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Gravity_PosterEigentlich sollte sich Kosmologelei mit kosmischen Fragen beschäftigen. Bevor das unwiderruflich zur Film- und Musik-Seite degeneriert, muss ich irgendwie wieder die Kurve zurück ins All kriegen. Der Übergang fällt leicht bei einem Film, der am 4. Oktober 2013 in den Kinos der USA anlaufen soll: „Gravity“ (links ein Ausschnitt aus dem künftigen Filmplakat – hier in groß). Jetzt ist der Trailer zum Film erschienen und der lässt vermuten, dass hier ein kosmischer (Rein-)Fall anrollt. Die Story ist schnell erzählt. Clooney und Bullock hat’s ins Weltall verschlagen. Bei einem Spaziergang außerhalb der ISS wird diese von Weltraumschrott getroffen und zerstört. Rein zufällig passiert in dem Moment auch das Space Shuttle den Unglücksort und wird in einem Aufwasch gleich mit gehimmelt, worauf Sandra und George ohne Verbindung zur Erde von der Schwerkraft (Gravity) getrieben um die Welt trudeln und der geneigte Zuseher sich fragen darf: Gibt’s ein Happy End? (die Antwort finden Sie hier – Vorsicht: SPOILER) Für den Film sicher nicht, denn den hat Alfonso Cuarón gedreht und wer dessen Faible für lange Kameraeinstellungen (z.B. aus „Children of Men„) kennt, darf sich auf spannendes Gucken der Darsteller freuen. Nicht der Zuschauer guckt gespannt, nein, die Darsteller gucken so aus Astronautenhelmen ohne Sonnenschutzvisier 😎

Aber das ist noch ein verzeihlicher filmischer Kunstgriff, denn wenn Clooney und Bullock hinter dem unverzichtbaren Visier in die Sonne blicken würden, würde man ihre angespannten Gesichter ja nicht sehen. Ich habe selten einen Trailer gesehen, in dem so viele Fehler stecken. Wie wird das erst im ganzen Film sein. Ich muss den gucken und mitzählen. Was macht das Space Shuttle da oben? Das ist doch Geschichte und war es auch schon 2012, als der Film in die Kinos sollte. Vielleicht versucht man seit Jahren den Streifen spannend zu schneiden. Die aus dem Projekt ausgestiegen sind oder die Hauptrollen abgelehnt haben, hatten wohl einen guten Riecher. Deren Liste liest sich wie das Hollywood-Who-Is-Who: Robert Downey Jr., Natalie Portman, Scarlett Johansson, um nur einige zu nennen.

Wenn das Shuttle filmisch explodiert, dann muss wohl auf dem Herd in der Bordküche gerade ein Spiegelei in der Pfanne verrückt geworden sein. Welche nicht vorhandene Luft bläst den Bremsfallschirm des Shuttle auf :mrgreen: ? Und dann die Verwechslung von Miles und Kilometern 🙄 Im Trailer ist zu lesen „at 372 Miles Above The Earth“ … Der Orbit der ISS liegt zwischen 200 und 267 Meilen (320 bis 430 km). Ich vermute, die 372 „Miles“ kommen so zustande: Wenn die ISS (abgebremst) zu tief fliegt, dann schubst die russische „Progress“ (früher das Space Shuttle) sie wieder auf einen Orbit von 372 KILOMETER (= 231 Miles). Die „372“ hat wohl jemand in den Mission-Berichten nachgelesen und dann nach der Zahl mit dem Lesen aufgehört, oder – typisch Ami: „Kilometer? … WTF … dunno … must be miles“.

Da es bis zum Film „Gravity“ noch lang hin ist, fliegen Sie doch schon jetzt mit mir und der ISS „real“ um die Welt, dreimal in nur 7½ Minuten (die ISS braucht fast 93 Minuten für einen einen Orbit).

Hier in Stichworten eine kurze Beschreibung unserer Weltreise:

  1. Wir starten von Irland Richtung Süden, wo Wolken Frankreich verstecken. Erst die iberische Halbinsel erstrahlt wieder im Sonnenlicht. Ein Schlenker nach Libyen und über die Sahara und weiter zum Mittelmeer, in dem Sizilien faul in der Sonne liegt und Wolken Italiens Rest verhüllen. Der Stiefel ist erst bei einem kurzen Blick zurück zu sehen. Weiter über Nordafrika Richtung Nord-Osten zu den Pyramiden von Gizeh im Abendlicht bis hinauf zur Türkei und ans Schwarze Meer, wo uns das Büchsenlicht ausgeht.
  2. Wenn die Sonne nach einer sehr kurzen Nacht wieder aufgeht, fliegen sie entlang des Sinai und der arabischen Halbinsel (die Straße von Hormuz ist schön zu sehen) Richtung Indien. Vom Himalaya gucken leider nur Spitzen aus den Wolken, die auch von Russland und China nicht viel preisgeben. Erst über Burma klart es auf, aber zu spät, denn wieder wird es „langsam“ dunkel. Entlang der Westküste Asiens rauf gen Norden, wo wir entlang der Aleuten den Pazifik bei Nacht überqueren. Aus der Cupola der ISS beobachten wir nicht nur den aufgehenden Mond, sondern (wenn die Musik bei 3:23 min wechselt) auch eine herrlich giftgrüne Aurora Borealis, über die wir sogar drüber fliegen*.
  3. Der nächste Tag fängt mit den Rocky Mountains in the sun an und wird im Westen der USA fortgesetzt, wo Sie längs der kalifornischen Küste nach Mexiko düsen. Eine scharfe Linkskurve nach Osten führt vom Golf zur Küste Louisianas. Der Nachtflug Richtung Süden zeigt Gewitter vor dem Sunshine State Florida und die Keys. Kurz hinter Sao Paulo macht die ISS wieder kehrt nach Norden und fliegt dem nächsten Tag und New York entgegen. Über Neuengland ins dämmernde Kanada, weiter Richtung Neufundland, langsam Richtung Heimat.
  4. Die Atlantiküberquerung bringt als Highlight einen traumhaften Blick auf unsere Milchstraße. Während der Mond im Atlantik versinkt, kuscheln Irland und Großbritannien noch im fast gemeinsamen Bett und Paris strahlt. Um dort wie weiland Charles Lindbergh standesgemäß landen zu können, müssen wir eine Schleife über dem nächtlichen Spanien und der Biscaya drehen, Kurs Nordost und dann … was macht Captain Kirk … er rast an Paris vorbei nach Osten, der aufgehenden Sonne entgegen … ENDE!

Die Clips, aus denen das Video zusammen geschnitten wurde, stammen von der NASA und sind gemeinfrei. Wenn Sie wollen, stellen Sie sich auf dieser Seite oder dem entsprechenden YouTube-Channel der NASA Ihren eigenen Rundflug zusammen.

Wenn es Sie interessiert, wo die ISS grade steckt, hier wird Ihnen geholfen (JAVA aktivieren). Wer es lieber in Flash mag, kann sich hier bedienen. Die NASA hat ebenfalls einen ISS-Tracker, aber der funktioniert nicht richtig 😦 Schematisch zeigt auch das folgende Bild von der Seite „heavens-above.com“ die Position der ISS zum Zeitpunkt, als Sie diese Seite geöffnet haben (beim Browser-Refresh sollte sich daran was ändern 😆 )

Über dem Rheinland ist die ISS am kommenden Sonntag (19. Mai 2013) gegen 4:48 h wieder für zwei Minuten mit bloßem Auge zu sehen (wenn die Wolken mitspielen), und zwar eine Handbreit über dem südlichen Horizont (Flugrichtung von Süd-Süd-Ost nach Ost-Süd-Ost). Die jeweils aktuellen Sichtungsdaten für Deutschland finden Sie hier bei der NASA.

Die ISS hat auch eine Webcam an Board. Zurzeit gibt es kein Bild, nur Ton. Bordtechniker Roman Jurjewitsch Romanenko quatscht mit seiner Familie am Boden (russisch, aber Mission Control übersetzt simultan ins Englische).

Die Musik ist natürlich (wie einfallslos) zu Beginn von Frankie Boy (Sinatra) das „Come Fly With Me“ (obwohl Raumschiffe streng genommen nicht um die Erde fliegen, sondern um sie herum fallen … sagt Einstein) und dann „All Around The World“ von Lisa Stansfield.

* Bei dem Flug über die Aurora Borealis habe ich gefuscht. Tatsächlich fliegt die ISS da über eine Aurora Australis. Klarer Fall von Reisemangel 😛 Sonst stimmen alle Angaben der Reisebeschreibung mit dem Video überein.