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Gestern erreichte meinen kleinen kosmos der aufschlussreiche Kommentar von Albrecht Glatzle, der erklärt, warum er beim MH17-Fake der Propagandaschau und Vladimir Putin glaubt, nicht aber z.B. nobody. Es stellt sich hier aber keine Frage des Glaubens, sondern der Mathematik, genauer gesagt der Geo­me­trie.

Im Netz (sogar auf TELEPOLIS) findet man meist den Ansatz, den Schwindel mit dem Strahlen­satz zu entlarven, aber das führt nicht zum exakten Er­gebnis. Die Strahlen­satz-Methode der Netz­detektive berück­sichtigt nicht den Hö­hen­un­ter­schied zwischen der Lande­bahn des Flug­hafens von Donezk und dem Flug­zeug, das MH17 dar­stellen soll. Beides ist auf dem Fake zu sehen (hier in der brutalen HD-Auflösung). Ich habe diese hohe Auf­lösung ge­cropped und auf dem Aus­schnitt die Lande­bahn mit einem gelben Kasten markiert [1] und MH17 mit dem gelben Kreis [2]. Sonst wurde nix verändert (zum Vergrößern anklicken).
mh17fake-mark
Um die Größen dieser beiden Objekte mit dem Strahlensatz genau vergleichen zu können, müsste man wissen, in welcher Höhe der Satellit geflogen ist. Die Strahlensätzler lassen des­halb den Höhen­unterschied zwischen MH17 und der Landebahn vom Flughafen Donezk einfach weg. OK, bei der großen Höhe, in der Be­obachtungs-Satelliten so fliegen (200 bis 500 km), geht das, denn die Feh­ler­quo­te ist bei der Be­rechnung gering (5% bei 200 km und 2% bei 500 km). Des­halb ist der Strahlensatz eine probate Näherungs­methode.

Es geht aber auch einfacher und genauer. Wir kennen zwar nicht die Flug­hö­he des Satelliten und die Brennweite der Optik, mit der das Foto geknipst wur­de, aber wir haben andere, sehr präzise Daten. Wir wissen aus der Wi­ki­pe­dia, dass die Landebahn des Flug­hafens von Donezk 4000 Meter lang ist und auf dem Foto misst sie 8,6 cm (0,086 m). Also haben wir einen Maßstab, der für alles, was auf dem Bild zu sehen ist gelten muss (müsste 😆 ). Der Maß­stab ist 1 : 46512.

So, jetzt messen wir die Länge der Boeing 777 auf dem Bild. Da erscheint sie 9,4 cm lang. Das müssen wir jetzt mit dem Maßstab von 46512 multiplizieren und kommen dann auf 4372 Meter 😯 Nun ziehen wir noch die größte Feh­ler­quo­te von 5% ab (wegen der Höhen­differenz), dann bleiben 4153 Meter Län­ge. Tat­sächlich ist die am 17. Juli 2014 ab­geschossene Boeing 777-200ER aber nur 63,70 m lang.

Nun höre ich schon die Frage, was wäre wenn der Satellit viel tiefer geflogen wäre und tat­sächlich kursiert im Zentralorgan der Aluhüte (aka TELEPOLIS) bereits die „Er­klärung“, dass das Foto von einem Spionageflugzeug aus etwa 14.000 m Höhe gemacht wurde.

    16. November 2014 15:19
    Richtigstellung des Verbands der russischen Ingeneure (Editiert vom Verfasser am 16.11.14 um 15:31)
    Prof Schnaffa (238 Beiträge seit 29.08.09)
    >>>Richtigstellung: Um das hier veröffentlichte Bild ist eine
    erbitterte Diskussion entbrannt, ob es sich um eine Fäl­schung
    handelt, oder nicht. Neueste Recherchen haben ergeben, dass es sich
    bei diesem Bild nicht, wiederhole nicht um eine Satellitenaufnahme
    handelt. Vielmehr ist dieses Foto von einem Spionageflugzeug
    aufgenommen worden, das sich in einer Höhe von etwa 14 Kilometern
    aufgehalten hat. Das Kampfflugzeug ist keine MIG 29, sondern eine SU
    27. Das ändert nichts Wesenliches an den folgenden Ausführungen,
    zeigt aber, dass in dieser Gegend noch viel mehr abläuft, als wir
    erfahren dürfen.<<<<<

OK, machen wir uns den Spaß auszurechnen, wie tief der Satellit/das neu er­fun­de­ne Spio­nage­flugzeug hätte flie­gen müs­sen, damit die Grö­ßen­ver­hältnis­se von Boeing 777 (9,4 cm) und Lande­bahn des StrahlensatzFlug­ha­fens von Donezk (8,6 cm) wieder stimmen. Nun kom­men wir um den 2. Strahlensatz nicht mehr herum:

Dazu malen wir uns am besten ein Bild:
strahl-fake
Nicht maßstabsgerecht, sondern nur zur Illustration! X ist die Höhendifferenz zwischen MH17 (10000 m) und dem Satelliten. Ansonsten erklärt sich das Sche­ma wohl von selbst. Das kleine grüne Dreieck und das große rote Dreieck sind sich ähnlich. Ähn­lich­keit ist ein Begriff aus der Geometrie. Ähn­lich­keit liegt vor, wenn bei einer Figur, z.B. einem Dreieck, entsprechende Seiten das gleiche Ver­hältnis haben und entsprechende Winkel gleich groß sind. Das ist hier so, al­so kann der Strah­len­satz ange­wandt werden. Wir setzen die kon­kre­ten Wer­te gleich in die For­mel:

X : 70 = (X+10000) : 4000

Das müssen wir umformen und nach X auflösen:

X = (70X + 700000):4000
4000X – 70X = 700000
X = 700000 : 3930 = 178,12

Unser Satellit (oder das jetzt neu erfundene Spionageflugzeug) hätte also keine 180 Meter über MH17 fliegen müssen, damit die Größen­verhältnisse von Lan­de­bahn des Flughafens von Donezk und Boeing 777 wieder stimmen. Ein Satel­lit in 10.180 Metern Höhe 😯 Vor diesem extremen Tiefflieger muss die zivile Luft­fahrt dringend gewarnt werden.

Langer Rede wenig Sinn: Beim Faken des Fotos ist MH17 viel zu groß aus­ge­fal­len, genau genommen 68,31-fach zu groß. Das ist so eklatant, das muss einem Betrachter auch ohne Taschenrechner sofort ins Gesicht springen. Wenn jetzt die russische Propaganda auf den Trichter kommt, das gefakte Bild sei den Rus­sen von den Amis oder wem auch immer untergejubelt worden, dann kann, wenn es so wäre, nobody nur sagen: Man sind die blöde. Die haben nicht nur Matsch in der Birne, sondern auch Matsch auf den Augen.

Matsch in der Birne und vor den Augen haben auch die TELEPOLIS-Macker, die ihre völlig verblödete Artikel-Attrappe jetzt um diesen Zusatz ergänzt haben:

    Aufgrund des großen Echos im TP-Forum auf den Artikel, möchte ich hier etwas klarstellen. Zuerst: Der Artikel hatte nicht den Anspruch, alle im Bericht des russischen Fernsehkanals aufgestellten Behauptungen auf ihre Stichhaltigkeit und das Foto auf seine Echtheit zu überprüfen. Das wäre Aufgabe einer Untersuchung, die eine längere Zeit in Anspruch nimmt und von einem Autor allein nicht zu leisten ist.
    Es ging mir zunächst nur darum zu berichten, dass der erste russische staatliche Fernsehkanal – also kein bedeutungsloser Regional- oder Spartensender – etwas berichtet hat, was die Diskussion über die MH 17 beeinflussen wird. Im Übrigen bleibt der Sender bei seiner These und hat sie nicht eingeschränkt, wie ein Forumsteilnehmer schrieb.
    Viele Forumsteilnehmer versuchen nun, das veröffentlichte Satellitenfoto in Zweifel zu ziehen. Die vorgebrachten Überlegungen und Argumente sind sicher hilfreich, um zu klären, was am 17. Juli am Himmel über dem Donezk-Gebiet wirklich passierte. Doch die Forumsteilnehmer, die meinen, nun sei ja alles klar, Russland habe sich mit seiner Vermutung, die MH 17 sei von einem ukrainischen Flugzeug abgeschossen worden, vollständig blamiert und unglaubwürdig ROFLgemacht, machen es sich zu einfach. Denn auch sie argumentieren im Ungefähren und können keine Schlüsselbeweise vorlegen, wie es wahrscheinlich nur die westlichen Staaten mit ihrem Datenmaterial könnten.