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Diesen Artikel wollte ich erst posten, nachdem der Film fertig ist, aber es gibt da ein Problem. Der Videohoster Dailymotion in Frankreich akzeptiert zwar die Größe der Datei, erkennt aber die Copyscheiß-Verletzung. Vimeo in den USA erlaubt den Film, akzeptiert aber nur Dateien bis 500 MB und meine Auf­zeich­nung von „Heute trage ich Rock!“ ist größer. Aber keine Sorge, das Problem werde ich noch irgendwie lösen und bis dahin vertröste ich Sie (am Ende 🙄 ) mit einer Version des Films auf VEOH, die zwar grottenschlecht ist, aber besser als nix. Soweit der Vorrede, nun zum eigent­lichen Gelaber.
Heute trage ich Rock
Letzten Montag habe ich von einem französischen Lehrer die flehenden Worte gehört: „Lasst uns mit denen nicht allein!“ Dieser Leh­rer berich­tete, was ihm wider­fahren ist, als er in seiner Schule die landesweite Schweigeminute für die Opfer des Paris-Terrors des An­schlages auf Charlie Hebdo abhalten wollte. Sei­ne Klas­se hat sich geweigert, die Schüler sind nicht aufgestanden, um der To­ten zu geden­ken. Das war Grund für den Lehrer, dieses Ver­halten mit seinen Schü­lern zu diskutieren. Er versuch­te in der Dis­kus­sion klar zu machen, dass es ihm bei der Schweige­minute nicht so sehr um Charlie Hebdo geht, sondern um die Mei­nungs- und Presse­freiheit als Teil der Demokratie. Demokratie, das sei nur eine Er­findung des Westens, um die Muslime zu unterdrücken, war der Stand­punkt der Schüler. Seine Schüler sind fast ausschließlich Muslime und die wenigen Aus­nahmen hatten keinen Mut gegen die Muslime zu opponieren. Die­ses Er­leb­nis und die weiteren Meinungs­äußerungen seiner Schüler führten dann zu der Bitte, dem Hilferuf des Lehrers, ihn nicht mit diesen Schülern alleine zu lassen.

Ich war nicht dabei, aber ich glaube dem Lehrer, denn eine Klasse bzw. Schule ist kein Einzel­fall. Die französischen Medien waren in den vergangenen Tagen voll von entsprechenden Berichten und heu­te hat das sogar die deutsche FAZ thematisiert und schreibt:

    … Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem, die selbst aus Marokko stammt, beschwich­tigt nicht länger. Die vergiftete Atmos­phäre in vielen Klas­sen­zim­mern be­schreibt sie als ernste Heraus­for­derung. „Die Zwi­schen­fälle sind zahl­reich und schwer­wiegend. Einige ent­sprechen dem Straf­tatbestand der Ter­ror­is­mus­ver­herrlichung. Das werden wir nicht durch­gehen lassen“, sag­te Val­laud-Belkacem in der Nationalversammlung.
    Die offizielle Bilanz wurde von 70 auf mehr als 200 Zwischenfälle korrigiert. Vermutlich hat es noch viel mehr Unruhe gegeben, aber viele Schul­direk­toren zögern, Kon­flikte an ihre Hierar­chie zu melden. Sie wollen nicht, dass ihre Schule in Ver­ruf gerät oder ihre Arbeit negativ bewertet wird. Die Zeitung „Le Parisien“ zitiert am Donners­tag aus einem Po­lizei­bericht, in dem ein Teil der Zwi­schen­fälle doku­mentiert sind. In Tou­louse haben Schüler der 8. Klas­se (4°) während der Schweigeminute für die Opfer der Terroris­ten die alge­rische Na­tional­hymne angestimmt.
    Am Montag, als ich den Lehrer gehört habe, war noch von 60 Schule die Re­de, in denen ver­gleichbares passiert ist, heute sind es schon über 200 do­ku­men­tierte Fäl­le und alle sind sich sicher, dass die Dunkel­ziffer weit höher ist.
    In Dreux bei Paris boykottierten 60 Schüler die Gedenk­zeremonie. Sie ver­lang­ten eine Schweigeminute „für Palästina“. Ihre Familien sind den Ord­nungs­kräf­ten als Be­sucher einer sala­fistischen Moschee bekannt. In der zum Schul­bezirk der Sozialwohn­bau­siedlung La Grande-Borne zu­gehörigen Schule ertön­ten wäh­rend der Schwei­geminute „Allahu Akbar“-Rufe. Der Ter­rorist Amedy Cou­libaly wuchs in diesem Hoch­haus­vier­tel bei Paris auf. In Vichy fiel ein Schü­ler auf, weil er seinen Klassen­kameraden mit weiteren An­schlä­gen drohte. Sie seien „Drecks­fran­zosen“ und würden alle ster­ben, sag­te er laut Polizei­bericht.
    In Pamiers im ländlichen Süd­westen drohte eine Schülerin einer Auf­seherin, die sie im Pausenhof getadelt hatte: „Ich warte auf die Muslime, die mit ihrer Kalasch­nikow kom­men. Pass nur auf, auch für dich wird eine Kalasch’ kom­men.“ In Nantes ris­sen vier mus­limische Schüler die Pla­kate mit der Auf­schrift „Je suis Charlie“ im Schulge­bäu­de ab. „Solche Plaka­te dul­den wir nicht“, sag­te ei­ner der Schü­ler dem Rek­tor. Eine Leh­rerin in Rueil-Mal­mai­son bei Paris mel­dete, ein Schü­ler habe ihr ge­sagt: „Sie hät­ten alle Journa­lis­ten bei ,Char­lie Hebdo‘ um­legen sollen.“
    Die Stim­mung ist so aufge­heizt, dass es auch zu Aus­ein­ander­setzun­gen zwi­schen Schülern kommt. „Le Figaro“ schreibt, dass eine Grup­pe von Ju­gend­li­chen von einer Berufs­schu­le in Senlis auf Schü­ler des be­nach­bar­ten Gymna­si­ums mit dem Kampf­schrei „Wir le­gen noch mehr ,Charlie Hebdos‘ um“ zu­stürm­te und die­se zu verprü­geln ver­such­te. Die Staats­an­walt­schaft er­mit­telt. Ins­ge­samt 37 Verfahren wegen „Terroris­musver­herrlichung“ und 17 Ver­fah­ren we­gen An­dro­hung von Gewalt an der Schule beschäf­tigen seit ver­gangenen Don­ners­tag die Justiz …

Michel Houellebecq Roman „Soumission“ (Unterwerfung) ist wahr­scheinlich nur eine Vision, wie viele seiner Romane, eine lausige dazu, und „Soumission“ ist Fiktion. „Heute trage ich Rock!„, ein Film, schon öfter gepinselt habe“>über den ich hier bereits mehrfach gepinselt habe ist weder Vision noch Fik­tion, sondern längst täg­liche Rea­lität in der Jugend-Gesellschaft Frankreichs, wenn auch nicht mit so drama­tischen Aus­gang. Schon vor Jahren hat „Heute trage ich Rock!“ gezeigt, wohin die Reise geht, wenn eine Ge­sell­schaft ohne Inte­gration überfremdet. Ohne Integration … in Frank­reich? Da werden viele wider­sprechen, nicht nur Fran­zosen, aber ich behaupte, die kennen Frank­reich nicht so, wie ich es ken­nengelernt habe. Nicht nur in den Ban­lieus von Paris und anderer Groß­städte, son­dern auch auf den plat­ten Land, in der Pro­vinz, ist die Ab­gren­zung der „aufnehmenden“ Gesellschaft gren­zen­los. El­tern fahren ihre Kinder kilo­meter­weit, um sie nicht in eine islam-dominierte Schule schicken zu müs­sen … regelrechte Fahr­gemeinschaften, private Bus­linien werden or­ga­ni­siert.

Nun könnte man beruhigt sein, dass wir in Deutschland es so nie bekommen werden, weil Deutschland keine Kolonialmacht wie Frankreich war. Aber es geht nicht um Deutsch­land, es geht um Europa. Europa kann sich das nicht leisten. Alle europäischen Länder brauchen Ein­wan­derung, Deutsch­land mit seinem De­mo­grafie-Problem am aller­meisten, aber die zuwandernden Men­schen müssen sich assi­milieren. Inte­gration ist zu wenig. Die Schüler, von denen heute in der FAZ die Rede ist, sind seit Gene­rationen Franzosen, sollten es zu­mindest sein und entfernen sich doch immer mehr und immer schneller von Frankreich (und Europa), als es je jemand für möglich gehalten hat. Nein, nicht die Schü­ler, sondern die muslimischen Kinder und Jugend­lichen. Ich habe mich vor Kurzem mit einer jungen Vietnamesin unterhalten, deren Eltern als Boatpeople nach Frankreich kamen … mein lieber Scholli … wenn ich das hier schreiben würde, was die junge Dame über ihre Altersgenossen aus dem Maghreb vom Stapel gelassen hat, dann wäre mir die An­zeige wegen „Volksverhetzung“ sicher.

Ich will sie jetzt nicht weiter zutexten und auf die Folter spannen und wünsche viel Unbehagen bei „Heute trage ich Rock!“ (öffnet ein neues Fenster; ich empfehle Firefox)

rockPS: ARTE zeigt „Heute trage ich Rock!“ ab und an in un­regelmäßigen Ab­ständen, hat den Film sogar im franzö­sischen Original noch be­vor er in die Kinos kam, ausge­strahlt (rechts das fran­zösische Film­plakat), aber es ist nicht damit zu rech­nen, dass die­ser poli­tisch völlig un­korrekte Strei­fen in dieser blei­ernen Zeit er­neut über die Matt­scheiben flimmert; wir wol­len doch die Situa­tion nicht weiter auf­hei­zen, wo doch der Is­lam ge­ra­de ganz of­fi­zi­ell an­fängt zu Deutsch­land zu ge­hö­ren. BTW: Die Haupt­dar­stel­lerin Isabelle Adjani hatte mit „Heute trage ich Rock!“ ihr ganz un­ver­hoff­tes Come­back und kei­ne hätte die Problema­tik des Films, ja Frank­reichs und ganz Europas besser ver­kör­pern können als sie. Ich Vater war Al­ge­rier und ihre Mut­ter eine Deutsche und gebo­ren wurde Isa­belle im 17e ar­rondis­sement von Paris. Isabelle ist ja mit den Jah­ren etwas pummelig geworden … sich kocht halt nicht nur gut 😛 aber ich fin­de, es steht ihr gut. In jun­gen Jahren war sie der Typ von Frau, bei dem mir das Mes­ser in der Hose auf­geht 😎 Sie müssen Isabelle unbedingt in „Ein mörderischer Sommer“ gesehen haben ❤ ❤ ❤
mordsommer

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