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Vladimír Huněk (V.H.) hat für den gestrigen Montag seine Version der Story von den 350 Millionen Euro angekündigt. Er muss sein Versprechen wohl übers Wo­chen­ende vergessen haben. Also muss nobody der Tragödie letzten Teil ohne Huněks Märchen erzählen. Dabei stütze ich mich vor allem auf das, was zwei tschechische Historiker der Zeitung Lidovky erzählt haben, die sich bestens mit der Geschichte der Spionagegruppe Lindner/Bušek auskennen, zu der auch Helena Huňková, ihr späterer Ehemann Ladislav Husak und ihr Bruder Antonín Huňek gehörten. Aber das wissen Sie bereits aus „Die Spionin Helena„.
helena hunek
Ein Teil der bisherigen Spekulationen und Fragen z.B. aus „Schuh draus ma­chen“ können beantwortet werden; neue Fragen stellen sich.

Das Counter Intelligence Corps (CIC), die militärische Spionageabwehr der Amis, hat die aus der Tschechoslowakei geflohenen Karel Bušek und Ladislav Lindner im Frühjahr 1948 in einem Flüchtlingslager in Deutschland angeworben. Im Mai 1948 sind Lindner und Bušek illegal in die CSSR eingereist, um dort für den CIC Informationen zum Außenhandel, Militär und der Rüstungsindustrie der CSSR zu sammeln.

Beim Aufbau des Spionagenetzes haben sich Lindner/Bušek zunächst an Ver­wand­te und Freunde gehalten. Bušek warb seinen Cousin Ladislav Husak an
Ladislav Husak
der so aussah, nachdem ihn der tsche­chische Geheim­dienst ver­nom­men hat­te. Und Lindner warb u.a. Hele­na an, mit der er be­freundet war.

Nachdem die Spionagegruppe Lindner/Bušek 1949 aufgeflogen ist, kam es zu ei­nem Pro­zess, bei dem Lindner und Bušek zum Tode verurteilt wurden, eben­so der Bru­der von He­lena, Antonín Huňek, des­sen Ur­teil dann aber in lebens­läng­liche Haft um­gewandelt wurde. Auch Helena be­kam am 26. No­vem­ber 1949 Lebens­läng­lich, weil sie ihren Ar­beitgeber, die Firma Kovo, ausspioniert hatte.

Helenas Freundin Zdeňka M., die der Lidovky ausfindig machen konn­te, erin­nert sich: „Wir waren ein paar Kumpels und teilten uns eine Wohnung im Zentrum von Prag.“ Zdeňka M. er­innert sich auch an den Prozess, von dem sie sagt, dass er in einer auf­gehetzten Stim­mung statt­fand. Die Zuschau­er im voll be­setz­ten Gerichtssaal riefen dazwischen, dass Helena für ein paar Nylons die Re­pub­lik verraten habe und immer wieder „Hängt sie auf!

1960 wurden die überlebenden Mitglieder der Spionagegruppe Lindner/Bu­šek am­nes­tiert und Ladislav Husak heiratete im August 1961 Helena. Direkt nach dem Ein­marsch der Rus­sen, der den Prager Früh­ling been­dete, wan­derten Helena und Ladislav Husak in die Schweiz aus. Von Antonín Huňek, Hele­nas Bruder, ist im Lidovky-Ar­tikel zwar nicht die Rede, aber wenn Antonín auf diesem Foto
spione
(rechts) mit drauf ist, denn wird wohl auch er in Winterthur gelandet sein. Zu diesem Foto ein Bonmots am Rande: Es stammt von Hele­nas Freun­din Zdeňka M., die Okto­ber 1968 mit ihrem Ehe­mann in die Schweiz auswanderte und er­zählt: „Ich war froh, dass wir wie­der zusam­men sind.“ Lidovky kürzt Zdeňkas Nach­namen im Arti­kel konse­quent mit M. ab, um ihn dann in der Foto­strecke aus­zuschreiben 😛

Ladislav Husak hat sich, wie bereits berichtet, um die tschechische Kolonie in der Schweiz verdient gemacht, während Helena als Dolmetscherin bei Gericht arbeitete. Nach Ladislav Husaks Tod (1983) ist Helena zunächst in Winterthur geblieben, dann aber 1990 nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wieder in die Tschechoslowakei zurück­gekehrt. Dort leb­te sie in einer klei­nen Woh­nung und besuchte regel­mäßig ihre Freundin. Auch am 27. März 2005, als Helena beim Aus­steigen aus der Straßenbahn stürzte und auf der Stelle tot war.

Helenas Bruder Pavel erklärte damals gegenüber der Polizei, dass Helena Huň­ko­vá außer ihm (Pavel) und dessen Tochter keine Verwandten mehr habe. Wir erinnern uns: Schwager Antonín Huňek starb 1976 in Winterthur an Magenkrebs und Ehe­mann Ladislav Husak 1983. Die Ehe der Huňeks ist wohl kin­der­los ge­blie­ben. Wir erinnern uns ferner an das (gefälschte) Testament von „Tante“ Helena aus Bra­silien, mit dem Vladimír Huněk (V.H.) den Pepik Miloslav Ransdorf über­tölpelt haben soll.
test-vh
Darin ist von einem „Bruder Pavel Huněk, geb. 14.6.1930“ die Rede und von einer „Zdeňka Karásk“ (wahrscheinlich meint der Fälscher V.H. den geläu­figen Namen „Karásek“; den Nach­namen Machová 😳 von Zdeňka hat er wohl nicht gekannt). Vladimír Huněk muss also die Ver­hältnisse von „Tante“ Helena sehr gut gekannt haben. Nur über Helenas Finan­zen war V.H. nicht im Bilde. Zdeněka M. erklärt der Lidovky: „Ich kann mir nicht vorstellen, wo Helena die Mil­lionen her haben soll. Ein paar tausend Euro hat sie ihrem Bruder Pavel und ihrer Nichte vererbt.“

Helena Husákova-Huňkova wurde 2012 posthum vom tschechischen Ver­tei­digungsministerium für ihre Verdienste im „dritten Wider­stand“ geehrt: „Es war eine mu­tige und anständige Frau, die schon im zweiten Weltkrieg dem Wi­der­stand auf den Barrikaden half„.

Das ist Helenas wahre Geschichte und in dieser wahren Geschichte kommen kein Neffe Vladimír Huněk, kein Brasilien und keine Millionen vor.

Und wer ist nun Vladimír Huněk? Da kann nobody nur spekulieren. Huněk gibt es wie Sand am Meer in der Tschechei und auch in Polen. Da hat sich ein Be­rufs­kri­mineller mit zu­fällig gleichem Nachnamen als Leichenfledderer betätigt, um Deppen wie den Europa-Abgeordneten Miloslav Ransdorf aufs Kreuz zu legen. Wie das mit den gefälschten Kontoauszügen und Schreiben hätte funktionieren sollen, wird wohl ewig das Geheimnis von V.H. bleiben.