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dvd-dongioIch bin noch die Antwort auf die ungestellte Frage schuldig, was mein Favorit unter den Opern­film ist. Mozarts „Don Giovanni“ in der Verfilmung von Joseph Losey. Warum? An der Film-Qualität bzw. der DVD kann es nicht lie­gen, denn die ist unter aller Sau. Das Bild geht ja noch so, obwohl etwas „nebelig“ und krisselig, aber der Ton … meine Fresse. Ich kann nur was über die deutsche Ausgabe von Concorde (links das Cover) sagen, das zur Ein­schrän­kung, aber ich glaube nicht, dass es bei an­de­ren Sprach­aus­ga­ben besser ist, denn auch Eng­länder und Franzosen be­schwe­ren sich z.B. bei Amazon darüber. Der Ton wird als Digital Dolby 5.1 angeboten und als normaler Stereo-Ton. Letz­te­rer ist besser. Beim Ab­mischen des ac3 in 5.1 muss was fürch­ter­lich in die Hose ge­gan­gen sein. Ich habe meine originale DVD natürlich zur Super-HiRes-DVD umgefrickelt (mehr dazu bei Carmen). Die Farben (da kann man viel dran rum­spie­len) sind jetzt satt und das Bild fast gestochen scharf (in dem Punkt sind die Verbesserungsmöglichkeiten beschränkt). Beim Ton konnte ich auch einiges verbessern. Zuerst wollte ich den Ton von der Audio-CD verwenden, denn der ist erstklassig cd-dongiound diese 3er-CD von CBS wurde zurecht in deren Master­works (rechts) aufgenommen. An sich wäre hier die Kombination DVD/CD op­ti­mal, denn der DVD-Ton ist bei die­ser Produktion das, was im Studio für die CDs auf­ge­nom­men wurde (hier täuscht sich Peter Fuhrmann in der ZEIT). Nur hat man bei Gaumont nachträglich Hin­ter­grund­ge­räusche und dergleichen rein geschnitten für Film-Szenen, in denen „Bewegung“ ist. Ein Beispiel anhand der Fecht­szene zwischen Don Giovanni und dem Commendatore. Zieht man den Film- Vor­spann ab, dann müsste diese Fechtszene bei 9:56 min. anfangen. Sie fängt aber auf der CD 11 Sekunden früher an. Das ist die Zeit, die Don Gio braucht, um im Film vom 1. Stock des Dogenpalastes runter in den Hinterhof des Mar­kus­pla­tzes zu kommen (das ist am Original-Schauplatz in Venedig gedreht worden – schon deswegen liebe ich den Film). Im Studio kann für die CD gleich los­ge­foch­ten werden, denn da steht ja Ruggero Raimondi immer direkt neben John Macurdy :mrgreen: Im Schnitt laufen DVD und CD etwa 2:20 min. auseinander, aber durchnittlich synchron ist natürlich Scheiße. Am Ende vom 1. Akt hat die CD die DVD wieder bis auf 39 Sekunden eingeholt, weil man im Film ein (er­klä­ren­des) Rezitativ durch selbsterklärende Bilder ersetzt hat (künstlerische Freiheit ❓ ) Egal – jedenfalls war der starke CD-Ton für meine Super-DVD unbrauchbar und deswegen habe ich den passablen Stereo-DVD-Ton auf Surround getrimmt und dabei aufgehübscht. Nu kann man sich’s anhören, ohne Tinnitus zu kriegen.

Die Schauplätze des Film sind für mich ein Grund ihn zu lieben, Ruggero Rai­mon­di ein anderer. Von allen Don Gios auf DVD die ich kenne, singt er den Wei­ber­hel­den am besten. Überhaupt ist die Besetzung hochkarätig. Muss man sich mal vorstellen: Teresa Berganza singt hier (als Mezzo) „nur“ die Zerlina. Donna Elvira bleibt Kiri Te Kanawa vor­be­halten, die wahrlich vornehm tut und trotz Don Gios Verarsche die Contenance behält … manchmal zu sehr, als habe sie einen Stock im Po 😳 Der oben erwähnte Peter Fuhrmann hackt in der ZEIT fürchterlich auf Edda Moser (Donna Anna) rum, dabei finde ich die gar nicht so schlimm, bisserl spitz, aber sie muss sich schließlich über zwei Stunden quasi rund um die Uhr über alles Mögliche aufregen 😆 Da hätte ich an José van Dam (Leporello) mehr zu meckern … tu’s aber nicht.

Don Giovanni, die Oper muss man einfach lieben … also ich muss das … diese Mischung aus Tragik und Komik ist unter Opern einzigartig. Bei Verdi, Puccini und dem Rest der Pizza-Connection ist alles immer so dramatisch, Liebe stirbt (La Boheme), oder wird gestorben (wie Otello seine Desdemona), oder bringt sich gleich selbst wie Tosca um. In Don Gio ist Liebe auch Lust (wie bei Bizets Carmen, aber der wird dann am Ende doch italienisch) und Take it Easy, eben echt Wolferl. Von den drei Großen (Figaro – Don Giovanni – Cosi fan tutte) ist die auch zeitlich Mittlere IMHO die Größte. Da hat Mozart noch nicht so viel von sich selbst copypasted wie in Cosi fan tutte 😛 ktek

Ruggero Raimondi, der in Carmen ne­ben Julia Migenes und Placido Do­min­go für mich etwas blass wirkt, läuft als Don Giovanni zur Höchstform auf, auch schauspielerisch. Über Berganza kann man nix schreiben, sie kann’s halt … vielleicht hätte sie beim So­pran bleiben sollen, aber als Mez­zo knapp darunter ist sie die beste Zer­li­na aller Zeiten. Und Kiri (rechts) ist eben Kiri … apart, eine echte Dame … hören Sie selbst

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Zum Vergleich das Experiment, Elvira im Mezzo (Cecilia Bartoli – YT-Link). Auch nicht schlecht, zumal Wolferl ein Faible für Mezzosopran hatte. Aber Kiris Sopran ist ja schon was dunkler, optimal. Sie müssen sie mal in West Side Story hören, von Bernstein selbst dirigiert. Wem bei Kiri-Marias „I Feel Pretty“ oder „I Have a Love“ kein Schauer den Rücken run­ter­läuft, kann unmöglich bis hier­hin ge­le­sen haben. Vom „Making of West Side Story“ gibt es eine tolle Doku (volle Länge, 88 min. – sehenswert):

Jupp, meinen Don Gio gibt es auch in ganzer Länge im Netz, einmal auf einem Chinesen-Server und dann natürlich bei den Holland-Russen :mrgreen: Aber lohnt sich die Saugerei? Ich meine nein. Der Film wurde auf 800 MB gequetscht, was das eingangs kritisierte Bild auch nicht besser macht und bei JPC kostet die DVD keine 8 Euro … aber wer’s unbedingt will (aber nicht verlinkt!):
dfiles.eu/files/do8fzflnq

Richtig, Stichwort Dirigent: Loseys Don Giovanni dirigiert Lorin Maazel, klar … Raimondi –> Maazel –> eingespieltes Team.