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Shopping_cartsNeulich an der Supermarkt-Kasse. Vor mir eine Mutter, um die 40, mit zwei Mädels, um die 15, eine davon die aus dem Gesicht geschnittene Tochter. „57,34“ flötet die Kassiererin. Mutter wird beim Verpacken ihrer Ware anscheinend vom Umstand überrascht, dass diese bezahlt werden muss, denn Geld ist nicht parat. Die Kassenschlange wird lang. Mutter taucht zurück in des Einkaufswagens Tiefen und weiter zum Bodensatz ihrer Handtasche, aus deren Sumpf eine Geldbörse gefiltert wird. Die Mädels lassen die Chance ungenutzt, weiter Muttis Ware zu verpacken. Die Kassenschlange wird länger. Die Kassierin beginnt meine Ware über den Scanner zu ziehen, soweit Mutters Ware dahinter Platz gelassen hat. Mein Vorschlag an die Kasse: „Reichen sie mir doch das Gebuchte rüber.“ „Geht nicht, muss erst in den Wagen gucken.“ Mutter antwortet „Karte„. Zahlungsmittel Bares ginge schneller, denk ich im still länger werdenden Stau. PIN ist eingegeben, Geldbörse wieder im Sumpf, Mutter verpackt weiter, Mädels gucken weiter zu. „Ich kann den Wagen ja zum Reingucken hoch heben.“ „Ich glaube nicht, dass sie ihn hoch kriegen“ 😳 „Wie darf ich das verstehen„, grinse ich zurück. Es denkt. Höre den Groschen fallen, kann aber den stark überschminkten Ausdruck nicht deuten. Vielleicht „Was will der alte Sack„. Übern Scanner ziehen gewinnt Zeit. „Ich meine, der Wagen ist zu schwer.“ Der Altersunterschied ist zu groß. Komme der Schminke entgegen „Schon gut, habe verstanden“ und verpacke meine Ware, deren überschätzten Preis als Schein bereits in der Hand haltend. Die Schlange dankt mit Murmeln, dass ich nicht nachbohre. War meine Verständnis-Frage unflätig, ein Brüderle? Nee dat, die Schminke war unflirtig. Sehnsüchtig erinnere ich mich an Toronto, die Verkäuferin aus dem Basement. Lange Geschichte. Hier die Kurzfassung.

Es ist über 30 Jahre her. Ich war auf dem Weg von New York nach Toronto. Durch meinen Fehler ist mein Gepäck jenseits Niagara Falls an der kanadischen Grenze hängen geblieben. Freitag, Wochenende, bis Montag nicht dran zu kommen, werde ich aufgeklärt. Keine frische Unnerbux, keine Zahnbürste und das Schlimmste, keinen Rasierer. Ich hasse Haare in meiner Fresse. Nächstes Kaufhaus angesteuert, noch vor dem Einchecken ins Hotel. Unterhose und Zahnbürste, kein Problem, aber Rasierer? Elektrisch, is klar, aber diese unbekannten Marken. PHILIPS! „Das kennst du!“ Ich bin aufgefallen. „Kann ich helfen?“ „Ja, nein„, stammele ich und erkläre kurz die Klemme, in der ich stecke. „No, PHILIPS is OK. Which color?“ (oder sagen Kanadier „colour„?) „Black“ lautet meine langweilige Antwort zur schwarzen Schönheit. Sie schaut mitleidig. „Black is boring. Take the red one, its fun … lovely“ Ich wache langsam auf, mein Stichwort: „Black isn’t boring, black is love … funny“ echoe ich zurück. Black Beauty kapiert (na eigentlich hat sie ja den Flirt angestoßen). Ich kaufe rot und bekomme Schwarz … das erste Mal im Leben. Das Mädel war flirtig. Shame on me, dass ich ihren Namen vergessen habe.

Und, liebe Schminke, ich hätte ihn hoch gekriegt … den Einkaufswagen.

Foto des Shopping Carts: Nino Barbieri/Wikipedia, CC 3.0