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Nach Bekanntwerden des Interviews, das Glenn Greenwald der argentinischen Zeitung La Nacion gegeben hat, ging es gestern in den amerikanischen Medien noch hoch her. Greenwald wurde u.a. vorgeworfen, er wolle die USA erpressen. Gar kein so abwegiger Vorwurf, wenn man nur gelesen hat, was Reuters aus dem Artikel in der La Nacion gemacht hat. Greenwald hat sich später gegen die dortigen Verdrehungen gewehrt, aber Reuters lässt das kalt. Greenwald hat dann gegenüber AP für Klarheit gesorgt:

Die Washington Post ist auch nicht besser, denn die brauchte 48 Stunden, um üble Verleumdungen gegen Greenwald zu korrigieren. Bei der Post kann man das fast noch verstehen, denn Snowden beliefert dieses Blatt offensichtlich nicht mehr mit neuem Material. Die letzten Enthüllungen kamen nur noch vom GUARDIAN. Ich habe mich gestern durch die amerikanischen Medielandschaft geklickt und dort wird Snowden uni sono „gehängt“, sogar in liberalen Medien, wie POLITICO. In den USA geht es überhaupt nicht mehr um das Thema Abhören und Privatsphäre, sondern nur noch darum, wie man Snowden fassen kann und wie er zu verurteilen ist, und das quer durch die politschen Lager. Ein Beispiel aus der gestrigen Sendung von Chris Wallace, FOX. In dessen Talk waren die Demokraten mit der früheren Abgeordneten Jane Harman vertreten. Die verwies auf den Freispruch von Zimmerman (ZEIT) und meinte, das zeige doch „that we do trials pretty well here“ und deshalb müsse man auch Snowden kriegen und in den USA vor Gericht stellen. Als Wallace nachfasste „to try to get him here?“, weil das „get“ doch etwas doppeldeutig klang (Entführung?), sagte Harman:

      Well, I hope. I don’t know what happened in that phone call, but I hope we got pretty tough. I don’t think they should be harboring this guy, and I don’t think any other country should give him asylum if they want to have reasonable relationships with us going forward. He has been charged. He hasn’t been convicted. My personal view is that what he did was pretty darn serious, and we don’t even know the extent of the damage yet, and it violates our laws, but he has been charged and he needs to be convicted of those charges (Transkript).

Aha, das versteht man also bei „Lawmakers“ unter einem fairen Prozess, dass er am Ende verurteilt werden muss. Der Gag ist nicht neu, den hatten wir schon vor über 600 Jahren:

Die Nürnberger hängen keinen – sie hätten ihn denn zuvor!

Aus dem War on Terror ist in den USA längst ein War on Truth geworden, nicht erst seit PRISM und Snowden. Dabei müsste es doch völlig egal sein, wie PRISM & Co. aufgeflogen sind, wenn es um die Sache geht. Nehmen wir mal an, die NSA hätte die PRISM-Dokumente in der Amazon-Cloud gespeichert (NSA hat tatsächlich Plattenplatz bei Amazon gemietet) und durch einen Softwarefehler oder einen „Alien“ wären diese Dokumente für Jan und Allemann sichtbar geworden, ganz ohne irdischen „Verrat“, wen hätten die USA dann an den Pranger gestellt? Wie hätten die Spin-Doctors dann vom eigentlichen Thema ablenken können? Wahrheit wird ja nicht unwahr, weil sie auf eine Weise ans Tageslicht kommt, die den Gesetzen des Landes widerspricht, das Gesetze der Wahrheit gebrochen hat.

Es ist immer dasselbe mit den USA (aber nicht nur dort). Daniel Ellsberg wollten sie damals 115 Jahre in den Knast schicken, weil er die Pentagon-Papiere veröffentlicht hat, nicht die Präsidenten seit Truman, die nach WWII gezielt auf Vietnam „hingearbeitet“ haben und nicht NSA und CIA, die den Tonkin-Zwischenfall gestaged haben, um den Vietnamkrieg vom Zaun zu brechen.

Nichts von dem, was Snowden verpfiffen hat ist bisher als unwahr oder falsch von US-Seite dementiert worden. Im Gegenteil hat die NSA das Anzapfen der Microsoft-Cloud zugegeben und Microsoft sagt zum Unterlaufen des Verschlüsselns nur „das müssen wir machen“. Schön, aber wir müssen da nicht mitmachen.

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