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Auf den ersten Blick erscheinen 250 Millionen Dollar für die Washington Post als Schnäppchen, auf den zweiten weniger, denn ohne die anderen Unternehmen der Washington Post Company (z.B. Kaplan, StudentAdvisor.com, Slate Group, SocialCode, Post-Newsweek Stations) ist die defizitäre Post schon seit Jahren lebensunfähig. Diese amerikanische Presse-Ikone am Leben zu erhalten kostet Millionen … jährlich. Wie ein Philanthrop sieht der Käufer und Amazon-Gründer (-Boss) Jeff Bezos nicht gerade aus. Sicher ist er so reich, dass er sich das teure Hobby roter Zahlen einer Tageszeitung leisten kann, aber angeblich will er sich ja nicht ins Tagesgeschäft der Post einmischen und das Blatt wie eine exotische Briefmarke zu betrachten, dazu ist seine nur aus dieser Zeitung bestehende Sammlung (noch) zu klein. Alles soll so bleiben, wie es war, schreibt er den Mitarbeitern der Post in seiner Zeitung am Tag nach dem Kauf. Dann müssten ja auch die Verluste bleiben. Das kann der Parasit, der den Buchhandel getötet hat und dessen Amazon kaum Steuern in seinem größten Auslandsmarkt Deutschland zahlt (FAZ) einem erzählen, der den Hut mit dem Hammer aufsetzt. Für Typen seines Schlages geht es um Frauen (die Post ist zwar weiblich, aber das Motiv kann hier wohl vernachlässigt werden), Geld (hat er schon und mit gedruckten Zeitungen lässt sich keines mehr verdienen) oder Macht. Wie man ein Beinahe-Monopol aufzieht, das weiß Bezos. Wie die Washington Post zum Kristallisationspunkt eines wie auch immer gearteten neuen Monopols werden kann, bleibt vorerst sein Geheimnis, aber das wird sich schnell ändern, denn Geduld ist Bezos Stärke nicht.

Alles wird sich ändern, ändern müssen, wenn Bezos mit der Post Macht aufbauen will, denn journalistisch ist diese Zeitung längst keine Macht mehr. Die Tage der WaPo von Bob Woodward und Carl Bernstein, als die Eigentümer Katharine Graham, eine eingefleischte Republikanerin, ihre Reporter deckte und diese den republikanischen Präsidenten Richard Nixon demontierten ließ, sind Geschichte. Damals war die Post würdig, als vierte Säule der Gewaltenteilung zu gelten, nannte man sie die „Prawda am Potomac“ und hielt sie für links (nach amerikanischen Maßstäben :mrgreen: ) Seit Jahren rutscht sie aber nach rechts auf der Schleimspur des koreanischen Revolverblatts „Washington Times“ (gehört der Vereinigungskirchen-Sekte) und ist von dieser, nicht nur äußerlich, kaum noch zu unterscheiden. Um diese Post ist/wäre es nicht schade.

Was Bezos auch immer mit der Washington Post will, auf Papier wird es sie nicht mehr lange geben und wenn die Sulzbergers mit ihrer New York Times nicht durchhalten, dann ist die Presse in den USA mausetot. Also noch ein kurzer Blick zurück im Zorn auf die Ausgaben vom 6. August 2013
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und 9. August 1974
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