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lukas-LIch vertrete die aben­teuer­liche Auf­fas­sung, dass der GdL-Bahn­streik rechts­widrig ist, weil er auch ar­beits­kampf­frem­de Ziele verfolgt. Mit dieser Auf­fas­sung steht nobody ziem­lich al­lein auf weiter Flur. Grund ge­nug, noch ein­mal über diesen Stand­punkt nach­zu­denken. Ein wei­terer Grund für sol­ches Nach­den­ken war ein Inter­view, in dem Pro­fes­sor Stefan Grei­ner ge­gen­über dem SPIEGEL er­klärte, dass es auch tarif­recht­lich regel­bar sei, welche Berufs­grup­pen eine Gewerk­schaft zu ver­tre­ten berech­tigt sei. Naja, Prof. Greiner hat es nicht erklärt, son­dern ex cathedra behaup­tet. Aber egal … da wird schon was dran sein, denn im Gegen­satz zu nobody ist Prof. Greiner Spezia­list in Sachen kol­lektives Arbeits­recht. Also noch­mal nach­gedacht über die Frage: Darf eine Gewerk­schaft dafür strei­ken, wel­che Berufs­grup­pe sie ver­treten darf?

Bei meinen Nach(t)gedanken bin ich noch eine Stufe tiefer gestiegen und habe vorab gefragt, ob eine Gewerk­schaft überhaupt dafür streiken darf, eine Ge­werk­schaft zu sein. Ich weiß, das ist eine blö­de Frage, weil das Recht Ge­werk­schaf­ten zu grün­den in der Ver­fas­sung ga­ran­tiert ist (Art. 9 Abs. 3 GG) und kein Mensch mehr in Deutsch­land da­für strei­ken muss, eine Ge­werk­schaft grün­den zu dürfen. Man macht es ein­fach und fertig.

Aber so war das nicht immer und weil es mal anders war, steht es jetzt im Grund­ge­setz und dort steht es, weil Men­schen in an­de­ren Zei­ten da­für ge­streikt ha­ben. Zei­ten kön­nen sich ändern und soll­te wie­der so ein Schnauz­bart auf die Idee kom­men, das Ge­werk­schafts­recht an­zu­tas­ten, dann darf da­ge­gen ges­treikt wer­den, auch wenn es zur­zeit nicht nö­tig ist.

Wenn es aber grundsätzlich rechtens ist, für eine Gewerkschafts­gründung zu strei­ken, dann er­scheint es logisch auch dafür streiken zu dürfen, wer Mit­glied einer Gewerk­schaft sein darf/kann, ge­nau­er, welche Arbeit­neh­mer diese Ge­werk­schaft ver­treten darf, denn ohne zu vertre­tende Arbeit­neh­mer wäre eine Ge­werk­schaft sinn­los, ei­ne lee­re Hülse. Dies müss­te wohl die An­sicht von Prof. Greiner sein.

Welche Berufsgruppe (Gewerk) eine Gewerkschaft vertritt, ergibt sich in erster Linie aus ihrem Selbstverständnis, ihrer Satzung. Gründen wir in Gedanken mal die Gewerk­schaft der 3-Michelin-Sterne-Köche (3M*K). Ohne Zwei­fel wäre das eine sehr kleine Spar­ten­gewerk­schaft mit einer handvoll Mitglieder. Weil das zu wenig ist, öffnet sich die 3M*K auch anderem kochenden Personal, z.B. allen Kan­ti­nen­köchen und auch den „Köchen“, die im Bordrestaurant eines ICE Fertig­gerich­te in die Mikro­wel­le schie­ben. Wenn nun die echten 3M*K dafür strei­ken, dass auch diese an­deren Ge­werk­schafts­köche min­destens 5000 Euro monatlich verdienen, dann wäre das al­lenfalls eine karneva­listische Ein­lage, die nie­mand be­ein­drucken würde, außer ein paar Gutbetuchten, die 300 Euro und mehr für ein Essen auszu­geben bereit sind. Alle an­deren wür­den sagen: „Streikt doch“ und die fünf 3M*K-Spitzen­köche Deutsch­lands müss­ten sich fra­gen las­sen, wa­rum sie denn nicht auch dafür strei­ken, dass die Kan­ti­nen­köche so gut ko­chen wie sie.

Könnten die Kantinenköche dafür streiken, dass sie von der 3M*K in Ta­rif­ver­hand­lun­gen vertreten werden? Die Frage beantwortet Prof. Greiner leider nicht, also versucht es nobody, indem er es auf eine absurde Spitze treibt. Nehmen wir doch den Marbur­ger Bund, der Gegenstand des berühmten Beschlus­ses des Bun­des­arbeits­gerichts zur Tarif­plu­rali­tät war. Der die Ärzte­schaft mehr­heitlich vertretende Marburger Bund sagt sich jetzt: „Wir sind ein Betrieb“ und Be­trieb ist in dem Fall das Kran­ken­haus, deshalb öffnet sich der Mar­burger Bund allem Kran­ken­haus­per­sonal und ver­tritt nun auch die Piss­pott­schwenker und das Küchen- und Putz­personal im Kran­ken­haus. „Gleicher Lohn für Alle! Wir streiken!Geht das, Herr Greiner?

Nee, falsches Gewerk und es ist einhellige Meinung, dass sich der Arzt zwar in die „Nie­de­run­gen“ von Ver.di be­geben darf, der Piss­pott­schwenker aber nicht in die „Höhen“ des Mar­burger Bundes. Fal­sches Gewerk. Oder wie der Volks­mund sagt: Nicht Eier mit Bir­nen ver­glei­chen. Kann man we­nigs­ten Äpfel mir Bir­nen ver­glei­chen, den Lok­füh­rer und den Smutje an der Mikro­wel­le inm ICE-Bord­res­tau­rant? Prof. Grei­ner müss­te jetzt wohl „JA“ sagen, denn beide arbei­ten ja im glei­chen Be­trieb „Zug“ und in diesem Be­trieb kann jede Ge­werk­schaft jeden Be­triebs­an­gehörigen ver­treten. Si­cher bringt es ein Lok­führer noch fer­tig die Mikro­wel­le zu be­die­nen, aber ob das Smutje den ICE sicher von Mün­chen nach Hamburg bringt? Für mich führt diese te­le­olo­gische Aus­le­gung zu einem kla­ren „NEIN“.

Für die historische Auslegung ist das „Nein“ gar keine Frage und sprach­lichen Aus­legung spring einen das „L“ in GDL förmlich an: Loko­motivfüh­rer ist nicht Smutje und nicht Fahrkartenknipser. Bei den Rangierführern wäre das IMHO schon wieder an­ders, aber bei de­nen kommt die GDL auf keinen grünen Zweig, weil die Rangierführer mehrheitlich von der Konkurrenzgewerkschaft EVG ver­treten werden. Des­halb faselt der GeDeLsky ja auch immer vom Zug­per­so­nal.

Konkurrenz belebt das Geschäft. Das war sogar ausgesprochenes Motiv des BAG bei der Ent­schei­dung zur Tarifplura­lität aus 2010. Wa­rum also keine Kon­kur­renz bei den Ge­werk­schaf­ten. Ganz meine Mei­nung, aber: „Schus­ter bleib bei dei­nem Leisten“ und Lukas in dei­ner Lo­ko­mo­tive. Auf das Gewerk kommt es an!

Also: nobody hat noch einmal nachgedacht und bleibt bei seiner abenteuerlichen Auf­fas­sung. Spar­ten­ge­werkschaf­ten wie die GDL dür­fen nicht bei an­deren Gewerken unterm Zaun gra­sen und für Mit­glieder an­derer Ge­werk­schaften streiken.

So, jetzt sind sie dran, Herr Professor Greiner, mit nochmal nachdenken.