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prismpediaDie deutsche Wikipedia kennt Stellar Wind nicht, da dachte ich mir, schreibt doch selbst was dazu. Also: Ganz grob ist Stellar Wind der Vorläufer von ❓ ja was eigentlich? Stellar Wind 2.0?

Stellar Wind gibt es offiziell seit dem 31. Oktober 2001 und wurde von George Doppel-U. Bush kurz nach 9/11 ins Leben gerufen. Damit wurden vier existierende geheime Lauschprogramme der US-Geheimdienste zusammengefasst, ausgeweitet und deren Arbeit gebündelt. Diese „Dienste“ hatten bis dahin oft aneinander vorbei gearbeitet. So hatte die CIA z.B. die 9/11-Attentäter bereits im Visier, während das FBI noch im Dunkeln tappte. Dem Namen nach gibt es mindestens zwei der so gebündelten Geheimprogramme noch heute unter einem neuen gemeinsamen Schlapphut: MAINWAY und MARINA. MAINWAY wurde schon sieben Monate vor 9/11 gestartet. Rechtsgrundlage für „Stellar Wind“ sollte der Patriots Act vom 24. Oktober 2001 sein. Alle früheren Spähprogramme stützten sich auf den Foreign Intelligence Surveillance Act von 1978 (FISA), den es immer noch gibt, genauso wie das damals zur Überwachung installierte geheime FISC-Gericht.

Am 26. Januar 2004 erklärte Bundesrichterin Audrey Collins den Patriots Act in Teilen für verfassungswidrig. Auch dem damals amtierenden United States Attorney General James B. Comey dämmerte am 12. Oktober 2004, dass illegal sein dürfte, was die Bush-Regierung da verzapft. Der immer wieder verlängerte und veränderte Patriots Act wurde in der Folge auf neue juristische Beine gestellt.

Im Dezember 2008 (Obama war bereits gewählt) wurde Stellar Wind an die New York Times verpfiffen. Der Whistleblower hieß Thomas Tamm, ein Mitarbeiter des US-Justizministeriums (ausführlicher Bericht in der Newsweek – heute Daily Beast). Als die New York Times Stellar Wind aufdeckte, hatte das Programm bereits einen neuen gesetzlichen Unterbau und war zum Boundless Informant mutiert. Gebündelt wurden nunmehr nicht nur die Daten der US-Geheimdienste, sondern aller angeschlossenen Schnüffler. Dabei entstand eine Zwei-Klassen-Gesellschaft: Die Five Eyes und der Rest. Die Five Eyes United States, United Kingdom, Kanada, Australien und Neuseeland (in der Grafik blau eingefärbt) sind historisch gewachsen. Ursprung ist deren Zusammenarbeit im WWII und danach im Project SHAMROCK.
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Mitglieder 2. Klasse sind z.B. Deutschland, Japan, Norwegen, Südkorea und die Türkei. Hauptbestandteil des Datenverbundes ist weiterhin MAINWAY, für das die größte Datenbank der Welt aufgebaut worden war.

Allgemein wird angenommen, dass Stellar Wind (2.0) aus den vier Programmen Nucleon – Mainway – PRISM – Marina besteht und die „Arbeitsteilung“ stellt man sich so vor:

Metadaten Inhalt
Telefon Mainway Nucleon
Internet Marina PRISM

Als Arbeitsschema taugt dieses Bild aber nicht, und zwar schon deshalb, weil eine Reihe von Unterprogrammen fehlen, wie z.B. das für Videos zuständige PINWALE. In der englischen Wiki steht, PINWALE sei für Emails zuständig, aber das ist falsch, wie diese NSA-Folie zeigt.
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In dieser Grafik spielen die „Aliens“ zwar keine Rolle, aber sie weist doch den Weg zum Aufbau des Ganzen. Besser als der obige „Rubik’s Cube“ aus Nucleon – Mainway – PRISM – Marina erscheint mir ein konzentrischer Aufbau. Alles, was man hat, auch wenn man es (wegen Verschlüsselung) noch nicht verwerten kann oder wegen störender Gesetze nicht verwerten darf, kommt in den großen Tank, den Kern des Systems (NUCLEON), der von Ringen aus Metadaten (z.B. MAINWAY und MARINA) und Filtern umgeben wird. Zusätzlich gibt es noch Kontroll-„Instanzen“, mit denen die Mitglieder 2. Klasse belauscht werden (sicher ist sicher, damit wir keine Dummheiten machen), wie etwa DROPMIRE für die EU.
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Besitzer des großen Tanks ist die NSA, die die Arbeit der anderen Dienst damit unterstützen soll und so eine zentrale Rolle übernimmt. Beliefert wird die NSA und ihr Tank von den anderen US-Diensten, wie FBI, CIA und den „Privaten“ (Google, Yahoo, Apple etc.) Auch die Aliens dürfen liefern, bekommen aber nix zurück (wahrscheinlich mit Ausnahme des größten Lieferanten, UK mit seinem TEMPORA-Programm), jedenfalls keine Rohdaten und was sie bekommen, regeln die besagten Filter. Diese „Einbahnstraße“ regelt X-Keyscore, eine GUI, Frontend für Freund und … neee, nicht Feind, aber „Zweitklässler“.
X-KEYSCORE2

Damit bei dem eingeschränkten Feedback nix schief geht, wird das ganze quasi in Australien gespiegelt, ohne den Kern NUCLEON, der gerade in Utah einen neuen (körperlichen) Tank bekommt.

upstream-promo-606Was es an Codenamen sonst noch gibt, wie Blarney, Fairview, Oakstar etc. ist nur dazu da, um die vielen Zapfstellen zu unterscheiden, die als „UPSTREAM“ zusammengefasst werden.prism_slide_4 Damit werden Daten jeder Art abgegriffen, bevor sie ihr Ziel, oder Zwischenziel erreichen. Zwischenziele sind z.B. die großen Provider und Datenschleudern, wie Google usw, das „Team NSA„. Bei denen wird sicherheitshalber auch gezapft und was von denen kommt, quasi der DOWNSTREAM, wird unter dem Begriff „PRISM“ koordiniert. Dieses „PRISM“ wurde zum Namensgeber des NSA-Skandals, ist aber nicht dessen Krone. Das ist und bleibt „Stellar Wind“ (2.0?), egal wie das Kind aktuell heißen möge.

So sehe ich es am 22. Juli 2013, aber da wird sich sicher noch viel ändern und dann werde ich mein Gelaber anpassen.

PS: Ich weiß, dass meine Sicht der Dinge teils gravierend von dem abweicht, was in der Presse, Wikipedia und sogar bisher von mir geschrieben wurde, aber ich armer Tor kann nicht anders :mrgreen: