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zinnsoldatIm Schlaf, wenn der restliche Mensch nicht viel zu tun hat, lässt er den Kopf arbeiten. Er träumt. Was er träumt, das weiß ich nicht. Am Ende meiner Traumzeit kann ich mich nicht an Geträumtes erinnern. Was sich beim Träumen in meinem Kopf abspielt, scheint ei­ne Art Defrag­mentierung der Festplatte zu sein, völlig unspektakulär. Die Tage aber war es anders, eine seltene Nacht, aus der ich Traumfetzen vor dem Verbleichen ins Be­wusst­sein retten konnte. Ein schöner Traum voll Tanz, eine wilde, aber stumme Mischung aus La Sylphide und Les Sylphides. Das Dreh­buch, die Cho­reo­graphie des Traums schien mich aus der Fer­ne die Tour­nee ei­ner Compagnie be­obachten zu lassen, wie vor dem Fernseher sitzend, was zeigt, wie un­realis­tisch der Traum war, weil es hier Ballett im TV nicht gibt.

Am Ende der Tournee fand ich mich auf einem kleinen ländlichen Bahnhof mit nur einem Gleis inmitten von Menschen wieder, die die Rückkehr der Prima Ballerina er­war­te­te. Diese entstieg dem Zug im Fouettentournant Tutu mit Krön­chen im blonden Haar und tanzte mit Fouetté en tournant direkt auf mich zu, er­schreckend klein, leicht und zer­brechlich. Meine Traumbraut war wirk­lich eine Sylphide, die meine Frage „Bist du wirklich so schön?“ mit ener­gischem Kopfnicken bejahte. Gerade als ich die­ses völlig unbe­kann­te Ge­sicht, das zu keinem mir be­kannten Menschen passen wollte, in beide Hände ge­nom­men hat­te, um es zu küssen, da hat mich meine übervolle Blase aus dem Traum ins Klo gerissen … ohne Scheiß 😦 Zurück im Bett habe ich noch einmal versucht, den gerissenen Traum­faden aufzunehmen … vergeb­lich. Aus­geträumt. Meine syl­phi­discheAlina Somova Traumbraut war vor der Traum­hochzeit gestorben und zu einer Wilis aus Giselle ge­wor­den, mit mir als „Stand­haf­tem Zinn­sol­da­ten„, den man ver­ges­sen hat ins Feu­er zu wer­fen. Selt­sam, dass es die­ses da­für prä­des­ti­nier­te Mär­chen von Hans Chris­tian An­der­sen nie ins Bal­lett ge­schafft hat. Ich ha­be heu­te rum­ge­googelt, wer wohl mei­ne Wilis sein könn­te, aber kein le­ben­des Vor­bild ge­fun­den. Alina Somova ist na­he dran, aber sie war es nicht, kei­ne aus dem Film „Ballerina“ (Uliana Lopatkina, Evguenya Obra­ztso­va, Alina Somova, Diana Vishneva, Svetlana Zakharova) …

… denn keine ist eine Assoluta.

Ich war schon ewig nicht mehr im Ballett und meine Googlelei hat auch kein weißes Ballett gefunden, das mich reizt. Schön, dass sie wenigstens im Traum getanzt hat.