙄

Und von wem hat der KGB nun das Rohmaterial? Das ist die erste Frage und wirklich dringende Frage. Zu dieser Frage hat Bobkow mehrfach gelogen. Eine Lüge hat er sogar zugegeben. Computer gehackt 🙄Emblem_KGB

nobody weiß, dass der KGB jetzt FSB heißt, aber seit nobody in Moskau stundenlang vom KGB verhört wurde, habe ich so nostalgische Gefühle bei „KGB“ und deshalb wird es für mich immer der KGB bleiben, gelle Vladdie?!

Was mir auffällt: In ihrem Recherche-Bericht steht nix davon, dass Labyskin ge­sagt haben soll, er habe von Bobkow eine Kopie des Roh­mate­rials bekom­men. Das finden Sie im STERN-Inter­view, aber auch nur bei Max Kireev: „Labys­kin hat uns er­zählt, dass er von Bobkow eine Kopie des Roh­materials bekommen hat. Auf dem Weg aus der Ukraine nach Russ­land wurde er an der Grenze kon­trol­liert. Und auch in Mos­kau wurde er mehrere Stun­den lang von der Polizei fest­ge­halten und zu seinem Auf­enthalt in der Ukra­ine befragt. So wie er es er­zählt, war er auch mehrere Stunden lang von seinem privaten Gepäck ge­trennt.“ Moritz Gathman erzählt davon nix. Der STERN hat die Beiden, wie er schreibt, in Ein­zel­gesprächen „vernom­men“. Das ist ja schon mal ein guter An­satz, aber von Verhör­tech­nik hat der STERN kei­ne Ahnung, sonst wäre bei dem Punkt hinter­fotzig nachgehakt worden. Nach­haken hätte sich auch beim ZDF ge­lohnt über die Frage, wann Bobkow die PC-Hackstory gebracht hat und wann die Ge­schichte mit der Souvenir-Kopie für „Igor

Soll Ihnen nobody was sagen? Der Kireev fabuliert bei der im Gepäck gefundenen Rohmaterialkopie. Bobkow hat das Rohmaterial direkt nach dem Dreh beim KGB abgeliefert … wie üblich 😎