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p_kaasIch schätze sie sehr, auch ihrer Stimme wegen (wenn Beine singen könnten 😆 ), aber die letzte Scheibe von Patricia Kaas ist in meinen Ohren eine Zumutung. Und wenn Madame tausend Mal beteuert, Edith Piaf sei ihr Vorbild, dann soll sie sich gefälligst nicht an dem vergreifen. Grönemeyer ist auch kein neuer Hans Albers, nur weil er so schön nuschelt und schon mal ’ne Seemanns-Mütze getragen hat. Zwischen dem Cover ihrer ersten Single „Jalouse“ (oben) und dem von „Kaas chante Piaf“ liegen 27 Jahre und Welten. Klar, Mademoiselle hat sich weiter entwickelt und auch verbessert, aber der neuen CD fehlt was. Nennen wir es Feuer. Lieder wie „Hôtel Normandy“ oder „Les lignes de nos mains“ waren für mich 1993 bzw. 97 auch wegen der Leidenschaft, mit der sie vorgetragen wurden, Meilensteine des modernen französischen Chanson. Und 20 Jahre später wird Eingemachtes ein wenig neu phrasiert und aufgewärmt serviert und verdirbt mir den Magen wie ein versalzenes Gericht. Ok, die Gegenwart is nix, retour vers le futur.

Ich habe da ein paar alte Schätzchen ausgegraben und restauriert. Die Qualität ist teilweise zwar immer noch lausig, aber die Bilder können ja auch schon fast historisch genannt werden. Es beginnt mit dem bereits erwähnten Jalouse von 1985 und einer Patricia von noch nicht ganz 19 Jahren beim ersten TV-Auftritt. Danach folgt gleich zweimal ihr erster Hit „D’Allemagne“. Da war Patricia 20 bzw. 21 Jahre jung.
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Im mittleren Clip blitzt schon das „sexe forte“ durch (bei der Aufnahme hatte élève Patricia noch arge Probleme mit dem Playback … war nicht einfach das lipsync zu bekommen). Ein TV-Journalist hat sie mal in einem Interview gefragt, warum sie in ihren Auftritten und Videos so mit der Erotik spielt (der Mann war Franzose :mrgreen: ). Die Antwort: „Ich bin eben eine Frau“. Kurz und (k)nackig. So lieb ich sie, nicht nur die Kaas, sondern die französische Frau an sich. Sie weiß, was sie an sich hat und was Männer an ihr haben können. Hier ist ein Beispiel mit Nippelalarm (bei 1:33 min. und weiteren Stellen):

„Il me dit que je suis belle“ ist eines ihrer besseren Chansons. Vom oben erwähnten Hôtel Normandy gibt es leider keinen Clip, dafür aber von Les lignes de nos mains:

Damals (1997) hatte ich zumindest noch den Eindruck, der Singsang macht ihr Spaß. Und nun das! Was? Damit deutlich wird, was ich meine, zeige ich im Vergleich, wie Piaf von Patricia Kaas interpretiert wird und wie es ZAZ macht. Was Kaas in den Ausschnitten singt, ist zwar nicht von der neuen CD, aber auf der klingt das genauso. Die Reihenfolge:

  1. Kaas: La vie en rose
  2. Zaz: La vie en rose
  3. Zaz: La foule
  4. Kaas: La foule

Zurückhaltend ausgedrückt: Kaas chante Piaf kommt mindestens zehn Jahre zu spät, oder Klartext: das ist altmodisch und langweilig. Vielleicht wird Piaf von ZAZ nicht ernst genommen aber muss man das? Liebeskummer kann doch auch spaßig rüberkommen. Also wenn sie eine neue CD von „der Piaf“ wollen und mich fragen, dann empfehle ich zu warten, denn sie wird kommen: „ZAZ chante Piaf“.