Schlagwörter

, , , , , ,

Moulin_RougeDer SPIEGEL berichtet über „Moulin Rouge„, einen Fri­seur­sa­lon im 2500-Seelen-Kaff Causapscal/Kanada, der von dem echten Pariser „Moulin Rouge“ mit Anwälten über­fal­len worden sei und zur Än­de­rung des Namens aufgefordert wurde. An sich nicht der Rede wert, denn so was passiert täg­lich. Aber gegen Ende des Artikels stellt SPon die Frage, wie das „Moulin Rouge“ auf den kleinen Friseur­sa­lon in Kanada gestoßen ist. Nun, das kann ich aus Erfahrung beantworten. Der Über­fall stammt von der Anwaltskanzlei Deborah A. Nilson & Associates, PLLC aus New York City. Das ist für dortige Verhältnisse eine unvorstellbar winzige Klitsche mit sage und schreibe vier Anwälten, darunter zwei Frisch­lingen aus 2011 und einer geborenen Französin. Die Chefin Nilson kommt aus Syracuse/NY. Das liegt keine zwei Autostunden von der kanadischen Grenze weg. Vielleicht ist Deborah am Wochenende in der alten Heimat gewesen, um sich mit einem kurzen Sprung über die Grenze die Zähne machen zu lassen. Ist nämlich in Ka­na­da viel billiger als in den USA und erst recht in New York. Oder sie war mit ihren Kollegen Lobster essen, diesmal nicht in Maine, sondern ein paar Miles wei­ter nördlich, auf der kanadischen Seite, vielleicht in Causapscal. Oder ganz profan, eine Internet-Suche … die Welt ist klein und voller Zufälle. Man sucht nach Doubletten von Namen potentieller Klienten, z.B. „Moulin Rouge„. Da­von gibt’s natürlich massenhaft, sogar direkt vor der Haustür, z.B. die La Moulin Rouge Boutique in NY. Warum nicht die? Ganz einfach: so ein anwalts­ge­wöhnter New Yorker lässt sich doch von so einer Klitsche nicht ins Bockshorn jagen. Der hätte sich gewehrt. Also sucht man sich einen friedfertigen Kanadier zum Opfer, was zudem den Vorteil hat, dass nicht die ganze Bar über einen lacht, wenn’s vor der eigenen Tür passiert und in die Hose geht. So, nun hat man das Opfer, braucht man noch den „Kläger„. (Hinweis: der folgende, kursiv gedruckte Ab­satz ist im konkreten Fall fiktiv und nur als Beispiel dafür gedacht, wie es auch laufen kann und nicht selten läuft)

Da trifft es sich gut, wenn die Kollegin Französin ist und in fehlerfreiem french die „Moulin Rouge SA“ in Paris auf schönem New Yorker Briefkopf anfaxen kann und den ahnungslosen Parisern verklickert, was da für eine namenlose Sauerei mit dem namensgeschützten Variete im weit entfernten Causapscal/Kanada pas­siert. ManN (in diesem Fall frau) sei bereit, das für das berühmte und schü­tz­ens­werte „Moulin Rouge“ zu bereinigen, selbstverständlich kostenlos, wenn man das „Moulin Rouge“ hernach als Client referenzieren dürfe. Dazu braucht’s nur das Rückfax der anhängenden Vollmacht. (So was nennt man Kaltakquise) Na wenn das so ist … dann macht mal, hat sich „Moulin Rouge“ hoffentlich ge­dacht, denn so ähnlich agieren Anwälte in den USA tn-k-couture(aber nicht nur dort) sogar ohne Auftrag oder Voll­macht des „Kunden“ (hier war es anders, denn Nilson ver­tritt das „Moulin Rouge“ seit gut 10 Jahren in ver­gleich­baren Fällen).

Tja, nun müssen Priscilla Turcotte und Karoleen Couture (Facebook-Foto rechts) für ihren Laden nach 11 Jahren bis zum 14. April 2014 einen neuen Namen finden. HALT! Müssen sie gar nicht, denn die Anwaltsklitsche aus NYC hat keine Chance. Die be­rufen sich auf Warenzeichenverletzung. OK, dann schauen wir in der WIPO-Datenbank mal nach, was für das „Moulin Rouge“ so eingetragen ist …
wipo-moulin
Oh, ’ne Menge, aber gehen wir ins Detail (PDF). Aha, nix mit Haaren (ich habe nur einen Auszug hochgeladen, aber, glauben Sie mir, alle Registrierungen ge­checkt … nigges). Ich nehme mal an, dass Nilson, die ja keine Anfängerin ist und das „Moulin Rouge“ in solchen Fällen seit 10 Jahren vertritt, das weiß. Ich gehe ferner davon aus, dass Priscilla Turcotte und Karoleen Couture nicht so frech waren, das geschützte Bildzeichen des „Moulin Rouge“ zu tm-mourouverwenden (denn dann spielen die Haare keine Rolle mehr). Unter diesen beiden Prämissen ist das Vorgehen dieser Rechts­ver­dre­her Betrug und Erpressung, und das nicht sprich­wört­lich, jedenfalls nach deutschem Recht. Ich weiß ja nicht, wie es in Kanada aussieht, aber hier hätte ich Priscilla Turcotte und Ka­ro­leen Couture geraten, Nilson einen netten kurzen Brief zu schreiben: „Liebe Rechts-Erpresser, ihr könnt mich mal am Arsch lecken“ … und eine Kopie von allem und den Markenregistrierungen des „Moulin Rouge“ an die Bar in NYC ge­schickt. Ruhe im Karton!

Aber die liebe Karoleen Couture will keinen Streit, wie sie Radio Canada im Video erklärt. Sie will wohl lieber weiter in Ruhe die Haare schön machen und singen

Jupp, das ist „unsere“ kleine kanadische Friseuse. Nicht schlecht, oder?

HINWEIS: Wenn Sie oben kein Video von dailymotion sehen können, dann haben Sie diese Seite in https angesurft. Machen Sie das “s” wech (oder klicken Sie hier drauf), dann klappt’s.

Ich hoffe, dass über das ohnehin längst runter gekommene „Moulin Rouge“ und Deborah A. Nilson & Associates ein Shitstorm losbricht.

Foto Moulin Rouge: aconcagua/Wikipedia CC 3.0