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    Kürzlich wurde mir klar, dass dies von Bedeutung ist. Nicht etwa, weil meine ei­ge­ne Erfahrung von Bedeutung wäre, sondern weil es heißt, dass die le­ben­di­ge Erinnerung der UdSSR wahrlich verblasst und das Wesen der UdSSR –ihre absonderliche Schreck­lichkeit, ihre Krimi­nalität, ihre Dummheit– immer schwieriger zu erklären wird. Das Gefühl, von Lügen um­geben zu sein; die im­mer gegen­wärtige Angst abgehört oder denun­ziert zu werden; die stän­di­ge, schrei­ende, nicht zu entrin­nende Propaganda; die Verdrossen­heit der Mas­sen in der Metro; die Er­inne­rungen an den massen­haften Terror knapp unter der Ober­fläche; die nütz­lichen Idio­ten und Krie­cher die das ganze noch unter­stützt ha­ben, sowohl in Russ­land als auch im Aus­land; all das ist jetzt ab­so­lut unmöglich zu vermitteln …
    Mir macht das erstaunlich schnelle Wiederaufleben eines feindlich gesinnten rus­sischen Staates Sorgen, eines, das von Männern geführt wird, die vom Sowjetstaat erzogen und ausgebildet wurden und da­her bereit sind, eine wohlbekannte Mi­schung aus Terror, Täu­schung und militärischer Gewalt an­zu­wenden, um an der Macht zu bleiben. Aber das Maß ihrer Aggres­sion steigt gera­de zu dem Zeitpunkt an, als unsere einst erheb­liche Fähig­keit, dieser ent­ge­gen­zutreten, gänz­lich ver­schwun­den zu sein scheint. Statt­des­sen haben wir ja schon Schwierig­keiten sie als das zu erkennen, was sie sind. Auf der ukra­inischen Halb­insel der Krim tauchten plötzlich “kleine grüne Männ­chen” auf, wie sie später genannt werden sollten. Ausge­rüstet mit Feuer­waffen, Uni­formen ohne Hoheits­zeichen tragend und Mi­li­tär­fahrzeuge ohne Nummern­schilder fahrend fingen sie an, syste­ma­tisch die Gebäu­de der Gebiets­verwal­tung und Fernseh­sender einzu­nehmen. In fast jeder größeren Stadt schie­nen lokale “Politiker”, von denen einige vorher An­führer krim­ineller Ban­den wa­ren, darauf vor­berei­tet gewesen zu sein, diese grü­nen Männ­chen will­kommen zu heißen, fast als ob sie vorge­warnt worden wären. Die west­liche Reak­tion darauf war Ver­wirrung, Erstaunen, Konsternierung. Was pas­sierte? War dies ein lokaler Aufstand? Ein Bürger­krieg? Waren diese unbe­kannten Männer Rus­sen oder von Russ­land? Waren sie Rus­sen von der Krim?
    Ich wusste genau, wer sie waren: rus­sische Spezial­ein­heiten. Ich wuss­te es, weil sie so aus­sahen, spra­chen und genau so vorgin­gen wie die sowje­tischen Spe­zial­einheiten, damals bekannt als das NKWD, die Po­len 1939 be­traten, die bal­tischen Staa­ten 1940 und dann ganz Ost­europa 1945. Wie ihre zeit­ge­nös­si­schen Nach­fah­ren trugen jene Trup­pen des sowje­tischen In­nen­ministeriums Uni­formen oh­ne Ho­heits­zeichen, oder manchmal pol­nische oder unga­rische Uniformen. Wie ihre zeit­ge­nössischen Nach­fahren behaup­teten sie auch, lokalen Kräften zu Hilfe zu kommen –unter­drückte Min­der­heiten, loka­le kom­mu­nistische Par­teien– die in manchen Fäl­len vor deren Ankunft nicht einmal existierten.
    Vladimir_Putin_in_KGB_uniformDaran war während der Sowjet­ära nichts unge­wöhn­liches. Wäh­rend der gesamten Zeit ihres Bestehens mar­schier­te die UdSSR nie in ein ande­res Land ein; nein, nein, sie kam ledig­lich unter­drück­ten Min­der­heiten oder verbrü­derten Grup­pen zu Hilfe. Aber sie ging nie­mals, ohne ihr ei­genes tota­litäres System aufzuerlegen, oder, wie in Afgha­nistan, ohne dies zu ver­suchen. Wenn das NKWD, spä­ter be­kannt als der KGB, die Gren­ze über­querte, nahm er immer mögliche Dis­siden­ten in Haft, über­nahm die Me­dien, schloss Vereine und Ver­bände, verstaat­lichte Unter­neh­men und schaffte die Angst und die Armut …
    Seit dem Überfall auf der Krim sind die Rus­sen unter Zuhil­fenahme der selben Taktik auf die Ostukraine vorgerückt. Im Zuge einer unver­hofften Wen­dung sind sie jetzt auch dem syrischen Kon­flikt beigetreten, um dem verbrüderten Assad­regime zu Hilfe zu kommen. Nicht nur die Ver­einigten Staaten, sondern den ganzen “Westen”, wie man ihn früher nann­te, ver­blüff­ten diese Züge, stürzte ihn sogar in ein strategi­sches Durch­ein­ander. Und das ist kein Wun­der. In dem Vier­teljahr­hundert seit dem Fall des Kommu­nismus haben wir verges­sen, wie ein zyni­sches, gewis­sen­loses, auto­ritäres rus­sisches Regime aus­sieht, insbe­son­dere eines mit einer küh­nen globalen Stra­tegie und abso­lut keinem Skru­pel, Men­schen­leben zu opfern. Lassen Sie es mich nochmal klarer sagen: Fast alle Männer, die ge­rade Russ­land regieren (und sie sind alle Männer), wurden vom KGB erzo­gen und aus­ge­bildet. Ihre Erzie­hung und Aus­bildung macht sich bemerkbar …
    Russ­land wird von Män­nern regiert, die tief mit dem sow­jetischen System ver­bunden sind, und dessen Zusam­men­bruch die erschüt­terndste und desorien­tierndste Erfah­rung in ihren Le­ben war. Im Gegen­satz dazu werden die meis­ten west­lichen Län­der von Män­nern und Frauen re­giert, die dachten, dass der Zu­sam­men­bruch der UdSSR be­deutete, dass sie alles end­lich hinter sich lassen und über etwas anderes nach­denken können …
    Denn die­jenigen, die jünger als 40 sind, erinnern sich nicht an die UdSSR, viele davon sind in Posi­tionen mit Macht und Auto­rität und Ein­fluss und nicht hin­reichend geneigt, diese Muster zu sehen. Weil sie sich nicht an den KGB erin­nern, sind sie nicht in der La­ge, die Taktik wieder zu erken­nen, die er in der Ver­gangen­heit be­nutzte. Und weil sie sich nicht da­ran erin­nern, wie wir den KGB unter­graben haben, sind sie noch nicht da­rauf vor­be­reitet, dem KGB Wider­stand zu leis­ten, der sich wie­der ein­mal dem Unter­gra­ben der Re­geln einer zivi­lisierten Welt widmet …
    Im Ausland argumentieren von Russland finan­zierte Fern­sehsender, Web­sei­ten und Internet­trollfabriken auf ähn­liche Wei­se in vie­len Spra­chen. Russ­land unter­stützt auch –in manchen Fällen finan­ziell, in anderen ideo­logisch– Po­li­tiker, Ge­schäfts­leute, Journa­lis­ten und “Ex­perten”, die ähn­liche Aus­sagen verbrei­ten. Un­ter ih­nen Marine le Pen, An­füh­rerin der Rechts­extre­men in Frank­reich; Gerhard Schrö­der, der ehe­malige Kanz­ler Deutsch­lands; Vaclav Klaus, der ehe­malige tschechische Präsi­dent, der jetzt einem Think­tank nahe steht, der von einem rus­sischen Oli­garchen gegrün­det wur­de. Mit­glie­der der un­ga­rischen und öster­reichischen rechts­extremen Par­teien sind auf die Krim gereist, um die rus­sische Besat­zung zu unter­stützen. Syriza, die links­extreme Par­tei in Griechen­land, hat ebenfalls weit­rei­chende Be­ziehungen zu Russland.
    Unechte For­schungs­institute, “Frie­densbe­wegungen”, fiktive poli­tische Grup­pen, nützliche Idioten, und gesteuerte Personen mit Einfluss, sowohl be­zahlt als auch unbe­zahlt… Das kennen wir auch alles.

Anne_Elizabeth_ApplebaumWas sie bis jetzt gelesen haben, das stammt nicht von nobody … so gut kann ich nicht schrei­ben. Geschrieben hat es Anne Applebaum, ein Auszug aus ihrem Artikel „Russia and the Great Forgetting„, den sie in deutscher Über­set­zung hier le­sen kön­nen. Noch­mal Dank an User ex­tra­dry, der mich am Mitt­woch da­rauf auf­merk­sam ge­macht hat.

Was Anne Applebaum geschrieben hat, das hät­te aber auch von mir stammen können, denn so wie sie Lenin­grad er­lebt hat, habe ich Mos­kau er­lebt und ich habe al­le von ihr geschil­derten Friedens­mis­sionen der Sowjets und Rus­sen er­lebt. Auch ich habe sof­ort gewusst, was das für grüne Männlein sind und sie am 28. Februar 2014 als GRU iden­tifiziert. Ein paar Tage später konnte ich sogar die Einheiten nennen.

Aber Selbstbeweihräucherung ist nicht der Grund dafür, dass ich Anne Apple­baums Gedanken hier aufgreife, sondern ihre Erwäh­nung der “Friedens­be­we­gungen”. Die waren im Kal­ten Krieg was ty­pisch Deutsches. Und sie ist es wie­der. Blind wie da­mals als nütz­li­che Idio­ten oder vom KGB be­zahl­te Pro­vo­ka­teu­re, tap­pen Deutsche in Mas­sen in die rus­sische Frie­dens­fal­le. Sie, die Idio­ten und die von der 5. Kolonne, sie kotzen mich alle an, weil sie ge­schichts­los oder nor­ma­le Ver­bre­cher sind, wie die „Ak­ti­vis­ten“ der „Frie­dens­be­we­gung„, die es doch tat­säch­lich ir­gend­wie ge­schafft hat, den Zu­sam­men­bruch der UdSSR und des War­schau­er Pak­tes und vor al­lem der DDR zu über­leben.

Es ist ein Dauerthema in meinem kleinen kosmos, aber es ist ja auch ein Dau­er­problem Deutschlands, nicht erst seit der Wie­der­vereinigung. Eine Zeit­lang habe ich ge­glaubt, mit den Jahren stirbt die DDR in den Köpfen der Ossis aus … das wächst sich aus. Aber ich habe mich ge­irrt. Die alten Ka­der vererben ihr Sow­jet-Gen wei­ter und er­ziehen den Nach­wuchs im Sin­ne von Bresch­new und Ho­necker, wenn wir Glück haben, wenn wir Pech ha­ben, im Sinne Sta­lins und Putins. Und wir ha­ben viel Pech.

Pech ist z.B., dass Josef Weber in der deutschen Wiki­pedia als „Frie­dens­ak­ti­vist“ be­zeichnet wird. Der Kre­felder Appell, den vier Mil­lionen nütz­liche Idio­ten un­ter­zeichnet haben, stammt aus seiner Feder … falsch! Er stamm­te aus der Fe­der der Stasi. Der Chef des MfS, Erich Mielke, hat­te die Idee, sich um die BRD-Frie­dens­be­we­gung zu „kümmern“ und so wurde diese kon­sequent un­ter­wan­dert.

Am 11.04.1977 hat der SPIEGEL noch entrüstet geschrieben: „Abrüs­tungs­ko­mitee: Nur jeder 20. ist Kommunist„. Heu­te wissen wir es besser, nachdem wir bei der ehemaligen Gauck-Behörde Einsicht hatten in die Stasi-Unterlagen. Heute wis­sen wir, wenn wir es wis­sen wollen, dass der Friedens­rat seit 1975 inner­halb der SED der ZK-Abtei­lung Auslands­information zugeordnet war, seit 1966 geleitet von Manfred Feist, Schwager von Erich Honecker.

Dieser DDR-Friedensrat hat die westdeutschen „Partner“ dafür bezahlt, in Deutschland für UN-Frieden zu sorgen. Der von der SED bezahlte Josef Weber war nicht nur beim Krefelder Forum die Strippen ziehende Kremlratte (seine Nach­folger waren Christoph Strässer von der SPD und Horst Trapp), sondern auch bei der DFU und anderen MfS-gelenkten Organisationen.

Viele von damals sind heute noch aktiv, z.B. Horst Trapp, der nicht nur beim Krefelder Forum und der DFU tätig war, son­dern auch beim KOFAZ, dem Ko­mi­tee für Frieden, Abrüstung und Zusam­menarbeit, das man ge­trost als Un­ter­ab­tei­lung der Stasi be­zeich­nen kann: IM „Super“ Professor Gerhard Kade, Achim Maske, Gunnar Matthiesen und wie die gan­zen un­ver­urteilten Lan­des­ver­räter alle heißen.

Auch den Friedensrat gibt es heute noch. Es nennt sich jetzt nur „Deutscher Friedensrat e.V.„. Im Vorstand u.a. VoPo-Oberst Ernst Woit aus Dres­den. Im Frie­dens­rat waren zeit­wei­se etwa 50 haupt­amt­li­che Mit­ar­bei­ter der Stasi tä­tig (zu­ständig bei der SED die ZK-Ab­teilung „Befreun­dete Par­tei­en und Or­ga­ni­sa­tio­nen“) und et­wa zehn in­of­fi­ziel­le Mit­ar­bei­ter (IM) der Staats­si­cher­heit. Dort wur­de auch der Slo­gan „Schwer­ter zu Pflug­scha­ren“ er­fun­den, den wir vor­ges­tern wie­der beim Reichs­depp Xavier Naidoo hö­ren durf­ten.

Andere Tarnorganisationen der Stasi haben die „Wende“ nicht überlebt, etwa der Pahl-Rugenstein-Verlag, von dem Maulwurf Werner Rügemer immer noch behauptet: ‚Der Pahl-Rugenstein Verlag war kein DKP- und DDR-Verlag‘. Aus die­ser Stasi-Tarn­firma ging übrigens auch „der Freitag“ von die­sem SPIEGEL-Bastard hervor.

Kann man alles nachlesen, wenn man es wissen will, z.B. bei Hubertus Knabe: „Die unter­wanderte Republik. Stasi im Westen“ Propyläen Verlag, Berlin 1999. 590 Seiten. Sieben Jahre hat sich Hubertus Knabe durch die Akten der Stasi gekämpft und dabei u.a. acht Bundes­tagsab­geordnete mit MfS-Kontakte enttarnt. Die Liste der als Informanten geführten Politiker reicht vom Berliner SDS-Sekretär Walter Barthel, seit 1958 IM „Kurt“, bis zum deutsch­land­po­li­ti­schen Sprecher der Grünen, Dirk Schneider, Decknamen IM „Ludwig“.

Neu ist die Idee der Unterwanderung der friedensbewegten Wahnmacher also nicht. Neu war sie schon bei der alten „Friedensbewegung“ nicht. Die Agitprop-Unterwanderung hat schon bei der 68er-Bewe­gung gut funktioniert, die aus­ge­löst wurde durch die Erschießung Benno Ohnesorgs. Erschossen wurde Oh­ne­sorg vom Westberliner Polizisten Karl-Heinz Kurras, seit 1955 IM „Otto Bohl“ der Stasi.

Na und?! Die DDR und das MfS gibt es doch nicht mehr. Also bei der DDR bin ich mir da nicht so ganz sicher, aber es gibt die Sowjetunion 2.0 und den KGB, des­sen ehemaliger Chef Vladimir Putin den Betrieb weiterführt und zu alter neuer Größe führen will … mit den alten Methoden, so wie er es gelernt hat.