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Als Berufs-Ossi Holger Witzel, alias Hans Waal, am 10. November 2009, ganau zwanzig Jahre nach dem Mauerfall im STERN damit anfing, da war mir sofort klar, dass hier keiner versucht sich und seine Mit-Ossis auf die Schippe zu neh­men, sondern ein Indoktrinierter versucht sein Losertum aufzuarbeiten: Schrei­ben als Therapie. Die Rede ist von der später auch zum Buch „Heul doch, Wessi“ gewordenen STERN-„Kolumne“: Schnauze, Wessi! (die übrigen spärlich verbrämten nachtrauernden Abgesänge auf die Tätärä finden Sie hier, oder beim Buchhändler Ihres Vertrauens).

Fast sechs Jahre nach diesem Erstlingswerk hat der STERN den bisherigen Tief­punkt von Holger Witzels pseudowitzigem Schwachsinn am gestrigen 25. of­fi­ziellen Jahrestag der sogenannten Wiedervereinigung veröf­fentlicht, nicht mal in der Reihe „Schnauze, Wessi!„, sondern außer der Reihe unter „Arme Wessis! Deutschland ist komplett DDRisiert„:

    In der ehemaligen BRD – das muss man zu Einheits­jubiläen gelegentlich be­to­nen – war vor 1990 sicher auch nicht alles schlecht. Sogar bei uns, im dunk­len Teil Deutschlands, glaubte man, dort würden die meisten Menschen in Freiheit und Überfluss leben. Zumindest hielten wir den Blauen Bock dafür und reichten uns zerfledderte Quelle-Kataloge weiter. Wir staunten über ein scheinbar vielfältiges Parteiensystem, das in der Tagesschau den Wohlstand für alle verteilte. Und naiv, wie man eben war, dachten manche sogar, im freien Westen würden Dissidenten wie etwa der Bürgerrechtler Edward Snowden jederzeit und uneingeschränkt politisches Asyl genießen …

Ja, es stimmt, der Westen wurde nicht nur durch Merkel & Co. bereichert, son­dern auch mit säcksischem Gebräun und Kremlratten, die nobody wie Berufs-Ossi Holger Witzel Demokratie und Freiheit erklären wollen und in Wirklichkeit versuchen, doch als Sieger der Geschichte dazustehen.

Woher nehmen die das? Nun, bei Berufs-Ossi Holger Witzel ist der Grund da­für leicht gefunden. Er ist Leipziger und weil die Leipziger vor 26 Jahren be­gon­nen haben durch die Stadt zu latschen und „Wir sind das Volk“ zu brüllen, füh­len Sie sich noch heute basisdemokratisch und latschen und brüllen immer noch, nicht nur in Leipzig und Dresden, sondern auch in Freital und Heidenau, wo man auch nach 26 Jahren immer noch nicht begriffen hat, dass ein paar Hundert Krakeeler kein Volk ausmachen und Demonstration mit Demokratie nur den Anfang gemein hat. Für das Ende, das Regieren und Herrschen, muss man arbeiten.

Fast schon entwaffnend ehrlich schließt Berufs-Ossi Holger Witzel seine Wessi-Beschimpfung mit den Worten:

    Ostdeutschen wurde oft Verbitterung vorgeworfen, seit sie aus dem So­zia­lismus zurück in die Zukunft wollten und sich reprivatisiert im Feudalismus wiederfanden. Aber was sollen erst Westdeutsche sagen, seit auch bei ihnen nicht mal mehr offiziell von Freiheit die Rede ist, sondern der ostdeutsche Bundespräsident im Zusammenhang mit der NSA-Affäre nur noch das „Frei­heits­gefühl“ beschädigt sieht? Richtig – so viel haben sie in den letzten 25 Jahren jedenfalls auch gelernt: Vorsichtshalber nichts.

Erstaunlich, wie die ersten 20 Lebensjahre im „Sozialismus“ einen Menschen auf immer und ewig prägen können. Darauf fällt mir nur Holger Witzels fast eigener Buchtitel ein:
ossi