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operafatalDie Begeisterung für Opern hält sich heute eher in Grenzen. Viele können nicht ver­ste­hen, warum die „Schauspieler“ nicht ver­ständ­lich sprechen, wie sie es aus dem „Tat­ort“ gewöhnt sind, sondern statt­dessen un­ver­ständ­lich „Jaulen„, das auch noch durch­ein­ander und meist in italienischer Sprache. Seltsam, denn die meisten Menschen rea­gie­ren auf Musik, auch heute noch, oder warum laufen opern-resistente Kids ständig mit den Knöpfchen im Ohr rum und lassen sich aus iPhone & Co. be-hip-hoppen? Die gleichen Kids gucken auch Liebesfilme. Ey, Alder, spinnst du, ich gugg doch keine Liebesfilme. Is voll schwul … Ach nee, was guggt denn unser Gangster so? Na Avatar und so. Richtig, Avatar war der erfolgreichste Film aller Zeiten. Und, was ist die Story zwischen Jake Sully und Neytiri anderes als eine Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen aus ver­schie­de­nen Welten, die erst durch die magischen Kräfte eines Baumes zu­sam­men­fin­den können? Da fragt sich der Opernfan unwillkürlich: Und wann hat die Zauberflöte ihren Auftritt? Beim zweiterfolgreichsten Film ist es einfacher, das Genre zu erkennen: Titanic.

Wenn unsere Kleinsten Susi und der Strolch, König der Löwen oder Cinderella sehen, dann sind sie eigentlich schon potentielle Opern-Fans, denn in diesen Zeichentrickfilmen wird gesungen und sich verliebt. Ein bisschen lebt die Oper weiter in den erfolgreichen Musicals, wurde amerikanisiert, und die haben nicht von ungefähr oft Disney-Filme zur Vor­lage, wie bei Die Schöne und das Biest. Jeden­falls steht es so in der Wikipedia, dass dieses Musical auf dem Disney- Comic basiert. Tja, Irrtum sprach der Igel und stieg von der Klobürste. Vorlage ist das mindestens 300 Jahre alte französische Märchen „La belle et la bête„, dass, wie sein deutsches Pendant „Tausendschön„, oder Aschenputtel, aber auch Froschkönig, zum Märchentyp 510a gehört. So wie Aarne Märchen ty­pi­siert hat, kann man auch Opern in Schubladen stecken … und die pas­sen­den Filme gleich dazu. Am beliebtesten ist die Kategorie armes Mädchen und reicher Junge (oder umgekehrt, wie bei Titanic). Jedenfalls kommen die Lie­ben­den aus verschiedenen, sich feindlich gesellten Welten, wie etwa Romeo und Julia (aus denen dann Tony und Maria in der West Side Story wurden), aber auch bei La Traviata, bzw. der Kameliendame: der Sohn aus reichem, gutem Haus und die Edel-Nutte. Oder wie wäre es mit dem Aschenputtel, das mit Julia Roberts zur aus dem Ei einer ganz unedlen Nutte gepellten „Pretty Woman“ wird. Wenn die als Pretty Woman verkleidete Hure in San Francisco „La Traviata“ sieht und sich dabei „fast in die Unterhosen pinkelt„, dann steht Eliza mit dem Pfahl winkend am Lattenzaun. Aber auch bei diesem Film, wie schon bei die Schöne und das Biest, denkt man zu kurz, wenn man bei der Suche nach dem Ursprung bei My Fair Lady stehen bleibt, nur weil Pretty Woman sich so schamlos an deren Motiven bereichert (Pferderennbahn = Poloplatz usw.). Wenn man noch tiefer bohrt, dann springt einen natürlich das Pygmalion-Motiv regelrecht an. Überhaupt steckt Pretty Woman so voller filmischer und li­te­ra­ri­scher Anspielungen, man könnte es in Slow Motion sehen und würde doch vieles verpassen.

Gute Opern sind wie gesungenes Leben: Es geht um Liebe und Leidenschaft, Macht und Geld und Intrigen. Eine gute Oper muss auch gut inszeniert werden. Ich bin kein Freund des modernen Regietheaters. Man kann auf barocken Firle­fanz verzichten und trotzdem nahe am „Drehbuch“ des Komponisten bleiben. Die hier bereits vorgestellte La Traviata mit Anna Netrebko ist ein gutes Beispiel dafür, obwohl auch dort Verdi ins Handwerk gepfuscht wurde und ein wenig mehr Requisite der Oper nicht schlecht getan hätten. Nur eine Uhr als Symbol des nahenden Todes … das ist ja fast wie Warten auf Godot. Gute In­sze­nie­run­gen sind rar und in Deutschland kaum zu finden und wer kann es sich schon leisten, mal eben zur Scala oder Met zu jetten, um einer Mimi das eiskalte Händchen zu halten. Es würde sich auch nicht lohnen, wenn diese Mimi Anna wäre, denn so gut und lasziv Netrebko die Violetta gegeben hat, so schlecht und nuttig macht sie Mimi. Und, seien wir mal ehrlich, Villazón ist kein Pavarotti. Dem Dicken konnte man den jugendlichen Liebhaber Rodolfo nur ROFL schlecht ab­kau­fen, wie auch Montserrat Caballé keine Violetta spielen soll­te, aber stimmlich hatten die Beiden es eben drauf, was man von Anna und Rolando nicht unbedingt behaupten kann. (Warum ich mich vor Lachen auf dem Boden kugele? Ich denke grad an Birgit Nilsson … nicht Brigitte Nielsen 🙄 … als Salome beim Schleiertanz, die Nummer mit dem Vorhang … OK, was für Insider 😆 ).

Weil man gute Opern nur selten live zu Gesicht (und Gehör) bekommt, ist es gut, dass ab und an welche im Fernsehen übertragen werden und viele auf DVD zu bekomen sind. Unter den Vielen Spreu und Weizen zu trennen, ist nicht leicht. So ist z.B. La Boheme mit Netrebko und Villazón auf DVD eine Zumutung für Puccini-Fans. Aber wie gesagt, so hübsch wie Anna war IMHO seit Lisa della Casa keine Diva mehr. Weil ich grad bei Puccinis La Bohème bin. Es gibt da eine tolle Inszenierung aus Down Under. Jupp, die Aussies machen klasse Opern und wer sich an Joan Sutherland erinnern kann oder an Kiri … 😳 Kiri ist ja eine Kiwi … egal, auch down under … denkt, der bohemeweiß, dort wird auch klasse klassisch gesungen. Ich möchte meine Be­gei­ste­rung für Opern gern teilen und werde hier aus meinem Fundus ab und an eine Opern-Inszenierung vorstellen.

Den Anfang macht La Bohème aus Sydney, modernisiert und doch üppig, mit der hinreißenden Aussie Cheryl Barker als Mimi (Arthaus/Naxos – links das original Cover, sieht in Deutsch­land anders aus). Traumhafte In­sze­nie­rung. Wer sich bei kalten Händ­chen hier nicht bepinkelt, hat keine Seele. Schauen Sie es sich schon mal in voller Länge an. Opern­fans werden sich dann sicher die DVD zulegen:

Noch etwas zur Überschrift und dem Bild oben links. Es handelt sich um das Computer-Spiel „Opera Fatal – Die haarsträubende Suche nach den ver­schwun­den­en Noten„. Mein Tipp für Eltern von Kleinen im PC-fähigen Alter, die auf moderne Art ihren Nachwuchs in die Welt der Harmonien einführen wollen. Ich verspreche Ihnen, wenn ihre Kids das durchgespielt haben, gibt es im Mu­sik­un­ter­richt nur noch Einsen und sie erklären dem Mu­sik­leh­rer, was ein um­ge­kehr­ter Sept­ak­kord ist und warum die BLUE NOTE eigentlich von Johann Se­ba­stian Bach stammt. Weiß gar nicht, ob es das Spiel noch gibt – laut Ama­zon bei diesen An­bie­tern für lausige 2,50 – und ob es unter Win7 läuft (wahrscheinlich im Kom­pa­ti­bi­li­täts­mo­dus).