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DuginOsetiaBis Samstag, bis zur Sendung „Putins Russland – Sehnsucht nach dem Imperium„, war auch mir nicht klar, wie bescheuert ich bin, denn mir war un­bekannt, welch großen Einfluss Alexander Dugin, der Philosoph mit der Panzerfaust, auf Vladimir Putin hat. Nach der Sendung (wird übrigens morgen auf PHOENIX wiederholt) habe ich mich deshalb mehr mit der Neo-Eurasischen Ideologie des Alexander Dugin beschäftigt. Was soll ich viel labern … 3Sat hat dazu vor Kurzem eine Sendung gemacht …

… und dazu geschrieben:

    Putins Eurasien
    Die Ideologie hinter Russlands Expansionskurs
    Russ­lands Präsident Wladimir Putin besucht just am Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutsch­land die „Helden­stadt“ Sewasto­pol auf der Krim. Eine Pro­vo­kation des Rus­sen, der ein Gegen­modell zum westlichen Bündnis verfolgt: die soge­nann­te Eura­sische Union, von Wladi­wostock bis Lis­sabon.
    Die Ukraine liegt irgend­wo da­zwi­schen – und ist wichti­ger als viele denken. „In der Ukraine steht die gesamte euro­päische Ord­nung auf dem Spiel“, sagt der US­-His­tori­ker Ti­mothy Snyder von der Yale-Universität. Der rus­si­sche Po­li­to­loge Alex­an­der Du­gin, der als der heimliche „Chef-Ide­ologe“ Putins gilt, ent­gegnet: „Wir ha­ben dem Libera­lismus einen glo­balen Dschihad er­klärt, da der Libe­ralismus eben­falls ein Kreuz­zug ge­gen die Mensch­lich­keit ist.“ Ein hei­li­ger Krieg al­so zwi­schen Ost und West. Mit nur einem Ziel: Eura­sien. Ein kon­ti­nen­ta­les Impe­rium mit verschie­denen Völ­kern unter Führung Russ­lands von Wladi­wostock bis Lissa­bon, das zu­mindest pro­pagiert Alexan­der Dugin. Früher war er in ultra­nationalis­tischen Bewegun­gen aktiv. Heu­te ist Dugin Pro­fessor an der staatlichen Universität Lomono­sov in Moskau und Be­rater Putins. In der rus­sischen Öf­fentlich­keit legiti­miert er mit seinen eurasischen Theorien Moskaus im­perialen Expansions­kurs.
    „Es geht darum, dass histori­sche Prozes­se Grenzen ver­ändern und die Grenz­ziehung zwischen Kulturen nie linear ver­läuft“, so Dugin. „Es han­delt sich hier­bei viel­mehr um Grenz­be­rei­che, die nicht von Dauer sind. Unse­re Aufgabe ist es, die Eura­sische Union und da­mit die Länder, die orga­nisch zum ‚Herz­land‘ Russ­land ge­hö­ren, zu orga­nisieren.“ „Die eurasi­sche Theorie versorgt Putin mit neu­en Kon­zepten und ei­nem neuem Voka­bular“, sagt Timo­thy Sny­der. „Es hilft ihm, ein Ge­gen­modell zu ent­werfen. Russ­land ist nicht mehr der inter­nationa­len Ord­nung unter­worfen. Viel­mehr for­dert Russland nun die in­ter­na­tionale Ordnung heraus. Ge­rade in­tellek­tuell.“
    Russland als auserwählter Kontinent
    Ein Zeit­sprung zurück: Nach der Oktoberrevo­lution gehen zahl­rei­che rus­si­sche In­tel­lektuel­le ins Exil, um eine Al­ter­na­tive zum bol­schewistischen Ex­peri­ment zu su­chen. Unter ihnen ist der Sprach­wissenschaftler Nikolai Tru­beckoj. Er begrün­det die eura­si­sche Ide­olo­gie. Russ­land, so der Kern des Den­kens, sei ein aus­er­wählter Kon­ti­nent, der sich im Kampf mit dem Wes­ten um die Welt­herr­schaft befin­det. Und nur ein autori­tä­rer Staat kön­ne die­sen Kampf be­ste­hen. Wäh­rend des Kom­mu­nis­mus‘ zer­fiel die Be­we­gung. Seit den 1990er Jahren hat Alexan­der Du­gin sie wie­der salon­fä­hig ge­macht. Tota­ler Staat, Expan­sion ohne Gren­zen: In sei­ner neuen Ver­sion der eura­sischen Ideolo­gie macht er aus­gerechnet Carl Schmitt, den füh­ren­den Ju­ris­ten der Na­zis, zu sei­nem Kron­zeu­gen.
    „Wir ha­ben es hier mit einem fundamental anderen Denk­modell zu tun“, so Ti­mo­thy Sny­der. „Ein Modell, dessen Re­ferenz die interna­tionalen Bezie­hun­gen Deutsch­lands zwischen 1933 und 1945 sind. Carl Schmitt und andere hielten das Völker­recht für bedeu­tungslos, den libera­len Staat für eine Fik­tion. Das Einzige, was real war, waren Ras­sen und die Macht, die sie aus­üben konn­ten. Diese Denk­weise führt sie di­rekt zu Dugin. Für ihn sind all die Struktu­ren, die es den Men­schen im Wes­ten er­lauben, so zu le­ben, wie sie wol­len, Un­sinn. Sie sind Projek­tionen einer repres­siven Welt­macht. Al­lein Macht ist real.“ Das Feind­bild der Eura­sier im heuti­gen Russ­land: die USA und die li­berale Demo­kratie. Sie sind das Grund­übel Europas: In­dividu­alis­mus und die daraus resultie­renden uni­versalen Menschen­rechte. „Die Grund­lage des Libe­ralismus ist an sich un­menschlich“, so Dugin. „Sie ver­nich­tet das We­sen des Men­schen. In­dividualis­mus ist eine un­menschliche Lehre.“
    Nato- und EU-Geg­ner geben Putin Recht
    Die Ukraine versinkt im Chaos, weil der Westen dem Land sein Lebensmodell überstülpen will – mit dieser Propa­ganda heizt Russ­land kurz vor den Euro­pa­wahlen die öf­fent­liche Stimmung an. Mit Er­folg: Die Geg­ner von Nato und EU for­mie­ren sich und ge­ben Putin Recht. Ein Groß­teil der rechtsex­tre­men Par­teien in Euro­pa unter­stützt mitt­lerweile den Kurs des Kreml-Chefs. In Deutsch­land scheint die rus­sische Pro­pagan­da beson­ders gut zu wir­ken – rechts wie links. Plötz­lich sti­li­siert sich die NPD als Frie­dens­par­tei, die Lin­ke als Pu­tin-Ver­ste­her und auf Montagsdemonstra­tio­nen wird Stim­mung ge­gen Nato und USA ge­macht. „Die Ent­kolonialisie­rung von Deutsch­land ist ei­nes der Pro­jekte der eura­sischen Strate­gie“, sagt Alexan­der Dugin. „Euro­pa ist für uns ein Syno­nym für Deutsch­land und Frank­reich. Spa­nien, Ita­lien, also die kontinenta­len Län­der. Deutsch­land ist das Land, das uns als Part­ner am nächs­ten steht. Dafür muss es aber ein an­deres Deutsch­land sein, ein deutsches Deutsch­land, ein eu­ropä­isches Deutsch­land, kein amerikani­sches Deutsch­land, kein Marionet­ten­deutsch­land, kein be­setz­tes Deutsch­land. In Wirk­lichkeit braucht Europa einen natio­nalen Be­freiungs­kampf ge­gen die ameri­kanische Hege­monie.“
    Putin stel­le die Euro­päer mit dem Ukra­ine-Kon­flikt auf die Probe, sagt Ti­mo­thy Snyder: „Der 25. Mai ist ein Schick­sals­datum. Pu­tin will nicht nur die Präsi­dentschafts­wah­len in der Ukra­ine ver­hindern, er will gleich­zei­tig auch die Wah­len in Europa ge­winnen. Pu­tin gibt mittler­weile of­fen zu, dass er auf der Sei­te der euro­päischen Neo­nazis, der Fa­schis­ten und der rechts­po­pulis­tischen Par­teien steht. Und die wer­den sehr er­folg­reich sein. Das ist ei­ne bewuss­te Strate­gie Putins, um die EU zu ka­pern, sie zu desta­bi­lisieren und von in­nen her­aus zu zer­stören. Wenn das Er­folg hat, dann muss sich Russ­land nur noch mit Por­tu­gal, Frank­reich oder Deutsch­land als Na­tional­staa­ten aus­einandersetzen. Russ­land kann so wei­te­rhin sein Gas ver­kaufen ohne Angst zu haben, dass dem Land ir­gend­je­mand mit ei­ner gemein­sa­men Ener­gie­politik in die Quere kommt.“
    Russ­land ein Impe­rium, die Ukraine kein sou­verä­ner Staat, die Ame­rikaner an al­lem schuld: Dieses eura­sische Denken ist im heuti­gen Russ­land zum Main­stream ge­worden. In Europa ent­fal­tet diese Ideo­logie gerade erst ih­re Spreng­kraft. Der Kampf um die Ukra­ine ist viel­leicht nur der Be­ginn von Pu­tins neu­er Welt­ord­nung.

Ergänzend möchte ich auf Timo­thy Snyder verwei­sen, der dazu in der ARD und der FAZ „Rechte schließen sich zusammen, Putin führt sie an“ Erhellendes auszuführen weiß. Mir reicht das nicht, ich will noch mehr wissen, aber gestern war das Wetter zu schön, um sich mit so einer faschistischen Kacke zu be­fas­sen.
Putin-Gun