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Es ist ja nicht so, dass nur im Westen schräge Think Tanks krude Gedanken fa­bri­zieren. Russland kann das auch und deshalb lässt auch Putin denken. Zur­zeit denkt gerade der Sinowjew-Klub, benannt nach dem russischen So­zio­lo­gen und ehemaligen Dissidenten Alexander Alexandrowitsch Sinowjew. Dieser Si­now­jew-Klub ist eine Veranstaltung von Rossiya Se­god­nya („Russland Heute“ – Россия Сегодня), deren Dachmarke die beliebte Propagandaschleuder Sputnik ist. SPUTNIK schreibt über den Sinowjew-Klub:

    Der Sinowjew-Klub ist ein Expertenforum bei der Medienholding Rossiya Se­god­nya. Benannt nach dem bekannten russischen Denker Alexander Si­now­jew, setzt sich der Klub das Ziel, mit fundierten Analysen und Kom­men­ta­ren ein gerechtes Russlandbild zu vermitteln.

Interessant ist, was und worüber die Denker des Sinowjew-Klubs tatsächlich nachdenken. Da geht es nämlich nicht (nur) darum, Russland besser aussehen zu lassen (als ob das überhaupt ginge :mrgreen: ), sondern u.a. Dmitri Kulikowum die Frage, was nach der Demokratie kommt, denn die west­li­che De­mo­kra­tie ist am Ende, kon­statiert Dmitri Kulikow (Bild rechts), und sin­niert auch gleich über unsere künf­tige „Demokratie 3.0„.

Bevor ich aus Dmitri Kulikows Demokratie-Gedanken zitiere, etwas zu seiner Person. Dmitri Kulikow ist Angestellter von Rossiya Segodnya und Abgeordneter der Duma für Putins Partei „Einiges Russland“ und Vor­sit­zen­der des Duma-Ausschusses für GUS-Angelegenheiten. Der Historiker gilt als der Duma-Experte in Sachen Ukraine. Auf ihn sollte man hören.

2006 hat Dmitri Kulikow einen Vortrag gehalten unter dem Titel: „Russland oh­ne die Ukraine, Ukraine ohne Russland„. Darin erklärt Dmitri Kulikow, dass es in der Ukraine nie eine pro-russische Elite gab, nicht einmal in der Ost­ukra­ine. Die Elite der Ukraine war immer prowestlich und die Oligarchen im Osten immer pro-ukrainisch. Wenn es überhaupt eine pro-russische Stadt in der Ukraine gab/ gibt, dann sei das Sewstopol, so Dmitri Kulikow. Schon 2006 beklagt Dmitri Kulikow, dass Putin gegen den Willen der Mehrheit versucht, in der Ostukraine eine Elite für die Unabhängigkeit zu installieren:

    Была попытка этой восточной части Украины, ее элиты, побороться за свою независимость и восстановить ее. То, что такая попытка была, – это во многом личная заслуга Януковича. Я думаю, что он еще пре­под­не­сет всем сюрпризы, насколько я его понимаю.

Spannend, nicht wahr. Nun zur Demokratie 3.0. die Dmitri Kulikow propagiert – und ich wähle den Begriff bewusst-:

    Die Anhänger der liberaldemokratischen Idee sowohl in Russland als auch im Westen diskutieren Möglichkeiten der Rückkehr zur Zensusdemokratie. Ihnen zufolge sollen über politische Rechte nur diejenigen verfügen, die es ver­die­nen. Das soll durch Vermögens- und Bildungskriterien bestimmt werden. Wenn Bürger Sozialhilfe vom Staat be­ziehen, sollen sie automatisch ihre poli­tischen Rechte verlieren. Das wichtigste Kriterium für den Zensus soll das für die anglo­sächsische Zivilisation heilige Vermögensrecht sein.
    Eine Alternative besteht umgekehrt darin, dass man für die Macht mit dem Verzicht auf Vermögensrecht und Reichtum zahlen soll. Wer regieren will, soll auf Vermögen und Bereicherung verzichten. Die Vermögenrechte sollen der demokratisch aufgebauten Regierungsklasse entzogen werden.
    Doch bei allen Szenarien sind sich alle Seiten darin einig, dass eine wahre Demokratie eine Machtform einer „speziell ausgewählten“ Minderheit ist, die nur innerhalb einer kleinen Macht­elite funktioniert. Dabei haben diejenigen, die von dieser Elite regiert werden, keine poli­tischen Rechte. Die moderne Demokratie ist ein Problem der europäischen Zivilisation und keine „Ideologie (als welt­liche Religion) des all­gemeinen Glücks“, wie das die Autoren des neuen „Weltkriegs um Demokratie“ zu zeigen versuchen.

Ein schlauer Mann, aber er hat von Demokratie keine Ahnung, weil er Freiheit nicht verstehen will.