Schlagwörter

, , , , , ,

Eine etwas andere deutsche Geschichte
Wappen-DDR
Gestern, am offiziellen Wieder­ver­ei­ni­gungstag, habe ich mich zu­rück­ge­hal­ten, auch, weil ich mit dem 3. Ok­to­ber (1990) nix an­fangen kann. Für mich nur ein krummes Da­tum. Für mich beginnt die Wie­der­ver­ei­ni­gung mit der Mauer, dem Bau der Mauer. Jeden­falls dann, wenn man nicht bei Adam und Eva und der Stunde Null am 8. Mai 1945 anfangen will, als die Teilung begann.

Beschlossene Sache war die Teilung schon vorher. Nicht in Jalta oder Potsdam, sondern mit der Reichstagswahl vom 31. Juli 1932 wurde die deutsche Tei­lung eingeleitet, mit der Wahl Hitlers und seiner NSDAP. Was Hitler wollte, war jedem klar, der es wissen wollte und lesen konnte. Und damit war auch klar, dass Hitlers Pläne die versammelte Völkergemeinschaft auf den Plan rufen muss­te … früher oder später, der Teilung erster Teil. Es wurde später und davon war Hitler selbst überrascht. Dass man es ihm so einfach machen würde, hatte der GröFatzke nicht gedacht.

Der Kriegseintritt Russlands war vorgegeben, die Operation Barbarossa nur ein Folge des Hitler-Stalin-Pakts. Dass die USA lange still halten werden, war eine Erfahrung aus dem Ersten Weltkrieg. Dass die Allianz mit Sowjetrussland keine Verbrüderung war, das haben nur Dumme erst im Kalten Krieg gemerkt. Für alle anderen war absehbar, dass am Tag der Waffen­ruhe der Kampf um Europa zwischen den Sowjets und den Amis beginnen wird. Wenn Kriege so wie im WWII weltweit geführt werden können, dann muss man sich auch weltweit davor schützen. Die Hegemons haben ihre Imperien gegründet und die De­mar­ka­tions­linie verlief mitten durch Deutsch­land und Berlin. Der Teilung zweiter Teil.

Das war vielleicht im Sinne der Teheran-Erfinder, aber nicht im Sinne der Deutschen. Aus Trizonesien wurde die Bundesrepublik und dem setzte die UdSSR als Symbol einen neuen, zweiten Staat entgegen, die DDR. Der Teilung dritter Teil.

Die Unterschiede zwischen beiden Schlands waren so gravierend, dass viele Zweit-Deutsche vor ihrem irrealen Arbeiter- und Bauernstaat Reißaus nahmen. Die DDR drohte aus­zubluten, Ulbricht ein Walter Ohnevolk zu werden. Deshalb kam er auf die Absicht, keine Mauer bauen zu wollen. Der Teilung vierter Teil.

Ab diesem vierten Teil der Teilung hat nobody das bewusst miterlebt. Immerhin war ich am 13. August 1961 schon fast sieben Jahre alt. Wir waren aus den vergessenen noch weiter geteilten „Ostgebieten“ (aka Polen) riibergemacht und Omi hatte schon Fern­sehen. Vor dem saß dann die ganze Mischpoke und knab­berte sich die Finger­nägel bis zum Ellebogen ab: OMG, was wird aus dem Rest der Familien, die noch hinter dem frischen Eisernen Vorhang festhängen?

Nix, denn auch Mauer und Stacheldraht konnten die Menschen nicht davon ab­halten, die Freiheit zu finden. Für Sudeten, Schlesier und Ostpreußen war es ohnehin kaum problematischer geworden, auszureisen. Viele meiner Verwandten kamen auch nach dem Mauerbau ganz legal in den Westen. Für die Ossie war das unmöglich, wenn sie nicht das Glück hatten, ausgebürgert oder freigekauft zu werden.

Und dann kam Reagan … naja, eigentlich kamen zuerst die 15 Tage im Oktober 1962. Stalin war schon fast zehn Jahre tot und man glaubte das Schlimmste überwunden zu haben. Denkste Puppe … selbst ein so „Liberaler“ wie Chrusch­tschow spielte auf einmal verrückt und wollte den Amis Atom­raketen ohne Vor­warn­zeit in den kubanischen Vorgarten stellen.

Es wird zurzeit so viel darüber geblubbert, wie die Amis überall auf der Welt durch „bunte Revolutionen“ Systeme und Staaten destabilisieren. Der so­ge­nannte Revolutionsexport ist doch keine amerikanische Erfindung und China und Kuba haben nur dort weiter gemacht, wo Russland die Kontrolle verloren hatte. Der Revolutionsexport war doch fester Bestandteil der Leninschen Weltrevolution und als die von China und Kuba in alle Welt hinaus getragen wurde, dann mit Rubel und Kalaschnikows. Es wäre übertrieben von einer Chruschtschow-Doktrin zu sprechen, aber Nikita erkannte, dass der russische Machtbereich am ehesten in Lateinamerika ausgebaut werden kann. Über den CIA in Chile wird viel berichtet, über den KGB und die DDR nicht. Oder halten Sie es für einen Zufall, dass Margot Honecker nach dem Mauerfall in Chile gelandet ist? Nach Chruschtschow ging es den Russen zwar nicht mehr um die Welt­re­vo­lu­tion in Süd­amerika, aber alles was den Amis schaden konnte, das war will­kom­men.

Zürück zu Kennedy und Reagan und dem Ende der Teilung Deutschlands. Diese Entteilung ist Folge des Endes der Sowjetunion und damit des War­schauer Pak­tes. Die Irren glaubten doch tat­säch­lich mit der amerikanischen Hochrüstung schritthalten zu können. In den Sechzigern und Siebzigern hatten sie tat­säch­lich eine Zeitlang die Nase vorn, aber dann kam der Schau­spieler Reagan und bluffte den Russen was vom Krieg der Sterne vor, um gleichzeitig mit dem „Reich des Bösen“ über Abrüstung zu verhandeln. Das war der vermeintliche Lichtblick für die völlig abgewirtschaftete, abgesoffene Sowjetunion und Michail Gorbatschow wollte durch diesen Strohhalm wieder Luft holen.

Viel ist über die deutsche Geschichte der Wiedervereinigung ge­schrie­ben wor­den, gefühlt mehr noch, als über die deutsche Geschichte insgesamt. Aber wenn man viel über die Geschichte schreibt, dann werden daraus schnell Ge­schich­ten, Legenden und Märchen. Wie z.B. das Märchen von den fried­li­chen, in Leipzig beginnenden Revolution, die zum Fall der Mauer führte. BULLSHIT! An den Mauerfall hat kein Montagsdemonstrant gedacht oder geglaubt. Bestenfalls ging es um Reiseerleichterungen, die dann als Treppenwitz der Geschichte durch die Verwirrung eines Günter Schabowski und seinen berühmten Zettel …
zettel-Schabowski
… und die gestammelten, geflügelten Worte „Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich“ zum Mauerfall wurden … aber nicht von Os­ten, sondern von Westberlin aus. Es ware Wessis, die sich unten als Mauer­spech­te betätig­ten und es war West­berliner Polizei, die per Megaphon dazu aufforderte, das bleiben zu lassen, während die NVA oben auf der Mauerkrone stand …
mauerspechte
und von Osten VoPos versuchten Löcher zu spachteln. Ab dem 9. November 1989 gegen Mitternacht saß nobody mit verheulten Augen tage­lang vor der Glotze, ständig vor sich her murmelnd: „Dass ich das noch erleben darf.“
heulwessi
So geht nobodys Geschichte der deutschen Teilung und Entteilung und ich habe beides erlebt. Wenn ich dann gestern im STERN von einem indoktrinierten Berufs-Besser-Ossi Holger Witzel lesen musste

    Die Landsleute haben ihr altes „Sag-nein“-West­deutschland von Borchert und Böll erfolg­reich hinter sich gelassen. Wo 1981 noch 300.000 junge Leute im Bonner Hof­garten gegen den Nato-Dop­pel­be­schluss demonstrierten, gehen heute nur noch ein paar Pensio­näre der alten BRD-Nomen­kla­tu­ra spazieren. Der Rest hat sich in pri­va­te Ni­schen und Datschen zurück­ge­zo­gen und liest die Zeitschrift „Landlust“

dann kommen mir wieder die Tränen, Tränen der Wut. Ich war am 10. Oktober 1981 im Bonner Hofgarten. Ich war gegen die auf Ronald Reagan zurückgehende atomare Hochrüstung der NATO. Ich habe mich geirrt … nicht nobody allein, sondern alle 350.000 Friendesbewegten, die den Hofgarten zertrampelt haben, denn ohne dieses Pokerspiel wäre die Mauer nicht gefallen.

Ob das gut war, werden vielleicht die nächsten 25 Jahre deutsche Nach­mau­er­fall­ge­schichte zeigen, wenn die Ossis endlich Demokratie und Freiheit ver­stan­den haben, wenn ausgewachsen ist, was nicht zusammen gehört. Bis dahin wird nobody noch manche Träne verdrücken, aber nicht weil Holger Witzel sagt: Heul doch, Wessi.