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miller-monroeIch weiß nicht mehr, wer pos­tu­liert hat, Schau­spie­ler müs­sen durch­läs­sig sein, wahr­schein­lich war es Lee Stras­berg. Ich weiß aber, dass Buñuel von der De­neu­ve gesagt hat, sie sei die durch­läs­sigste Schau­spie­ler­in, die er ken­ne. Oder war es doch Truf­faut 🙄 je­den­falls ein Re­gis­seur, für den die De­neu­ve die Lieb­lings­schau­spie­lerin war (aber das war sie ja für so vie­le) und Ozon kann es nicht ge­we­sen sein, der ist noch zu jung … es war Benoît Jacquot, sagt die Wikipedia … ich will’s mal glau­ben … Durch­läs­sig­keit, was ist da­mit bei ei­nem Schau­spie­ler ge­meint? Wir sind ja al­le klei­ne Schau­spie­ler, aber mi­ser­able, denn wir nutzen un­ser Laien­spiel da­zu, die Mau­er um uns her­um zur Festung aus­zu­bau­en. Ein gu­ter Schau­spie­ler macht das ge­naue Ge­gen­teil. Er macht sei­ne ei­ge­ne Per­sön­lich­keit durch­läs­sig für den Cha­rak­ter den er verkör­pern soll, verinner­licht ihn, ver­daut ihn und schei­det ihn wieder aus, lässt ihn wie­der durch, jetzt in ent­gegen­ge­setzte Rich­tung, Rich­tung Zu­schauer, der, wenn die Metamorphose gelingt, keinen Unterschied mehr sieht zwi­schen dem Schau­spieler und „seinem“ Charak­ter. In die­sem Sin­ne war Marilyn Monroe kei­ne gu­te Schau­spielerin, obwohl sie beim (mut­maß­li­chen) „Er­fin­der“ der Durch­läs­sig­keit in die Schu­le ge­gan­gen ist, oben er­wähntem Lee Stras­berg. Was MM in ih­rer Per­sön­lich­keit durch­ge­kaut hat, kam aus ih­rer Per­sönlich­keit her­aus als das, was sie war: ei­ne Kindfrau. Kei­ner hat das so gut er­kannt, wie der­jeni­ge, der sie ge­liebt hat, wie ein Zwei­ter* (kein Schreib­feh­ler – Wort­witz oder auch nur Dop­pel­deu­tig­keit … wenn man’s er­klä­ren muss, is­ses schon in die Ho­se ge­gan­gen). Die Re­de ist von Arthur Miller, für den Marilyn ihre Karrie­re aufgeben wollte, um nur noch Mutter seiner Kin­der und Haus­frau sein zu kön­nen. Was zum Teu­fel treibt einen so intel­li­genten Kopf, wie Miller, dazu, ei­ne Kindfrau zu hei­ra­ten? Die Schöne und das Biestund ewig lockt das Weib … OK, das ist jetzt Bardot, aber da gibt’s ein ähn­li­ches Pro­blem.

Marilyn hat Miller geliebt, nicht nur ange­himmelt, weil der mes­ser­schärfs­te Kri­ti­ker des American Way of Life sie, das blonde Dumm­chen und fleisch­ge­wor­de­nes Waren­zeichen des American Dream be­gehr­te, das ist nachvoll­zieh­bar. Aber wa­rum Er Sie? Ich ha­be mir „Zeitkurven„, Millers Auto­bio­gra­fie ge­kauft und ge­le­sen, nur um hin­ter die­ses Phä­no­men zu kom­men. Von 780 Seiten han­deln über 150 nur von Marilyn und auf weite­ren ca. 80 Seiten kommt sie zu­mindest vor. Ich mein‘, der Mann hat 90 Jahre ge­lebt und so ei­ne Auto­bio­gra­fie soll ein Leben ein­fas­sen und mit Marilyn war er gerade fünf Jahre ver­heira­tet, also ma­chen 5% seines Lebens 30% seiner Autobiografie aus. Faszinierend. Und noch fas­zi­nier­en­der ist, dass der kluge Arthur Miller auch kei­ne Ant­wort darauf hat.

Der Zusammenarbeit der Beiden haben wir einen kurzen Ein­blick in ihr bei­der In­nen­le­ben zu ver­dan­ken. Miller hatte MM eine No­vel­le, eine Rol­le auf den Leib ge­schnei­dert, die viel­leicht seiner­seits un­gewollt beider­seits auto­bio­gra­fische Zü­ge trägt: The Misfits – Nicht gesellschaftsfähig. Darin fängt Marilyn als das bekann­te blonde Dumm­chen Roslyn an, das frisch von Raymond Taber (für mich eine klare Anspielung auf Joe DiMaggio … ein riddle: Taber = Bater = Baseball – *das ist übrigens der Erste) ge­schie­den wird. Von allen Männern umworben ver­sucht sie mit dreien der Ge­sell­schaft in die Na­tur zu ent­kom­men und durch die Aus­ein­an­der­setzung mit dem in ih­ren Au­gen sinn­lo­sen Ster­ben der Pfer­de metamorphiert sie zur rei­fen, nach­denk­li­chen Frau, die sich nicht für den Mann ent­schei­det, der ih­re An­sich­ten über die Jagd auf Pfer­de teilt (den schö­nen gleich­al­tri­gen „Western­hel­den“ Mont­go­me­ry Clift), son­dern für den al­ten, le­bens­wei­sen Clark Gable (Gay Lang­land = Arthur Miller), der ihr Halt und Ge­bor­gen­heit zu ge­ben ver­spricht, mit dem sie dann in die Nacht hin­aus in ein ihr noch un­be­kann­tes „nach Hause“ fährt. Misfits ist nicht die üb­li­che MM-Komö­die und des­halb muss MM mal was raus­las­sen, durch den Pan­zer ih­rer ei­ge­nen Per­sön­lich­keit durch­las­sen. Marilyn gibt sich red­lich Mühe, spielt so gut wie nie zu­vor (und nie wie­der, denn es soll­te ihr letz­ter voll­en­de­ter Film wer­den … ebenso wie für Clark Gable), keine Komödie, aber ihr Ge­sicht(sausdruck) schei­tert letzt­lich an der Auf­ga­be. Sie bleibt, ent­puppt sich für Miller als die Kindfrau, die sie immer war. Das MM_Metamorphosisschreibt Ehemann Arthur am Set in sein Tagebuch, Marilyn liest das, ist zu Tode ver­letzt und trennt sich von Miller.

Es wird immer geschrie­ben, beide hätten die Tren­nung ge­wollt, Miller sei mit der Ta­blet­ten­sucht seiner Ehe­frau nicht mehr klar ge­kom­men. Be­stimmt wird es so ge­we­sen sein, aber sei­ne Tage­buch­ein­träge zei­gen auch, dass er von MM ent­täuscht war, weil die Metamorphose nicht ge­lin­gen woll­te … er wollte sie formen und das kann nicht gut gehen. BTW: Es gibt da einen tol­len Bild­band über Marilyn – David Wills: Metamorphosis.

Catherine Deneuve und Marilyn Monroe haben Vieles gemeinsam. Beide sind/waren nicht blond sevenYearItch … Marilyn war von Natur aus „back­stein­blond„, wie Bo­bele, Ca­the­rine ist brü­nett. Bei­den ist der Wind un­ter den Rock ge­fah­ren, Mari­lyn mit Ab­sicht in Form ei­nes Ven­ti­la­tors, ver­steckt im cd-hochzeit Ab­luft­schacht der New Yor­ker U-Bahn, der De­neu­ve nach der Trau­ung in na­tu­ra. Aber über Camus und Sartre wird sich Miller mit sei­ner Frau nur sto­ckend un­ter­hal­ten ha­ben kön­nen, ob­wohl der Exis­ten­tia­lis­mus in ih­rem Le­ben eine grö­ße­re Rol­le ge­spielt ha­ben dürf­te, als bei Catherine Deneuve.

Warum laber ich darüber so viel? Eine treue Leserin hat in einem KommentarSome like it hot“ indirekt zu Marilyns bestem Film erklärt. Wie manN/Frau Vorstehendem entnehmen kann, bin ich anderer Ansicht. Zur Versöhnung :mrgreen: gibt es die letzten 24 Minuten von Mistfits, beginnend mit der legendären Wrangler-Szene.


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Foto von Marilyn und Arthur Miller: Richard Avedon