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Kalkleiste Albrecht Müller ist nicht nur von Lieb, sondern auch schmerz­befreit. In „Apropos Sanktionen: Ein Blick auf Russlands Ressourcen“ lässt Müller den Alt-Stalinisten Kai Ehlers eine beispiellose Faschismus-Orgie jodeln.

„Theaterwissenschaftler“ Ehlers versucht sich zunächst als Hobbyhistoriker, der den russischen Phönix aus der Asche erklärt:soviet propaganda

    Dreimal versetzte diese strukturelle Autarkie Russ­land im Lauf der neueren Geschichte … bereits in die Lage, europäischen Ko­lo­ni­sie­rungsversuchen zu tro­tzen, sie zumindest zu über­stehen und ge­stärkt aus ihnen hervorzugehen: denen Napoleons 1812, denen der Deutschen Reichs­wehr 1917, denen Hitlers 1939. Heute ist es wieder so: Trotz Krise, trotz technischer Rück­stän­dig­kei­ten, trotz Dauer-Trans­formation seit Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts und bis heute schaffte es Russland zum Erstau­nen der Welt nicht nur zu überleben, sondern auch die­ses Mal wieder stärker aus der Krise hervorzugehen.

Geschickt … den Zusammenbruch der Sowjetunion gibt’s nicht, weil Russland ja immer schon irgendwie Russland war und die von Ehlers selbst erwähnte Smuta unter Jelzin nur ein Ausrutscher der zyklischen „russischen“ Geschichte.

Frei nach Marx/Engels/Lenin + bisschen Mao vollzieht sich diese russische Ge­schich­te laut Hobby-Politologen Ehlers so:

    Phase eins: Zusammenbruch nach langer Stabilität, Zerfall der herrschenden büro­kratischen Schicht, Stagnation. Phase zwei: Eintritt einer „verwirrten Zeit“, rus­sisch: Smuta. Phase drei: Wiederherstel­lung des Kon­senses in der herrschenden Schicht unter Hin­zunahme von einzelnen Elementen der eu­ro­pä­ischen/westlichen Wirtschafts- und Lebensweise auf neuem technisch-zivilisatorischem Niveau.

Für die Wiederherstellung des Konsenses ist natürlich Vladdie zuständig, der die russischen Trans­formation durch „die Effekti­vierung des büro­kra­ti­schen Ka­pi­ta­lis­mus auf privat­wirtschaftlicher Basis“ bewerkstelligt.

    Wladimir Putins Wirken und seine Auf­tritte spiegeln diese Tat­sachen: Nach innen ist das die Konsolidierung einer neuen herrschenden Schicht; Stich­worte dazu sind: Eine büro­kratische Zentra­li­sierung, eine Ausrichtung der Medien am natio­nalen Interes­se und eine Dis­zipli­nierung der Oligarchen. Dazu kommt eine – wenn auch durch den Ölpreis gestützte und von ihm ab­hän­gi­ge – soziale Befriedungs­politk gegen­über der werk­tätigen Bevölkerung.

Scheiße nur, dass das mit dem Ölpreis seit geraumer Zeit nicht mehr funzt. Aber das ficht Hobby-Ökonom Ehlers nicht an, der ver­schlafen hat, dass die USA in­zwischen Öl-autark sind („… während die frühere Neue Welt, die USA, sich im Versuch, ihren überhöhten Energie­bedarf zu decken und ihre Welt­herrschaft zu behaupten, in Kriege verstrickt …“)

Und wie wirkt Putin nach Außen für Ehlers? Durch „Njets„:

    Es folgte das erste Njet gegen die NATO-Erweiterung 2008 im sog. Geor­gi­schen Krieg, in dem Russland sich gegen die weitere Ausdehnung der NATO in die Ukraine und nach Georgien wandte; gegen­wärtig erleben wir die Ak­tua­li­sierung dieses Njet im verdeckten Ukrainischen Stell­vertreter­krieg zwi­schen EU/USA und Russland.

Hat jemand die Zahl der Toten, die PutinsNjets“ gekostet haben? Tsche­tschenien kann als Binnen-Njet weggelassen werden.

    Die Restauration des Staates unter Putin war der konsequente nächste Schritt, dessen Inhalt darin bestand und besteht, die nach-sowjetische gemein­wirtschaftliche Produktions- und Lebensweise unter Einbeziehung westlicher Impulse und nach dem Abstoßen inef­fektiver Ballaste im Lande wie an seinen Außen­bereichen auf einem neuen Niveau wieder funktionsfähig zu machen.

Auch über die „sowjetische gemeinwirtschaftliche Produktions- und Le­bens­weise“ lernen wir etwas bei Ehlers, die er „Enteignung der Bevölkerung von ihrer gewachsenen Gemeinschafts­tradition“ nennt und so erklärt:

    Gleichzeitig leitete er [Lenin] die Verstaatlichung der Landwirtschaft ein; Stalin setzte sie gewaltsam fort und verwandelte die kollektive Tradition des Landes zugleich in einen allgemeinen Zwangs­kollektivismus auf dem Lande wie in der Industrie. Wer sich weigerte oder angeblich im Wege stand, wurde deportiert und liquidiert. Aus dem agrarischen Despotismus des Zarentums wurde so ein planmäßiger industrieller Despotismus.

Ehlers: „Diese Kombination von Reichtum und extremer Här­te hat eine Kul­tur gemein­eigentümlich wirtschaftender Dörfer unter einheitlicher zentralistischer Führung hervorgebracht.“ So wie es auch heute wieder ist, möchte nobody an­merken.

Auch für Ehlers ist bei dieser russischen Transformation nicht alles perfekt ge­lau­fen, denn …

    Der Druck der Anpassung an die umgebende Welt war einfach zu groß, um ihn kana­lisieren zu können, die technische Revolution der neu entstehenden globalen Kommunikationsstruktur als Einwirkung von außen nicht – von heute aus gesehen: noch nicht – wieder beherrschbar. Mittel der Abschottung und Kontrolle der neuen Medien waren noch nicht zur Hand.

Aber Putins U-Boote sind ja schon unterwegs zu den Kabeln des WWW … das wird schon noch, Kai, keine Sorge.

    Russland kann sich diese Rolle leisten, weil es aus seiner Geschichte die dop­pelt begründete Autarkie mitbringt: die Unabhängigkeit in den natürlichen Res­sourcen und die Tradition der Eigen- und Selbstversorgung in der Be­völ­ke­rung, und autonomer Völker in einem übergreifenden zentralisierten Or­ga­nis­mus.

Lieber Herr Ehlers, Russland ist nicht einmal in der Lage sein eigenes Gas und Öl aus dem Boden zu holen. Das besorgen Schlumberger und Co. und die Ventile an den Pipelines kommen aus Deutschland, denn alle anderen frieren zu. So sieht sie aus, die russische Autarkie.