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nobody hat sich gedacht, vielleicht wird diese ellenlang-weilige Geschichte über Geschichte(n) und Religion(en) unterhaltsamer, wenn ich sie mit einem Märchen verknüpfe, der Geschichte vom „Tausendundzweiten Morgen“ … und mit sex and crime 🙄 Die Geschich­ten aus „Tausendundeine Nacht“ kennen Sie. Wenn nicht, hier meine Zu­sam­men­fas­sung, die ein bisschen von derjenigen abweicht, die Sie in der Wikipedia finden:
350-nielsen_1001

    Glaube den Frauen nicht,
    Trau ihren Schwüren nicht!
    Ihr Zorn und ihre Gunst
    Hängen an ihrer Brunst.
    Lieb zeigen sie zum Schein:
    Trug hüllt sie ganz und gar ein.
    Joseph nimm dir zur Lehr,
    Findst ihrer List immer mehr.
    Schon Vater Adam, schau,
    Ward verjagt wegen der Frau.
    (aus der Einleitung zur ersten Nacht)

    Schahriyâr, König eines Reiches zwischen Indien und China, lässt seine Frau töten, weil sie ihm Hörner aufgesetzt hat. Damit ist der Frauenhasser aber noch nicht zufrieden. Er befiehlt seinem Wesir, ihm jede Nacht eine frische Jungfrau zum Vernaschen ins Bett zu legen. Freiwillig ist dazu kein Mädel be­reit, weil nach der Liebesnacht der Tod auf die Entjungferte wartet.

    Anders ausgerechnet die Tochtes des Wesirs, Scheherazade, die von ihrem Papi natürlich verschont wurde. Scheherazade will die Frau des Kö­nigs wer­den, um das Mor­den zu be­en­den. Da­zu hat sie sich ei­nen Trick aus­ge­dacht, den Cliff­hanger. Sie er­zählt dem König je­de Nacht eine Ge­schich­te, die sie an der span­nendsten Stel­le unter­bricht. Der König will natürlich wissen, wie es weiter­geht und lässt Scheherazade am Morgen leben, damit sie weiter er­zählen kann.

    So geht das 1001 Nacht und erzählt wird in der Zeit auch nicht nur, wie man an den drei Kindern abzählen kann, die in diesen 2 Jahren und 9 Monaten ge­bo­ren wurden … die arme Scheherazade muss ja stän­dig kugelrund gewesen sein :mrgreen: Wie auch immer: Nach den 1001 Nächten ist der König end­lich da­von über zeugt, dass Schehera­zade ihn liebt und er hei­ra­tet sie wirk­lich. Und wenn sie nicht ge­stor­ben sind …

Die Illustration oben zeigt, wie sich Kay Nielsen 1918 den Heiratsantrag von Scheherazade vorgestellt hat. Ich habe mir erlaubt, den Jugendstil von Nielsen leicht zu verändern und dem Mädel etwas mehr Fülle zu verleihen. Hier das Ori­ginal.

Falls 1001 Nacht nicht in Ihrem Bücherregal steht: Kaufen! Diese Geschichten sind der Schlüssel zum Verständnis des Orients und, da die erste arabische Fas­sung in die frühen Jahre des Islam fiel, auch das „Sesam öffne dich“ für den Koran. Aber kau­fen Sie die richtige Ausgabe bzw. Über­setzung. Im Netz finden man die in­zwi­schen ge­mein­frei­en Versionen von Max Habicht und bein SPIEGEL (Gu­tenberg) die von Gus­tav Weil, littmann1001 aber nur die von Enno Litt­mann ist die gepfefferte, die nicht kas­trierte, nicht jugendfreie 😛 (Insel Verlag, ca. 50 Euro als Taschenbuch, 128 Euro gebunden).

Apropos kastriert: Hier ein Beispiel für den Unterschied zwi­schen Littmann und Weil … zuerst Weils kastrierte Ver­sion der 126. Nacht:

    Dalila ließ mir dann die Hände bin­den, setz­te ein kupfer­nes Pfänn­chen über das Feu­er, goß Schmalz hin­ein und eini­ge an­dere Sal­ben. Dann nahm sie ein Ra­sier­mes­ser und brach­te mir eine schwe­re Wun­de bei, brann­te sie mit ei­nem hei­ßen Ei­sen und legte ein blut­stil­len­des Pflas­ter da­rauf. Ich lag lan­ge in Ohn­macht, und als ich wie­der zu mir kam, war das Blut schon ge­stillt, aber ich war ver­stüm­melt. Als Dali­la mei­ne Au­gen of­fen sah, sag­te sie mir: »Nun kannst du wie­der zu dei­ner Gat­tin gehen oder zu wem du sonst willst; ich habe mei­ne Rache voll­bracht, packe dich jetzt fort und dan­ke dein Le­ben dei­ner Cou­sine.« Bei diesen Wor­ten gab sie mir einen Tritt mit dem Fuß; da ich aber nicht auf­stehen konn­te, ließ sie mich durch ihre Skla­vin­nen zur Tür hin­aus­tra­gen. Ich blieb eine Wei­le auf der Straße lie­gen, bis ich im­stande war aufzu­stehen, dann kroch ich ganz lang­sam zu mei­ner Frau, deren Haus­tür noch of­fen war. Ich fiel an der Tür hin, und mei­ne Frau kam her­aus und trug mich in den Saal. Da sie mich aber ver­stümmelt fand und wohl wuss­te, daß ich mei­nen Eid ge­bro­chen, ließ sie mich im Schla­fe weg­tra­gen. Als ich er­wachte, fand ich mich auf der Straße vor der Tür ih­res Gar­tens liegen.

Da fehlt was und das fin­den Sie bei Littmann:

    Danach trat sie wie­der auf mich zu, lös­te mir die Ho­sen und band ei­nen Strick um mei­ne Hoden; die Enden des Stricks nahm sie in die Hand, reich­te sie zwei Skla­vinnen und be­fahl ih­nen, da­ran zu zie­hen. Als sie das ta­ten, sank ich wie­der in Ohn­macht, und vor Über­mass der Schmer­zen war es mir, als ver­sän­ke ich in eine an­de­re Welt. Nun trat sie mit ei­nem schar­fen Ra­sier­mes­ser an mich her­an und schnitt mir das Glied ab, so dass ich nun­mehr wie ein Weib war. Dann brann­te sie mir die Wun­de mit dem sie­den­den Öl aus und rieb sie mit ei­nem Pul­ver ein … Und dann sprach sie zu mir: … Ich woll­te von dir nur das, was ich dir ab­ge­schnit­ten ha­be; jetzt brau­che ich nichts mehr von dir. Ich ha­be auch kei­ner­lei Ver­lan­gen mehr nach dir … Da­rauf gab sie mir ei­nen Tritt mit ih­rem Fusse 😯

Heavy, wat?! Richard Burton merkt in einer Fußnote seiner englischen Version zu dieser Stelle an, dass die Frauen der Fellachen sehr einfallsreich waren, wenn es um die Tötung ihrer Männer ging:

    The scene in the text has often been enacted in Egypt where a favourite feminine mode of murdering men is by beating and bruising the testicles. The Fellahs are exceeding ­ly clever in inven­ting methods of manslaughter. For some years bodies were found that bore no outer mark of violence, and only Frankish inquisitiveness discovered that the bar­rel of a pistol had been pas­sed up the anus and the weapon discharged inter­nally … AUTSCH!

Damals wusste Dalila noch, wie sie mit Aziz oder anderen 40 Räubern um­ge­hen muss­te. Deswegen richtet sich meine Kauf­empfehlung aus­drück­lich auch an mus­limische Frauen und Mädels, denen die Kennt­nisse und Fähig­keiten aus die­ser isla­mischen Epoche verloren gegangen sind.

Damals, das ist die Zeit der Kalifen von Bagdad, genauer gesagt die Zeit des vierten abbasidischen Kalifen Hārūn ar-Raschīd (786–809), der ja in den Ge­schich­ten aus 1001 Nacht auch mitspielt.
islamexpansion
Damals, das war schon die zweite Phase der Hochkultur einer damals noch jun­gen Religion, als auf die nach Westen (Spanien) ausgerichteten Umayyaden (bis 750) die nach Osten gerichteten Abbasiden folgten. Und im Osten, nämlich Indien, liegen auch die Ursprünge der Geschichten aus 1001 Nacht. Aber der Reihe nach.
adam_and_eve

    Er hat den Menschen aus Ton erschaffen, gleich einer Töpferware.
    55:14 Rassoul
    Wir erschufen den Menschen aus einem Samentropfen mit vielfältigen Elementen, dann prüften Wir ihn und gaben ihm Gehör und Augenlicht.
    76:2 Azhar
    Lies im Namen deines Herrn, Der erschuf.
    Er erschuf den Menschen aus einem Blutklumpen.
    96:1, 2 Rassoul

Bei Adam und Eva 😯 Nein und BTW: Eva wird im Koran gar nicht genannt, wohl aber nebenbei erwähnt:

    Und Allah gab euch Gattinnen aus euch selbst, und aus euren Gattinnen machte Er euch Söhne und Enkelkinder, und Er hat euch mit Gutem versorgt. Wollen sie da an Nichtiges glauben und Allahs Huld verleugnen?
    16:72 Rassoul

Dafür ist Adam nicht nur der erste Muslim, sondern sogar der erste Kalif, denn wenn es nach dem Propheten Mohammed geht, sind wir alle Muslime, von Ge­burt an, wir wis­sen es nur nicht 🙄

Auch die Sassaniden wussten noch nicht, dass sie Muslime sind, als sie im Ori­ent die ersten Ge­schich­ten aus 1001 Nacht hör­ten. Der Orient, das war aus Sicht des Neu­persischen Reiches Indien, der Ur­sprung dieser Mär­chen, die von den Sassaniden ange­rei­chert und an ihre ara­bi­schen Er­oberer weiter­gege­ben wur­den und in Indien haben spätere isla­mische Legen­den Adam auch vom Pa­radies auf die Erde her­ab­steigen lassen (dieses Märchen wur­de spä­ter nach Cey­lon ver­legt).

Während sich ProMo (Prophet Mohammed) noch mit der Er­obe­rung der ara­bi­schen Halb­insel be­gnügte, haben seine Nach­folger, die 4 rechtge­leiteten Kalifen (Abū Bakr, Umar ibn al-Chattāb, ʿUthmān ibn ʿAffān, Ali ibn Abi Talib) alle Nach­barn mit Krie­gen zu über­ziehen und zu unter­werfen, um ihnen die frohe Bot­schaft zu über­bringen, dass sie Mus­lime sind, vom heuti­gen Libyen bis zum Iran. Keine 20 Jahre nach ProMos Tod hatte sich Dār al-Islām, das Haus des Islam für die Umma versechsfacht.

Die größte Ausdehnung erreichte das Dār al-Islām 750 unter den Umayyaden, was aber gleichzeitig das Ende dieser Dynastie bedeutete. Schuld daran war Abu l-Abbas as-Saffah, der Blut­vergießer. Diesen Beinamen hat sich der Gründer der Dynas­tie der Abbasiden da­durch ver­dient, dass er die Ange­hörigen der Vor­gängerdynaste der Umayyaden gnaden­los ermorden ließ. Gleich­zeitig ist Abbas der Unterwerfer Transoxaniens, der Gebiete in Zentralasien, die bis heute mus­li­misch sind und bis zum Anfang des 8. Jahrhunderts unter chine­sischen bzw. mongolischen Einfluss standen.

Es war eine der Entscheidungsschlachten der Weltgeschichte, auch wenn wohl kaum jemand etwas im Geschichtsunterricht davon gehört haben dürfte. Im Juli 751 trafen bei der Stadt Taras im heutigen Kasachstan in der Schlacht am Fluss Talas an der Gren­ze zum heu­tigen Kir­gisis­tan die Heere des Ab­ba­si­den-Kali­fats un­ter General Ziyad ibn Salih auf die chine­sische Armee der Tang-Dynastie un­ter dem korea­nischen General Gao Xianzhi. Angeblich sollen nach den Geschichtsschreibungen 100.000 Chinesen auf 200.000 Araber getroffen sein. Aber das ist auch so ein Märchen. Historiker streichen jeweils eine Null. Gesichert hingegen ist, dass die Chinesen vernichtend geschlagen wurden und nur ca. 2000 von ihnen in die Heimat zurück­kehrten. Mit der Schlacht am Talas endete die Expansion der Chinesen nach Westen, aber gleich­zeitig war sie das Ende der Expansion des Islam nach Osten. Ein Patt, aber ei­nes, das sich für die Araber ge­lohnt hat, denn unter den chi­nesi­schen Gefan­genen waren Exper­ten für Pa­pier­herstellung. Billiges Papier statt teures Pergament, ein Meilenstein für die weitere schnelle Verbreitung des Korans.
Birmingham Koran
Oben sehen Sie die im Juli 2015 zufällig in der Univer­sität von Bir­mingham ent­decken bislang ältesten Fragmente des Korans, zwei Seiten, Teile von Sure 18 und 20, die nach der aller­dings sehr groben Radio­karbon­da­tierung zwi­schen 568 und 645, also fast noch zu ProMos Leb­zeiten, ent­standen sein sollen.

Anyway … es scheint mir kein Zufall zu sein, dass der Islam unter Hārūn ar-Raschīd seine Hochzeit hatte. Der war zwar auch wie die ande­ren bis­herigen Ka­li­fen Quraisch, genau­er ein Hashemit und über 1001 Ecke mit Mohammed verwandt, aber Hārūn ar-Raschīd war im frühe­ren Per­sien aufge­wachse­nen und erzo­gen worden. In die Zeit sei­nes Auf­tauchens in Bag­dad, der neuen Haupt­stadt der Umma, fallen auch die ersten Hin­weise auf die ara­bische Ver­sion vom „Büch mit Geschich­ten von Tausend Nächten„, wie auf den paar 1948 von Na­bia Abbott in Syrien entdeckten Seiten zu lesen ist.

Die Blütezeit des Islam darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Religion von Anfang an auf kriegerische Eroberung aus war. Darin unter­scheidet sich der Islam vom Juden- und Christentum, den beiden anderen großen mono­theis­ti­schen Reli­gionen, zu denen er sich gern in eine Reihe stellt. Die Kreuz­züge und erst recht die unter dem Deck­mantel der Mis­sionierung geführten im­pe­ri­alis­ti­schen Erobe­rungen z.B. in Süd­ame­rika haben lan­ge auf sich war­ten las­sen. Mo­ham­med hat­te sei­nen ers­ten An­fall … sorry Ein­fall 610 und 624 ging es mit sei­nen Krie­gen los und schon das Jahr davor ver­sorg­te sich sei­ne Ter­ror­bande mit Über­fal­len auf Kara­wanen, Oasen usw. Spä­ter kamen dann Mas­senhin­rich­tun­gen, Ent­füh­run­gen Ver­skla­vungen und an­de­re Ter­ror­akte da­zu … halt das auch heu­te noch geläu­fige Pro­gramm der Re­ligion des Frie­dens (hier eine be­ein­dru­cken­de Liste von Mohammeds Frei­zeit­be­schäf­tigungen).

    Doch bei Allah, ich will nicht eher fortziehen,
    als bis ich ihr geschmolzenes Blei in die Scheide gegossen
    und sie wie einen Vogel im Käfig eingeschlossen!
    Darauf will ich sie bei ihrem Schopfe fassen
    und am Tor von Konstantinopel kreuzigen lassen.

Nicht aus dem Koran, sondern aus der 105. von 1001 Nächten (Littmann).
Burka-blaues-Auge
Morgen kommt der zweite Teil 🙄 drei sollen es werden O_o

Hier finden Sie den zweiten Teil des Sermons.