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Warum pinselt nobody so viel über den Sinowjew-Club, wo der doch in den Medien keine Rolle spielt? Das hat mich zwar keiner gefragt, aber ich gebe trotzdem eine Antwort.
club
A tergo: Wenn hierzulande über den Sinowjew-Club nix zu lesen ist, dann des­halb, weil die hiesigen Medien die Bedeutung des Sinowjew-Clubs nicht er­kannt und/oder verstanden haben, sag ich mal ganz arrogant. Vielleicht liegt das ja daran, dass dieser Sinowjew-Club noch so jung ist. Ihn gibt es erst, seit es SPUTNIK News (aka SPUTINKI) gibt und SPUTINKI gibt es erst, seit es Rossija Sewodnja gibt, über das der österreichische Standard zutreffend titelte: Putin baut sich globa­les Medien­imperium. Unter dem Dach von Rossija Sewodnja (Russland Heute) wurden alle Medien gesammelt/ver­einigt, die nicht bis 3 auf russischen Bäumen waren. Aushängeschild von Rossija Sewodnja ist SPUTINKI. SPUTINKI sagt über sich selbst:

    Über uns
    Am 10. November wurde auf dem globalen Medienmarkt ein großes Projekt unter dem Marken­namen Sputnik gestartet.
    Sputnik zeigt den Weg zu einer multi­polaren Welt, die auf der Achtung der nationalen Inter­essen, Kultur, Geschichte und Traditionen eines jeden Landes aufgebaut ist.

Da isser wieder der „Multipol“ als Gegen­satz zum Unipol, aka USA. SPUTINKI sieht sich also nicht mehr als Nach­rich­ten­agen­tur, ob­wohl es aus RIA Novosti (deutsch) hervor­gegangen ist. Wäre auch seltsam in SPUTINKI eine Nach­rich­ten­agentur im Sinne von z.B. REUTERS zu sehen, wo doch der Content in allen Ländern bzw. Sprachen ein anderer ist. Ich vergleiche SPUTINKI mit der alten Tante BBC.

Angekündigt wurde der Sinowjew-Club am 27.10.2014, also genau zwei Wo­chen vor dem offiziellen Start von SPUTINKI, und zwar auf der französischen Ausgabe von RIA Nowurschti (heute über SPUTINKI franz. immer noch auf­ruf­bar). In Deutsch­land tauch­te der Sinowjew-Club erst am 01.04.2015 auf. Auf der franzö­sischen Seite von SPUTINKI spielt der Sinowjew-Club auch eine noch größere Rolle, als auf der deutschen. Ich habe mal ein paar SPUTINKI-Seiten nach dem Club durch­sucht. Hier das Ergebnis:
recherche

    Frankreich 34 * Treffer/Artikel
    Deutschland 26
    Englisch 20
    Italien 14
    Spanien 10
    China 1
    Polen 0
    Tschechien 0
    Türkei 0

Warum Frankreich? Das weiß ich auch nicht. Ich kann nur spekulieren, dass der Namensgeber Sinowjew in Frankreich noch recht populär ist und eine in Frank­reich nicht seltene Aus­legung marxistischer Dialektik vertrat. Jedenfalls verrät schon der Titel der französischen An­kündigung des Sinowjew-Club in ver­blüf­fen­der Of­fen­heit, um was es da­bei geht: „La Russie doit intensifier la con­fron­ta­tion médiatique avec les USA (ex-député européen)“ … um die Konfron­tation mit den west­lichen Medien. Zu diesem Zwecke wurde nicht nur Si­now­jew-Club ins Leben geru­fen, sondern SPUTINKI gegrün­det. Die Club-Mit­glie­der sind fast alle­samt Mit­arbeiter von Rossija Sewodnja und des­halb fasse ich den Sinowjew-Club als eine „Programmbeirat“ auf. Hier wird die of­fizielle Kreml-Linie phi­lo­so­phisch ver­packt und den ge­neigten Konsu­men­ten ins Aus­land ver­kauft. SPUTINKI rich­tet sich nach ei­genem Ver­ständ­nis ja nicht an die rus­sische Bevöl­ke­rung. Sicher ist nicht aus­zu­schließen, dass die geistigen Er­güsse des Sinow­jew-Clubs auch nach in­nen wirken, also Ein­fluss auf die inner-russi­sche Propa­ganda haben, aber das wä­re dann ein Abfall­produkt, nicht die Haupt­auf­ga­be des Sinowjew-Clubs.

Als Kind habe ich nächtelang fasziniert vor meinem alten polnischen Röh­ren­em­pfänger gehockt, der eine etwas andere Bandbreite als hiesige hatte, und die Mel­dungen von Radio Moskau (der Vorläufer der Stimme Russlands, die jetzt ebenfalls zu Rossija Sewodnja gehört) an die 5. Kolonne mit­ge­schrieben und versucht diese zu entschlüs­seln. Ich habe das in „Hört die Stimme Russ­lands!“ schon mal am 13. Mai 2014, also fast auf den Tag genau heute vor einem Jahr und damals gab es noch kein SPUTINKI. Damals, als klein Waldi Enigma spielen wollte, gab es noch kein Inter­net. Heute ist es leichter, die Daten an die 5. Kolon­ne durch­zugeben. Bei diesen Daten geht es nicht mehr um Spionage wie damals, oder auch Sabotage … nein, keine VT, auch das gab’s im Kalten Krieg uns zwar auf beiden Seiten … heute geht es um den Info-War. Die Info­krieger der 5. Kolonne wollen und müssen mit Argu­menten versort werden. Das ist die Aufgabe des Sinowjew-Clubs.

Zielgruppe des Sinowjew-Clubs sind dabei nicht die Vollpfosten aus Schorsch seiner Popogandaschau, oder die Honks von TELEPILLEPALLE, sondern die 5. Kolonne von der Alexender Dugin redet …

… die Teile westlicher Eliten/Intelligenz, die für Putin die nützlichen Idioten ab­ge­ben.

* Im Screenshot stehen 35 Resultate, aber ein Treffer hat nix mit dem Club zu tun.

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