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Ein Demagoge ist ein Volksführer, wenn man das griechische Wort wörtlich nimmt. Der griechische Philosoph Aristoteles nahm es weniger wörtlich und verstand darunter einen „Volksverführer„, jemand, der unabhängig von et­wa­igen Amtsbefugnissen allein durch seine Rednergabe eine Legitimation für sein Handeln erreichen will. Die Rede der Demagogen ist immer gleich. Ein Beispiel:

    Es ist nicht das Ziel unseres heutigen demokratischen Parlamentarismus, et­wa eine Versammlung von Weisen zu bilden, als vielmehr eine Schar geistig abhängiger Nullen zusammen­zustellen, deren Leitung nach bestimmten Richt­linien um so leichter sein wird, je größer die persönliche Beschränkt­heit des einzelnen ist. Nur so kann Partei­politik im heutigen üblen Sinne gemacht werden. Nur so ist es aber auch möglich, daß der eigentliche Draht­zieher immer vorsichtig im Hinter­zimmer zu bleiben vermag, ohne jemals per­sönlich zur Verantwortung gezogen werden zu können. Denn nun wird jede der Na­tion auch noch so schädliche Ent­scheidung ja nicht auf das Konto eines allen sicht­baren Lumpen kommen, sondern auf die Schultern einer ganzen Frak­tion abgeladen werden.

Seite 98/99.
Aus der gleichen Feder stammt dieses Zitat:

    Denn die Rede eines Staatsmannes habe ich nicht zu messen nach dem Ein­druck, den sie bei einem Universitäts­professor hinterlässt, sondern an der Wir­kung, die sie auf das Volk ausübt.

Seite 534 des glei­chen Buches: „Mein Kampf“ von Adolf Hitler, ungekürzte Aus­gabe, Verlag Franz Eher, 22. Auflage 1933. Kaum zu glauben, aber Hitler hat recht und nach dem Muster des Ein­gangs­zitates funk­tioniert die Rede der Poli­tiker bis heute und deshalb nenne ich diese Demagogie die „Volksrede„. Über die Demagogie verhält sich übrigens das Kapi­tel aus Hitlers „Mein Kampf„, dem ich das Zitat von Seite 534 entnom­men habe. Auf Seite 532 spricht Hitler aus­drücklich von Demagogie.
putler-plan
Die Volksrede des Politikers an „sein“ Volk ist nicht deduktiv aufgebaut, son­dern die Volksrede beginnt immer mit einer Behaup­tung, dem Obersatz, ge­folgt von mehr oder minder sinnfreien Begründungen, die verschwom­men ge­nü­gend Raum dafür lassen, dass jeder Volks­genosse sie nach seinem Gusto fül­len kann, und sie endet wieder mit der anfäng­lichen Behauptung, die nun wie ein „quod erat demonstrandum“ wirken soll und auf Applaus war­tet. Dazu noch ein Bei­spiel, mit dem Hitler „begründet“, warum die Deutschen ein Volk ohne Raum sind, oder wie der GröFazke auf Seite 741 schreibt:

    Das Recht auf Grund und Boden kann zur Pflicht werden, wenn ohne Bodener­weiterung ein großes Volk dem Untergang geweiht erscheint.

Das ist Hitlers „Conclusio“ aus seinem „Argumentationsmüll“ auf Seite 152:

    Allerdings eine solche Bodenpolitik kann nicht etwa in Kamerun ihre Erfül­lung finden, sondern fast ausschließlich nur mehr in Europa. Man muß sich damit kühl und nüch­tern auf den Stand­punkt stellen, daß es sicher nicht Absicht des Himmels sein kann, dem einen Volke fünfzigmal so viel an Grund und Boden auf dieser Welt zu geben, als dem anderen. Man darf in die­sem Falle sich nicht durch poli­tische Grenzen von den Grenzen des ewigen Rechtes ab­brin­gen lassen. Wenn diese Erde wirklich für alle Raum zum Leben hat, dann möge man uns also den uns zum Leben nötigen Boden geben.

Kaum zu glauben, dass wer es gelesen hat, auf diesen Schwachsinn reinfallen konnte. Hitler hat diese Sätze 1923/24 in seiner Haft verfasst. Das Deutsche Reich war damals um 25% größer als die heutige Bundesrepublik, hatte aber 20% weniger Einwohner (1925: 63.181.000). Haben wir heute zu wenig Raum?

Das war durchaus keine Scherzfrage, sondern die Frage, mit der Sokrates den Diskurs eingeleitet hätte und die zu dieser nächsten Frage führt, die dann em­pi­risch beantwortet werden kann: Wie viel Raum/Boden braucht ein Mensch zum Leben?

Solche Fragen werden Sie von Politikern nicht hören, weil das Volk angeblich keine Fragen hören will, sondern nach den „richtigen Antworten“ verlangt. Aber woher sollen
Merkel-Raute
diese „richtigen Antworten“ kommen, wenn zuvor nicht die richtigen Fragen gestellt werden? Trauen Sie sich einmal nachzufragen, wenn Frau Merkel wieder etwas für „alternativlos“ erklärt. Stellen Sie (sich) die einfachste aller Fragen, die jedes Kind auf dem Effeff beherrscht und jeden Demagogen und Politiker aus dem Konzept seiner Volksrede bringt: Warum?