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Das hier sollte Teil von „Nicht weinen“ werden, meiner hommesage an die Frau­en. Nicht irgendwelche Frauen, sondern die Frauen, die mir über das Leben ge­lau­fen sind … also eher eine Abrechnung. Aber „Nicht weinen“ ist nicht pünkt­lich fertig geworden und pünkt­lich ist heute, denn heute ist dein Geburtstag. Ist vielleicht auch besser so, denn in dem elleslangen Text von „Nicht weinen“ wäre das hier wahrscheinlich untergegangen und niemand hätte bemerkt, dass es für dich bestimmt ist. Woher ich die Zuversicht nehme, dass du das hier zu Gesicht bekommen wirst, ohne dass ich dich mit deiner Nase darauf stupse? Weil wir uns schon einmal auf dieser Erde getroffen haben und seit dem ist die Erde nicht größer geworden. Ein Beweis für dieses Schicksal: Ich bin in Wes­se­ling gelandet und du bist damals nach Weßling gezogen und wir haben uns nicht abgestimmt, sondern Jahre nichts voneinander gehört.

Warum gerade DU? Wie gesagt, du bist mir über das Leben gelaufen, bist eine Frau und hast auf diesem Weg tiefe Spuren hin­ter­lassen, unglaublich tiefe für so ein kleines Leichtgewicht.
Kim-B
Nicht nur unglaublich, sondern auch un­ver­ständ­lich für alle Männer, die nie das Glück hatten leibhaftig einem Schlaganfall zu be­geg­nen, im wahren Leben, nicht nur auf der Leinwand, wie Richard Gere dem heart­stop­per begegnet ist. Das werden jetzt nicht viele verstehen, oder an Julia Roberts in „Pretty Woman“ denken, aber die isses nicht sondern die gnadenlos schöne Kim Basinger in „No Mercy„, über Eddie Jillette sagt:


I don’t see any heartstoppers in here. Most of these broads still got the prime tag hanging from their nose.

Zwei Schlaganfälle waren es, du und Moira. Ich fange mit Moira an, der kleinen schottischen Chinesin. Als Moira mir ihren Namen verraten hat, da habe ich den zuerst nicht verstanden, denn chinesisch klingt das nicht und Moira war Chi­ne­sin und es war auch in China und dort erwartet man doch eher so etwas wie „Li“ 😛 versteinerter-waldAber Moira war, genauso wie ich, nur Tourist in China, genau ge­nom­men im „Versteinerten Wald“ bei Kunming. Dort la­gen ihre Wurzeln, nicht in Glasgow, denn ihre Eltern waren Tai, eine kleine ethnische Minderheit an der Gren­ze zu Vietnam.

Tai„, das heißt so was ähnliches wie „Mensch„, schöne Menschen mit wun­der­schönen Gesichtern und Moiras Gesicht war schön bis zum Schlaganfall. Das ist nicht nur mir aufgefallen, aber der normale Mensch hat genug Scham, um ein Gesicht nicht ewig anzustarren. Ich nicht! Wenn mich ein Gesicht bannt, dann starre ich, erstarre zur Starrheit … und Sturheit und stur mache ich mich an die Arbeit des Baggerns … Schnecken angraben :mrgreen:

Bei einem Schlaganfall kann die Starrheit die Sturheit übermannen und so wäre es fast bei Moira gekommen, wenn sie nicht die Initiative übernommen hätte. Ei­ne romantische Geschichte, beginnend in einer grauenhaft langweiligen Auf­füh­rung Dai-volkstümlicher Lieder und Tänze, während es draußen vor der Tür, wie es sich für Yunnan gehört, mit Blitz und Donner aus Kübeln goß … bis ein Abendsonnenstrahl blitzartig den Saal erhellte. Ihr Signal die Vorführung zu ver­las­sen und mir im Vorbeigehen einen Blick zuzuwerfen … den Blick, der die Star­re auflöst. Nix wie hinterher!

Draußen auf der Hotelveranda posierte Moira perfekt vom orange-goldenen Licht der Abendsonne ausgeleuchtet unter einem imposanten Regenbogen. OMG, wie kitschig schön, zum Sterben schön … hätte ich denken können, oder: Wo lernen Frauen das bloß, oder … aber ich habe nichts gedacht, mich nur stumm ins Bild gestellt und in Moiras Augen gestarrt. Was mach‘ ich jetzt, wenn nicht vor Angst in die Hosen oder vor Verlegenheit eine Zigarette an? Dafür blieb keine Zeit, denn meine Hand und ich wurden ergriffen vom kleinen, war­men chinesischen Pendant: „Lass uns am Ende des Regenbogens nachsehen, ob dort wirklich ein honeypot steht.“ Das glauben Sie jetzt nicht … kann ich verstehen … denn das ist sogar für die schlimmste Schnulze zu schmalzig, aber es ist die reine Wahrheit und war die schönste Aufforderung zum Sex, die ich im Leben gehört habe. Und dann habe ich auf dem Weg zum honeypot Schritte hinter uns gehört und ihr großer Bruder hat sich dazwischen gequetscht … das war’s … ich hasse Brüder 😦

Dass es auch bei dir das Gesicht sein wird, könnte ich auf den ersten Blick nicht sehen, denn als erstes hast du mir deinen süßen Knackarsch gezeigt, nicht nackt, jedenfalls nicht ganz. Die Story des ersten Arsch-Augen-Kontakts habe ich in meinem kleinen kosmos schon mal angehaucht … der kleine Arsch in der noch kleineren Hot Pants auf der Treppe in den zweiten Stock unserer Schule, die ja für euch Mä­dels gerade erst zur Schule geworden war. Was haben die sich bloß dabei gedacht, uns spätpickeligen Primanern, die wir es gut zehn Jah­re ohne Mädels auf dem Gymnasium ausgehalten haben, keine zwei Jahre vor dem Abitur eine Horde oversexter und underfuckter Gören vor den Dau­er­stän­der zu setzen? Lieber Gott, mach ihn krumm, dass ich in die Uni kumm 🙄

Ich weiß es nach so langer Zeit nicht mehr genau in allen Einzelheiten, aber es kommt mir vor, als sei bei jedem Schritt von dei­nem Arsch­ge­wackel wackeldackel-200mein Kopf in Augenhöhe hinter und mit deinem Po mit­ge­wackelt. Waldi der Wackel­dackel 😆 … Stufe rechts – Kopf nach rechts, Stufe links – Kopf nach links, Stufe rechts … und rechts von dir ging deine da­mals unzertrennliche beste Freun­din … Jutta … kannst du dich noch an die erinnern? Auch so ein Knackarsch in knackigen Hot Pants … die Treppe hätte von mir aus lang wie die Himmelsleiter werden können. Wohin gucken? Linker Arsch oder rechter Arsch? Das Gesicht hätte es entschieden, aber das war nicht zu sehen, also ha­ben die Beine vorerst das Rennen gemacht. Es gibt alle möglichen Beinformen, aber ich klassifiziere nur nach drei Kategorien: Bocksbeutel, Sektflaschen und Wein­fla­schen. Du hast Weinflaschen und Jutta hatte … nennen wir es Salz­stan­gen.

Jetzt könnte ich noch tagelang über deine Reize fabulieren und kein Leser könnte sich ein passendes Bild machen, also vergleiche ich dich mit einem Bild, das Bild, das hinter mir hängt, während ich das hier tippe: ein Original-Abzug von Milton Greenes Marilyn
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Um als perfekte Reinkarnation von Marilyn durchzugehen (Kim war damals noch kein Thema), fehlten dir zwar etwa 15 Zentimeter, aber dafür war an dir alles echt, während Marylin auf dem Foto schon zwei Schönheitsoperationen hinter sich hat.

Der spätere Blick auf und in dein Gesicht war dann auf besondere Art er­nüch­ternd. Verliebte Jungs

… können doch Realisten sein, müssen es sogar, wenn sie nicht wie Werther in einer Umlaufbahn um das irrlichtern eingebildete Zentralgestirn hän­gen­bleiben wollen … kannste vergessen, mehrere Nummern zu groß für einen nobody. Dabei biste klein, mein Beweis dafür, das Higgs mit seinem Higgs­feld völlig auf dem Holz­weg ist. Wenn ich dich wenigstens aus der Ferne an­him­meln woll­te, dann musste ich auf dem Schul­hof nur nach dem Knub­bel suchen. Dutzende Gockel ver­sammelt um ein masse­loses blondes Loch, un­sicht­bar hell an­ziehend auf alles Mottige. Mir fehl­te der Mut, musste nur in den Spiegel gucken, um mei­nen Platz als Spar­gel­tarzan mit den schlack­sig irgend­wie viel zu langen Ar­men am Spiel­feldrand zu fin­den, ohne Chance wenigsten als Er­satz­spie­ler ein­ge­wech­selt zu werden. Kannste dich noch daran er­innern, was meine ersten Worte an dich waren? Ich weiß es, als sei es gestern ge­wesen, im Ver­samm­lungs­saal beim „Waldschmidt“ … Junge Union … ich auf dem Sprung zum Vor­stand … Politik … große Worte … das war meine Welt, da war ich selbst­si­cher und bin zur Höchst­form auf­ge­laufen: „Schön, dass du deine Schwester mit­ge­bracht hast.“ War aber nicht deine Schwes­ter, sondern deine Mama, die dich mit­ge­schleppt hat … ja, ich konnte auch den Charmeur geben. Und was hat deine Mutter gesagt? Etwas indigniert, aber auch geschmeichelt: „Ich bin die Mutter!“ Naja, nicht die geistvollste Replik, aber so war die Pastorentochter … sich immer unterschätzt fühlend.

Ich habe später viel über dein mir fremdes Leben nachdacht und sehr langsam begriffen, woher dein bedingungsloser Idealismus herkommt, der jedem Vorurteil widerspricht. Wer so aussieht, wen die Natur mit soviel Unfassbarem über­schüt­tet hat, der kann doch nicht vom allem Materiellen unbe­ein­druckt bleiben. Deine erste Zeit in München schien mir das Vorurteil zu bestätigen. Erinnerst du dich noch an diesen reichen Schnösel mit dem Porsche, oder war es ein BMW? Egal, R…. hieß er. Die Sil­vester­party … da war ich fast ein Jahr rauchfrei und habe mir schlags 0 Uhr wieder die erste Kippe in die Fresse geschoben. Jetzt hamse sie erwischt

… jetzt ist alles egal. Aber dann unser Besuch bei deinem späteren Ehe­mann in dessen Studenten­bude im Olympia­dorf, da war ich wieder ver­söhnt. Noch ein Idea­list, wieder auf dem Weg, die äußeren Ideale mit den inneren zur Deckung zu bringen. Und die Hochzeits­karte … am Tag der Wieder­vereinigung … Ost und West ein zweites Mal vereint. Ich musste schmun­zeln … nicht ein­mal die Ini­ti­alen musstest du wechseln; welche, das bleibt Verschluss­Sache. Aber das war zu viel der Sym­bolik. Als ich ge­lesen habe, was er anstellt, Idea­lismus hin oder her, da konn­te ich nur mit dem Kopf ge­schüttelt … wieder und wieder war es ein Arsch, der meinen Kopf wackeln ließ. Wie kann man dich und sein Kind ver­lassen, nur weil man die Welt oder wenigsten Bagdad vor ame­ri­kanischen Bom­ben ret­ten will. Da staunste, hätteste nicht gedacht, dass ich über die Jah­re und die Entfernung an deinem Leben Anteil zu hal­ten ver­sucht habe.

Über was haben wir nicht alles geredet und geträumt. Ein Gespräch ist mir be­sonders im Ge­dächtnis hängen geblieben. Es war um Weihnachten herum. ich habe dich wieder einmal vom „Beck am Rathauseck“ abgeholt und zusammen sind wir durch den Schneematsch zur S-Bahn am Marienplatz gestapft. Winter … und was erzählst du? Wie du dein Bikini-Problem gelöst hast. Du nimmst ein­fach zwei Größen in die Kabine zur Anprobe, 32 für unten, den kleinen Knack­arsch, und 42 für oben, da­mit deine Bubbles nicht wie im Frei­bad immer an allen Ecken und En­den über­schwap­pen ❤ Und dann wird das klei­ne Hös­chen mit dem gros­sen Ober­teil am Haken kombi­niert und ab geht's zur Kasse 😛 Was soll ein Mann zu dieser prag­mati­schen Lö­sung schon sa­gen: "Stell dir mal unse­re Kin­der vor, watt ’ne Mi­schung. Mein Hirn und deine Hülle …“ 😳 Jede Ande­re hat­te mir und jedem Ande­ren dafür eine ge­schmiert. Und du: „Und wenn’s um­ge­kehrt wäre?“ 😎

So war das, so waren wir. Ich habe immer noch ein Bild von dir, das im him­beer­ro­ten Pelzjäckchen, aus dem oben die Kirsche von Kussmund guckt (nein, ich mache das nicht publik … selbst ein nobody von Labersack hat eine Ehre), mit Raudi auf dem Arm … musste wohl ein Dackel sein … na wenigstens has­te ihn nicht auf den klassischen Dackelnamen getauft: Waldi :mrgreen:

Du, ich muss jetzt Schluss machen, denn sonst wird auch das hier nicht mehr an deinem Geburtstag fertig … obwohl ich dir noch viel sagen müsste, aber nicht immer gibt es ein Happy End wie im Film, denn das wahre Leben ist gna­den­los


Alle Liebe zum Geburtstag!

PS: Ich bin gespannt, in welche Augen mein inneres Auge letztmalig blicken wird, wenn ich meine Kniften endgültig zukneife … Moiras oder Deine … Egal: Schlaganfall bleibt Schlaganfall.

PPS: Du bist ja jetzt eine kleine Berühmtheit, deshalb hoffe ich nicht zu viel verraten zu haben … und noch was: Du kannst dich anstrengen, wie du willst, du weißt, dass ich besser kochen kann als du 🙄

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